Tagung Feldbatterie66

Aus Ottenbach
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Nr. 16 Ottebächler September 1982. Fassung pe 01.02.2008 Herausgeber: Gewerbeverein Ottenbach

Tagung der ehemaligen Feldbatterie 66 am 10. Oktober 1982

Am 10. Oktober werden die ehemaligen 66er- Artilleristen vom Aktivdienst 1939 bis 1945 eine Batterietagung in Ottenbach durchführen.

Uniform der Schweizerarmee in den 1930-Jahren. Verschiedene Dienstgrade
Schweizer Armee. 1919, gezogene Feldartillerie auf dem Marsch bei Bülach. Ansichtskarte
Schweizer Armee. Feldartillerie 6.5 cm (Beispielbild, Foto 1930)

Der Grund dieses Anlasses ist, dass die Batterie 66 während vieler Monate – vom 3.10.1939 mit Unterbrüchen bis Ende 1941 - ihren Aktivdienst in Ottenbach absolvierte. Die Batterie 66 rekrutierte sich aus dem Raume Wädenswil- Richterswil und dem ganzen Zürcher Oberland, und nicht vergebens war unsere Batterie- Hymne das „Seebubenlied“.

Bis 1938 waren wir der 7. Division zugeteilt, nach Inkrafttreten der neuen Truppenordnung dann der Abteilung 18 des Artillerieregimentes 6 der 6. Division. Nach der Mobilmachung am 1. Sept. 1939 in Winterthur verlegte man uns zunächst ins kleine Dorf Winterberg ob Kemptthal. Am 2. Okt. jedoch wurde Aufbruch befohlen. Die ganze Nacht hindurch fuhren wir Richtung Zürich, dann durch die Stadt weiter gegen Birmensdorf. Keiner wusste genau, wo es hingehen sollte. Morgens um 5 Uhr war das Geheimnis dann endlich gelüftet: Wir bezogen in Ottenbach unsere Unterkunft. Es war gerade Chilbimontag, und manch eine Haustüre war noch verschlossen, als wir anklopften, um zu fragen, ob man Tenn oder Schopf benützen könne, um Stallungen einzurichten. Wir waren ja immerhin ungefähr 150 Mann und führten an die 110 Pferde mit uns. So wurde der 1. Geschützzug im Hinterdorf, der 2. Geschützzug im Ausserdorf, die Reserve im Ölberg und der Kommandozug im Zentrum des Dorfes platziert. Die Telefonsoldaten und die Kanoniere richteten sich im Postsaal ein und die Fahrer in der Nähe ihrer Pferde. Niemand wusste genau, wie lange die Dienstzeit dauern würde.

Den Bauern halfen wir, wo wir konnten. Jeder Bauer konnte auf dem Batteriebüro einen Fahrer und 2 Pferde anfordern. Dies kostete Fr. 7.- pro Tag, ohne Fütterung der Pferde. Nur dem Fahrer wurde das Mittagessen und ein Zabig mit dem dazugehörenden Schellenbirnenmost gegeben. Damit wir nicht zu sehr verwöhnt wurden, mussten wir dann im Januar 1940 bei der grössten Kälte aus unserem warmen Quartier heraus und waren 3 Wochen lang in Boswil und Benzenschwil. Unsere ganze Division konzentrierte sich am Lindenberg bei grimmiger Kälte, so dass zur Abwechslung ein "Kafi fertig" in einer warmen Bauernstube gut tat. Immer wieder schauten wir sehnsüchtig ins Knonaueramt hinüber. Ende Januar war es endlich so weit, und wir konnten unsere Kantonnemente in Ottenbach wieder beziehen.

Ende April wurden wir dann nach Hause entlassen, aber schon am 2. Mai 1940 kam die 2. Mobilmachung, und wir wurden erneut in Ottenbach gut untergebracht. Von hier aus mussten die Kanoniere Stellungen bauen für unsere Geschütze auf der Risi ob Birmensdorf im Walde. Die Fahrer, die immer in Ottenbach blieben, halfen ihren Logiegebern bei der täglichen Arbeit, so dass die Väter, die ihre Söhne ebenfalls im Aktivdienst hatten, ihre Scholle bebauen konnten. Es schaute auch immer ein Trinkgeld für die Soldaten heraus, die ja mit ihren Fr. 2.- Sold im Tage keine grossen Sprünge machen konnten. Von Lohnausgleich wusste man damals noch nichts.

Die Feldbatterie 66 war während 13 Monaten ununterbrochen im Dienst. Nur einzelne Glückliche, hauptsächlich Bauernsöhne, die niemanden zu Hause hatten, erhielten von Zeit zu Zeit 14 Tage oder einen Monat Dispens. So glaube ich, dass die Feldbatterie 66 ein wenig dazu beigetragen hat, dass die Bauern während der ersten Jahre des Krieges besser über die Runden kamen. Nach 1941 wurden die Einheiten dann vermehrt abgelöst. Zwei Soldaten der Feldbatterie 66 hat es so gut gefallen, dass sie für immer in Ottenbach geblieben sind: Es sind dies *Max Weber- Leutert im Hinterdorf und der Schreibende im Ausserdorf.

Autor: Walter Zumstein- Häberling

….

Walter Zumstein †Okt. 1996 79 Jahre, heiratete die Bauerntochter Hedwig Häberling an der Affolternstrasse 41 und gründete bald darauf die lange Zeit erfolgreiche Zumstein Transporte und Zumstein Reisen,Ottenbach. Er baute auch die Bus- Einstellhalle mit Tankstelle Affolternstrasse 41 und den Wohnblock, angrenzend an das alte Wohnhaus Affolternstrasse 41, an der Schürmattstrasse 2.

Max Weber *2. Feb. 1919 †26. Mai 2007, heiratete die Bauerntochter Berta Leutert an der Jonenstrasse 21.

Heute Bauernhof "Bio-Weber", Jonenstrasse 21, Ottenbach

Quelle: Peter Eichhorn 01.2008



in Bearbeitung

Tagebuch der Feldbatterie 66

im Aktivdienst 1939 – 41

Text und Zeichnungen von Oblt. A. Schawalder

Buchdruckerei Flawil AG, Flawil 1942


Im schön gestalteten, 100-seitigen „Tagebuch der Feldbatterie 66“, im Format 17x23 cm, erzählt Oberleutnante A. Schawalder die Aktiv-Dienstzeit in und um Ottenbach aus der Sicht eines Offