Maikäfer in Ottenbach

Aus Ottenbach
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Ottenbacher Geschichten

Unter diesem Titel will eine Gruppe von Ottenbacherinnen und Ottenbachern Geschichten und Episoden aus den letzten zwei bis drei Generationen vor dem Vergessen bewahren wie z.B. die nachfolgenden Maikäfergeschichten und sie in geeigneter Form der Nachwelt erhalten.

Maikäfer in Ottenbach

Zusammenstellung und Interviews: Peter Eichhorn, Weihermatt 8, 8913 Ottenbach Dez.2009 bis März 2010.

peter.eichhorn@gmx.ch

Vortrag an der Generalversammlung des Gemeindeverein Ottenbach 26. März 2010 im Neuhofsaal

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Wilhelm Busch 1832-1908

Max und Moritz

5. Streich

Jeder weiß, was so ein Mai-

Käfer für ein Vogel sei.

In den Bäumen hin und her

Fliegt und kriecht und krabbelt er.

Max und Moritz, immer munter,

Schütteln sie vom Baum herunter.

Maikäferflug – ein wichtiges Ereignis im Dorf!

Die periodisch wiederkehrende Maikäferplage war bis etwa 1960 auch in Ottenbach ein Ereignis, welches praktisch die ganze Dorfbevölkerung betraf. Das Dorf war noch durch und durch bäuerlich geprägt. Wer nicht selber Landwirtschaft betrieb, hatte meistens einen grossen Nutzgarten mit einigen Obst,- Nuss- oder Kernobstbäumen. Vom Schaden durch den Käferfrass und der Engerlinge waren also die Meisten betroffen und so machte die ganze Dorbevölkerung beim Käfersammeln mit.

Wirtschaftliche Situation in Ottenbach bis ca. 1960

Die ganze Bevölkerung musste für ihr tägliches Brot hart arbeiten. Es gab 50-60 Bauernbetriebe, die meisten sehr klein, so dass ein Nebenverdienst nötig war.

(Heute (2010) ca. 9 Haupterwerbsbetriebe und ca. 7 Nebenerwerbsbetriebe. Mitteilung von Ackerbaustellenleiter und Gemeinderat Fritz Schumacher)

Die Bauernfamilie Eichhorn hatte im „Hüttenbüchlein“ die Nr. 36 (Hier wurde die täglich in der Sennhütte abgelieferte Milch notiert) 1 mal monatlich war Milchzahltag, Auszahlung des Milchgeldes durch den Milcheinnehmer in einem der damals fünf Wirtschaften im Dorf

Richtig grosse Bauernbetriebe oder sehr reiche Bauern gab es nicht. Die Einen waren klar besser gestellt, die Anderen schlechter bis schlecht.

Subventionen gab es noch nicht, einzig der Weizenpreis wurde vom Bund festgesetzt. Der Milchpreis war niedrig und meistens die einzige monatliche Bargeldeinnahme.

Auch die nichtbäuerliche Bevölkerung musste zu jedem Franken schauen. So waren Zusatzeinnahmen wie das Maikäfersammeln sehr begehrt. weil es eine festen Preis pro Liter gab. Ich komme später darauf zurück

Im Dorf war die damalige Weberei Haas der einzige grosse Arbeitgeber. Wer dort keine Arbeit fand, suchte eine Stelle Richtung Zürich oder Zug.

Maikäferplagen

Die Maikäferplagen und damit die Bekämpfung von Melolontha melolontha L. (Feldmaikäfer) ist eine alte Geschichte. Bereits 1479 datiert das erste überlieferte Massenauftreten des Schädlings in der Schweiz. Damals belegte der Bischof von Lausanne die Maikäfer mit dem Kirchenbann. Im Mittelalter war die Maikäferbekämpfung eine Aufgabe der Kirche. Zur „Bekämpfung“ der Schädlinge setzte die Geistlichkeit auf Massnahmen wie die Exkommunikation und Verbannung der Käfer. Wenn diese auf dem Höhepunkt der damals alle 30-40 Jahre erfolgten Massenvermehrung erfolgte, schien die Verbannung sogar vermeintlich zu wirken!

Biologie der Maikäfer

Das Emporgraben und das anschliessende Ausfliegen der erwachsenen Käfer erfolgt witterungsabhängig in der Zeit von Mitte April bis Ende Mai, hauptsächlich zur Zeit der Abenddämmerung. Ihr Begattungsflug richtet sich nach der höchsten dunklen Silhouette, so dass sich die Populationen häufig an Waldrändern treffen, wo zunächst ein Reifungsfrass stattfindet. Als Frasspflanzen werden bevorzugt Laubgehölze angeflogen (z.B. Eiche, Buche, Haselnuss, Ahorn, Nussbaum, Weide, Steinobst: Kirschen, Zwetschgen, Pfirsich usw.). Nach der Begattung erfolgt der Rückflug der Weibchen zu ihren jeweiligen Herkunftsgebieten, wo sie für die Eiablage Flächen mit hoher Wärmeabstrahlung und kurzem Bewuchs aufsuchen. Insgesamt sind bis zu drei Eiablagen mit jeweils 10-30 Eiern möglich, welche gruppenweise 10-20 cm tief in den Boden gelegt werden.

Die Engerlinge schlüpfen als Junglarven nach einer 4-6-wöchigen Eientwicklung. Sie ernähren sich zunächst von absterbendem Pflanzenmaterial - nach der ersten Häutung im August/September zunehmend auch von lebenden Wurzeln. Die Überwinterung der Larven erfolgt ebenfalls in tieferen Bodenschichten, unter dem Frosthorizont. Im zweiten Jahr folgt dann von April bis September die stärkste Frasstätigkeit und somit Gewichtszunahme der Engerlinge, weshalb dies als Hauptschadenjahr bezeichnet wird. Im dritten Jahr (in höheren Lagen ev. erst im vierten) wandern die Engerlinge nach ihrem Reifungsfrass im Juni erneut in tiefere Bodenschichten, wo sie sich während 4-6 Wochen verpuppen und als voll entwickelte Käfer überwintern.

Basler, Berner und Urner Flugjahre

In einer Region entwickeln sich alle Maikäfer synchron. Die Ursachen kennt man nicht. Die Maikäfer haben eine dreijährige Entwicklung. Die Flugjahre in der Schweiz sind nach historischen Begebenheiten benannt. Allerdings sind sie in manchen namensgebenden Regionen heute gar nicht mehr nachweisbar, dafür in anderen Regionen.

Das Basler Flugjahr finden wir heute in Ob- und Nidwalden, im Haslital und im Wallis, nicht aber in und um Basel.

In den Berner Flugjahren treten stärkere Flüge im Domleschg, Rheintal, Prättigau, im westlichen Thurgau und im Gebiet um Interlaken auf.

Das Urner Flugjahr umfasst den Kanton Uri sowie den östlichen Thurgau.

In den Gemeindeakten wird für die Gemeinde Ottenbach das Berner Flugjahr angegeben.

Schäden durch Maikäfer und Engerlinge

Schäden durch Maikäfer

Schäden entstanden durch starken Blätterfrass der Maikäfer an Kirsch- Zwetschgen- und Nussbäumen. Eine Ernte konnte so teilweise oder ganz ausfallen. Das wirkte sich auf die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung aus. Viele Früchte wurden durch Einmachen oder Dörren länger haltbar gemacht für die Winterzeit. Tiefkühlgeräte kannte man noch nicht oder waren zu teuer. Auch Buchen-, Eichen,- und andere Laubbäume wurden befallen, hauptsächlich Einzelbäume oder den Waldrändern entlang.

Schäden durch Engerlinge (Mundart „ Ingere “)

Die Engerlinge frassen vor ihrer Verpuppung einige Zentimeter unter Boden die Grasswurzeln ab und brachten so ganze Wiesen zum Absterben. Als Bekämpfungsmethode galt das Umackern und Einsammeln der Engerlinge. Auch in Obstanlagen waren die Engerlinge gefürchtet. Die Apfelbäume reagierten durch geringeren Fruchtansatz. Da in den Anlagen nicht geackert werden konnte, war eine mechanische Bekämpfung schwierig.

Es existieren Schwellenwerte (Anzahl Engerlinge/m²), bei deren Überschreitung es zu Schäden kommt. Diese liegen kulturabhängig zwischen 1-2 (Baumschulen, Erdbeeren), 20-30 in Wiesen und Weiden, 3-4 in Hackfrüchten und 15 Tieren in Getreide und werden durch Probegrabungen ermittelt.

Bekämpfung der Maikäfer und Engerlinge

Natürliche Feinde

Die natürlichen Feinde des Maikäfers sind: Vögel (Star, Krähen, Meisen, Wiedehopf,) Fledermäuse, Igel, Dachs, Pilze, Bakterien, Nematoden, Viren u.A. Der Engerling wird von denselben Feinden wie der Käfer sowie von Maulwurf, Dachs und Wildschwein verfolgt.

Bekämpfung durch Einsammeln

In Flugjahren musste der Mensch seine Kulturen zusätzlich schützen. Die billigste Möglichkeit bestand im Absammeln von Käfern und Engerlingen.

Chemische Bekämpfung

In zwei Versuchsgebieten im Kanton Zürich wurde mit chemischen Mitteln gegen die Maikäfer vorgegangen. Nachfolgend die hierüber gefundenen Angaben in den Archivakten der Gemeinde Ottenbach: (Akte II B 22.12)

Dabei wurden Einzelbäume und Waldränder aus Flugzeugen oder mit Nebelblasern mit chemischen Mitteln bestäubt.

1951 Beginn der chemischen Bekämpfung im Kanton Zürich. Der Kanton bestimmte Versuchsgebiete: Das Zürcher Weinland und Zürcher Oberland. (Die Gemeinden sind in der entsprechenden Verfügung aufgelistet) In diesen Gemeinden wurden keine Sammlungen angeordnet.

1963 wurde die letzte chemische Bekämpfung des Maikäfers in den obigen Versuchsgebieten durchgeführt, in reduzierter Form. Es gab in diesem Jahr auch keine obligat. Sammlung im Kanton Zürich.

Das chemische Mittel wurde von der Eidgenössischen Versuchsanstalt in Wädenswil zur Verfügung gestellt. Es durfte nur dieses Mittel verwendet werden. (Laut einem Aktenvermerk hiess es „Hexa“)

Von 1960 liegt ein 4-seitiges Flugblatt einer „Interessen- Gemeinschaft für Vogelschutz- Propaganda“ mit Sitz in Sarnen bei, welche auf die schlimmen Folgen der Spritzerei auf die Vogelwelt aufmerksam macht. Mit Beispielen aus Afrika, wo damals in grossem Stiel gegen Heuschrecken und alles Mögliche, was kroch und zirpte, gespritzt wurde. Ganze Jahrgänge von Zugvögeln wurden so vernichtet.

Ob sich weitere Kreise gegen die massive Maikäferspritzerei in den Versuchsgebieten des Kantons wehrten, steht in den Gemeindeakten nicht. Dem müsste in Zeitungsarchiven nachgegangen werden. In Ottenbach wurde keine chemische Bekämpfung der Maikäfer durchgeführt.


Brachten die Maikäfer auch einen Nutzen?

Im Buch „ Fleisch und Blut “ Das Leben des Metzgers Hans Meister *1913, habe ich folgendes gelesen:

Hans war im hintersten Emmental aufgewachsen, zusammen mit vielen Geschwistern. Wenn die Maikäfer auftraten, war Alarmstimmung. Alle mussten helfen die Viecher einzusammeln. Nicht alle Käfer wurden anschliessend im Boden verlocht, für einen Teil hatte man noch eine bessere Verwendung. Die Käfer wurden gestampft und mit blossen Händen vermanscht bis das ganze eine schmierige Masse war. Und für was wurde diese unappetitliche Schmiere gebraucht?: Bis zum nächsten Flugjahr diente die eisweisreiche Masse als Wagenschmiere, also als Fettersatz zum Schmieren der eisernen Wagennaben.

Fritz Eggger hat noch eine weitere, sehr interessante Sache gehört: In einigen Kantonen wurden während des 2. Weltkrieges die Maikäfer nach dem Sammeln in Säcke abgefüllt und an eine zentrale Stelle geliefert. In einem Extraktionsbehälter sei die Feuchtigkeit entzogen worden. Anschliessend wurden die Käfer gemahlen und als Schweinefutter verwendet. Maikäfer sind sehr eiweissreich.

Eine weitere, sehr appetitliche Sache habe ich im Internet gefunden:

Rezepte für eine Maikäfersuppe

Maikäfersuppe gehört zu den wenigen in Europa verbreiteten Insektengerichten und war bis Mitte des 20. Jahrhunderts zumindest in Deutschland (Nordhessen) und Frankreich geschätzt. Der Geschmack soll an Krebssuppe erinnern. Zur Zubereitung werden die Maikäfer ohne Flügel und Beine in Butter angeröstet und in Kalbfleisch- oder Hühnerbrühe gegart. Je nach Rezept wird die Suppe gesiebt und als Brühe genossen oder die Käfer werden anfangs im Mörser zerstoßen, die Suppe wird passiert und mit etwas Mehlschwitze und Eigelb gebunden. Sie wurde früher zum Beispiel mit Scheiben von Kalbsleber und geröstetem Weißbrot serviert. Pro Person wurden etwa 30 Maikäfer gerechnet.

In einem Aufsatz über Maikäferplagen in Luxemburg aus dem Jahr 1844 heißt es, dass die Maikäfer damals nicht nur als Suppe, sondern von Studenten auch ungekocht gegessen wurden, „in vielen Conditoreien sind sie überzuckert zu haben, und man isst sie candiert an Tafeln zum Nachtische“.

Maikäfersammeln in Ottenbach

Maikäfer sammeln inserat 1954.jpg

Der Kanton Zürich ordnete die Sammlung an, die Gemeinden mussten diese durchführen.

In einer Verordnung wurde die Liter- Menge und die Entschädigung festgelegt. Bei grösserem oder kleinerem Befall konnte die Gemeinde die Abgabemenge den Verhältnissen anpassen.

Beispiel 1927: für die ersten 10 Aren 2 Liter, weiter 10 Aren ¼ Liter. 37 000 Aren abgabepflichtiges Land in Ottenbach ergab 1988 Liter, abgegeben wurden 3110 Liter. Ein grosser Befall.

Die Landbesitzer erhielten, für die über der Sammelpflichtigen liegenden Liter, den für die freiwillig Sammelnden geltenden Literpreis. Im Kanton Zürich wurden immer etwa 20 bis 30 Rappen pro Liter bezahlt.

Wie wurde gesammelt

Die Käfer krochen in der Abenddämmerung bei passender, warmer Temperatur aus dem Boden und flogen los und suchten die ihnen zusagenden Bäume. In der Nacht schlugen sie sich die Bäuche voll.

Durch die Morgenkühle wurden die Käfer steif und fast flugunfähig. Das war der Zeitpunkt zum Sammeln. So ab 4 Uhr früh rückte die sammelnde Bevölkerung aus und legt unter den entsprechenden Bäumen Tücher und Decken aus. (Plastikfolien gab es noch nicht).

Dann wurden die Äste geschüttelt und die Käfer fielen wehrlos auf die Tücher und wurden von da in alte Milchkannen, Tansen (Rückentraggefäss) und andere, verschliessbare Gefässe geschöpft. Man kletterte zum Schütteln auch in die Bäume und auf die Äste, was nicht ganz ungefährlich war.

Sobald die ersten Sonnenstrahlen die Käfer wieder flugfähig machten, war die Sammlerei für diesen Tag vorbei. Nächster Morgen Fortsetzung!

Die Käfer mussten im toten Zustand abgeliefert werden. Zu diesem Zweck wurden die armen Tierchen mit heissem Wasser übergossen. Daraus ergab sich eine grausam stinkende Sauce! Die Gefässe waren nur für diesen Zweck zu gebrauchen!

Der Standort der Abgabestelle war der Kadaverplatz der Gemeinde Ottenbach bei der Kiesgrube Mülibach.

Jede Gemeinde hatte einen Kadaverplatz (Wasenplatz) und einen sog. Abdecker. Wenn z.B. ein Kalb oder eine Kuh krankheitshalber einging und das Fleisch nicht verwertet werden konnte, wurde es hier verlocht. Es gab noch keine andere Kadaverentsorgung.

So setzte sich in der Maikäferzeit auf den festgesetzten Zeitpunkt eine Kolonne von Einwohnern mit unterschiedlichen Wägelchen und Karren, Velofahrer mit der Tausse am Rücken, Bauern mit Pferd und Wagen Richtung Abgabestelle in Bewegung. Ein richtiger Umzug!

Beim Kadaverplatz stand der Abdecker mit Waage und Namensliste bereit und waltete seines Amtes. Das Grab für die Käfer war schon ausgehoben.

Episoden und Aussagen von OttenbachernInnen

(Interview- Datum in Klammer)

Berta Gut- Schoch *1923 (18.12.2009)

Weihermatt 6 Ottenbach

Werner Leutert- Kohler („ Forschter- Werner ") ist beim Maikäferschütteln am Isenberg von einer Buche gestürzt. Das Jahr weiss sie nicht mehr, aber sie war noch ledig, also vor 1952 und Berta wohnte noch an der Jonenstrasse 25. Berta galt im Dorf als die Samariterin und wurde alarmiert. Sie eilte mit der zu Hause platzierten Tragbahre an den Unglücksort. Bertas Bruder (ob Fridel oder Walter weiss sie nicht mehr) musste ebenfalls ausrücken, mit Traktor und Pneuwagen. Sorgfältig wurde der Verunglückte auf ein Maikäfersammeltuch gelegt und so auf den Pneuwagen gehoben. Sie weiss noch, dass der herbeigerufene Arzt Dr. Alder aus Hausen, sie für dieses vorsichtige Vorgehen lobte. Welche Verletzungen Werner Leutert hatte weiss sie nicht mehr genau, Berta glaubt, dass er einen Rückenwirbel gebrochen hatte oder dass am Brustkorb etwas gebrochen war.

Erika Bournarie- Grubenmann *ca. 1948 (20.12.2009)

Dorfstrasse 42, Obfelden (in Ottenbach aufgewachsen)

Sie kann sich gut erinnern, dass die ganze Klasse mit ihrem Lehrer Johann Fisch 1957 am Isenberg Maikäfer gesammelt hat. In ihrem Fotoalbum sei noch eine Fotografie. Am 21.12.2009 konnte ich (Pe) das Album abholen. Das ist wirklich eine kostbare und auch köstliche Aufnahme: Der Lehrer mit einer sehr langen Stange, die Schüler am Auflesen oder halb auf den Bäumen! (Bei Pe im Adobe- Photoshop) Auf dem Bild erkennt man links die Sybille Häusermann, die Schwester von Christine Häusermann und Erika Bournarie

Leana Müller- Schmidt *ca. 1948 (21.12.2009)

Ottenbach

Sie war auch Schülerin bei Johann Fisch, sammelten aber nicht klassenweise. Das Maikäfersammeln war auch bei Nichtbauern beliebt, Bargeld war damals rar und die 20 Rp. pro Liter waren viel Geld. So sammelten eben auch die Kinder der Familie Schmidt.

Susanne Kehrli- Zumstein *ca. 1948 (22.12.2009)

Ottenbach

Sie war ebenfalls Schülerin bei Johann Fisch, sammelten aber nicht klassenweise sondern privat.

Fritz Egger- Häusermann *1941 (beide Egger 24.12.2009)

Ottenbach

Er sammelte privat im Gebiet Dorfrüti (Ottenbacher Flurbezeichnung „ Gämseliwäldli, Seerosenteich “ auf der aargauer Seite der Reuss. Diese Streugebiete waren bis zur Reusstalsanierung (beendet 1980) im Besitze von Ottenbacher Bauern oder der Holzkorporation. Heute Naturschutzgebiet.“

„ Gämseli “, Ottenbacher Bezeichnung für den Zweiblättrigen Blaustern, Scilla bifolia. Wächst hier zusammen mit Bärlauch ( Allium ursinum )In Obfelden heissen sie " Wämseli ". ( Zürchichdeutsches Wörterbuch Seite 200 )

Ruth Egger- Häusermann *1940

Ottenbach

Rutht’s Vater, der „ Hühner-Häusermann “, besass Land, darum musste er Pflichtsammeln.

Walter Häusermann kehrte 1952 aus Portugal in die Schweiz zurück mit Ehefrau, Sohn und Tochter. Er erwarb die Liegenschaft am Salzrain 16. Hier machte er, für die damalige Zeit und für Ottenbach etwas ganz Neues: Er baute einen grossen Hühnerstall und produzierte mit den Hühnern Eier.

Ernst und Heiri Hegetschweiler, („ Ursis“ ) Landwirte, im Ölberg (beide über 80) (24.12.2009)

Ottenbach

Es musste pro Are oder Hektare abgegeben werden, wie viel wissen sie nicht mehr. Heiri ist als junger Bursche beim Maikäferschütteln vom Baum in den Mülibach gefallen, ohne Schaden davon zu tragen.

Wann und warum die Maikäferpopulation zurück ging, kann können die Beiden nicht genau sage. Es könnte sein, dass Chemie gespritzt wurde.

Peter Eichhorn *1943 (pe)

Ottenbach.

Meine Schwester Margrit Pajarola- Eichhorn *1932, weiss noch genau, dass in aller Herrgottsfrühe, so um 4 Uhr, zum Sammeln ausgerückt wurde, zum Beispiel zu unserem Landstück im Rebhoger. Damals stand hier ein Wald von Obst- und Kirschbäumen. Tücher wurden am Boden ausgebreitet und nun wurde geschüttelt und eingesammelt. Gegen 6 Uhr eilte Vater Eichhorn nach Hause, um zu melken. Die Familie sammelte weiter, bis die Maikäfer warm genug hatten und davon flogen. Anschliessend gab’s Frühstück zu Hause und die Kinder mussten zur Schule.

Als Kind kam mir das leise Krabbeln in der „ Tausse “ unheimlich vor. Mutter machte dann auf dem Holzherd heisses Wasser, die Maikäfer bekamen eine Dusche und aus war’s mit dem Maikäferleben.

Mit 13 oder 14 Jahren durfte ich schon in den abendlichen Proben des Musikvereins Ottenbach mitblasen. Ich kann mich gut an die Aufregung und die Jagd nach Maikäfern erinnern, welche sich im Lokal verirrt hatten

Fritz Egger *1941 (29.12.2009 per Email)

Anlässlich der Häusermanschen Weihnachtsfeier habe ich mich auch etwas nach der Maikäfersammlung erkundigt. Gerold Häusermann mag sich noch vage erinnern, dass die Maikäfer zum Abgeben gesammelt werden mussten. Offenbar hat aber Vater Louis Häusermann mit seinen Buben auch später noch Maikäfer gesammelt. Dieter mag sich noch daran erinnern. Nicht aber dass sie die Käfer dann abgeliefert haben. Fritz Hofstetter ist der Meinung dass die Käfer aufgrund kantonaler Vorgeben gesammelt wurden. Über Nyfeler’s im Grossstein wusste Fritz, dass diese immer so grosse Mengen gesammelt haben, dass daraus ein schöner Zustupf in die Kasse resultierte.

Kurt Leutert *1923 gest.2011 (4.1.2010 per Telefon) ( Grunde-Kurt, Pfüder )

Im Grund Ottenbach

Kann sich gut an das Maikäfersammeln erinnern, Detail weiss er aber nicht mehr. Als ein Jüngling war, erzählten die Alten, dass früher die gesammelten Käfer in die Reuss geschüttet worden seien. Er weiss aber, dass zu seiner Sammelzeit die Käfer bei der Kiesgrube abgegeben und vergraben wurden.

Rolf Funk *1943 (11.1.2010)

Ottenbach

Rolf kann sich gut an das Sammeln erinnern. Die Abgabestelle war bei der Kiesgrube. Für die Gemeinde angenommen hat die Käfer Emil Landolt. Er war gewählter Abdecker und, etwas makaber, auch Totengräber! Speziell in Erinnerung ist Rolf ein glücklich ausgegangenes Abenteuer: Mit Pferd und Bockwagen rückte die Familie Frühmorgens zum Käfersammeln aus. Das Sammelgebiet war jenseits der Reuss im Neuland. Er sei noch ein kleiner Knirps gewesen, habe aber unbedingt mitfahren wollen. Es war aber doch zu früh für den kleinen Rolf. Er wurde müde und darum auf Bockwagen gebettet und schön zugedeckt. Dem Pferd wurde es langweilig und riss samt Wagen und Rolf aus Richtung Ottenbach. Eine grüne, saftige Wiese vor der Reussbrücke lockte aber zum Fresshalt. Die erschreckten Eltern konnten die Ausreisser mühelos einfangen.

Peter Aebersold *1948

Zürich

Peter Aebersold ist in Ottenbach aufgewachsen. Seinen Aufsatz von 1957 hat er Wikipeter freundlicherweise am 17.November 2013 zur Verfügung gestellt.

Aufsatz 3. Klasse

Maienkäferjagd

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Wir haben daheim, circa ein Beet voll Himbeerstauden. Darauf hat es viele Maienkäfer. Wir haben die Himbeerstauden geschüttelt. Da sind viele Maienkäfer herunter gefallen. Wir haben sie in eine Büchse geworfen.

Wir sind mit der Schule in den Wald, Maienkäfer suchen. Wir sind am Waldrand, um zu schütteln. Ernst Schädeli hat eine Stange mit einem spitzen Haken mitgebracht. Herr Fisch hat mit der Stange geschüttelt. Da sind sie herab geflogen. Unser Lehrer hat eine Foti gemacht.(bei pe im Adobe Photoshop) Als wir zum letzten Male geschüttelt haben. Wir haben unter dem Baum ein paar Tücher gelegt und der Lehrer hat mit der Stange geschüttelt. Markus Egger hat einen Wagen gebracht. Christeli Oehninger hat sie nach Rickenbach gebracht. Wir haben 8 Liter gesucht. Das gibt Schulreisegeld.

Korrigiert am 8. Mai 1957 von Lehrer Fisch


Maikäferakten im Archiv der Gemeinde Ottenbach

Tabellarische Auflistung der in den Akten aufgeführten Maikäferjahre.

Akte II B 22.12 im Archiv der Gemeinde Ottenbach

1922 Keine Sammlung

1923 Keine Sammlung Baslerflugjahr, „ fast gar keine Maikäfer und Engerlinge “

1924 Sammlung 3118 Liter wurden abgeliefert. Freiwillige Sammler: 30 Rp.

1926 Keine Sammlung

1929 Keine Sammlung

1930 Sammlung Berner Flugjahr. 1532 Liter

1931, 1932, 1933, 1934, 1935 Keine Sammlung

1936 Sammlung. Ganzer Mai Total 7705 Liter. Freiwillige Sammler 20 Rp.

1937 Keine Sammlung

1938 Keine Sammlung

1939 Sammlung. 11 755 Liter wurden gesammelt. Ganzer Mai. Es muss demzufolge ein sehr starkes Flugjahr gewesen sein. Die Pflichtabgabe wurde auf 4 Liter verdoppelt. 20 Rp./ Liter. Trotzdem erstaunt das grosse Sammelergebniss, war doch in mehreren Ställen in Ottenbach die gefürchtete Maul- und Klauenseuche, eine fieberhafte Viruserkrankung beim Rindvieh, ausgebrochen und das Gemeindeleben durch Sperrzonen usw. stark eingeschränkt, das heisst die befallenen Bauernhöfe wurden isoliert, vom Gemeindeleben abgeschnitten. Es war noch keine Impfung gegen diese Krankheit vorhanden. Es wurde „durchgeseucht“, etwa 14 Tage, entweder überstanden es die Tiere oder sie mussten geschlachtet werden. Milch durfte keine abgeliefert werden. Diese Bargeldeinnahmen fielen aus. Dazu noch der Verlust der Tiere!

Die Bevölkerung wurde in diesem Jahr wahrlich mit „biblischen Plagen“ geschlagen. Der starke Maikäferfrass und dazu die Maul- und Klauenseuche, viele Männer waren wegen der Kriegsgefahr im Militärdienst

1941 Keine Sammlung

1942 Keine Sammlung

1943 Keine Sammlung

1946 Keine Sammlung

1947 Keine Sammlung

1949 Engerlingssammlung (Es wird ein Mittel „ Hexalo “ zur Bekämpfung vermerkt. Anscheinend wurde es aber nicht eingesetzt.

1951 Sammlung

1952 Sammlung

1957 Sammlung. Berner Flugjahr. Freiwillige Sammler: 20 Rp. Liter Wieder Grossversuch mit chemischer Bekämpfung im Zürcher Wein- und Oberland

1960 Sammlung. Berner Flugjahr. 365 Liter freiwillig gesammelt. 30 Rp. Liter. Wieder Grossversuch mit chemischer Bekämpfung im Zürcher Wein- und Oberland

Laut Gemeindeakten fand 1960 die letzte angeordnete Sammlung in Ottenbach statt.

1963 Keine Sammlung. Dafür wurde vom Kanton angeordnet, dass ein möglicherweise auftretender Maikäferbefall auf Katasterblättern 1:25 000 eingetragen werden müsse und zusammen mit einem kurzen Bericht dem Kantonalen Landwirtschaftsamt einzureichen sei.

Sterben die Maikäfer aus?

Maikäfer sind im Kanton Zürich selten geworden. Hauptursache für den Rückgang ist der Verlust der typischen Engerlings- Lebensräume: Wiesen an den Hängen sind vielerorts überbaut. Es wird heute auch viel mehr geweidet als vor 50 Jahren, der Viehtritt vermindert Engerlinge erheblich. Die ebenen Flächen werden ackerbaulich genutzt; die heutige Bodenbearbeitung ertragen die Engerlinge schlecht. Eine eventuell nötige Bekämpfung erfolgt heute mit einem natürlichen Feind, dem Beauveria- Pilz.

Zum Schluss der Schluss der 5. Streich von Max und Moritz. Die beiden Schlingel hatten dem lieben Onkel Fritz einen Papiersack voll Maikäfer unter die Bettdecke gesteckt und die kommen jetzt in der Bettwärme in Scharen raus.

Schon faßt einer, der voran,

Onkel Fritzens Nase an.

»Bau !« - schreit er - »Was ist das hier? !!«

Und erfaßt das Ungetier.

Und den Onkel, voller Grausen,

Sieht man aus dem Bette sausen.

»Autsch!!« - Schon wieder hat er einen

Im Genicke, an den Beinen;

Hin und her und rundherum

Kriecht es, fliegt es mit Gebrumm.

Onkel Fritz, in dieser Not,

Haut und trampelt alles tot.

„Guckste wohl! Jetzt ist's vorbei

Mit der Käferkrabbelei!“

Onkel Fritz hat wieder Ruh

Und macht seine Augen zu.


Quellen: Archiv der Gemeinde Ottenbach, II B 22,12. EinwohnerInnen von Ottenbach, Susanne Wegmann, Wirtschaftsjournalistin, Olten, Internet allgemein. Fritz Schumacher, Ackerbaustellenleiter der Gemeinde Ottenbach

Ergänzungen und Korrekturen an: peter.eichhorn@gmx.ch


In der gleichen Generalversammlung des Gemeindeverein Ottenbach 26. März 2010 im Neuhofsaal hat Fritz Egger einen Vortrag über >>Übernamen,Spitznamen, Beinamen in Ottenbach gehalten.

Es ist sicher die umfassenste Arbeit, die je dazu gemacht wurde. Etwa 65 (in Worten: fünfundsechzig!) Namen sind aufgelistet mit der dazugehörenden Erklärung. In Ottenbach sind nur noch sehr wenige, allgemein bekannte Zu- und Übernamen im Gebrauch. Die Träger und Kenner sterben, neue Zunamen die absolute Ausnahme. Letzter Termin also für diese interessante Arbeit!


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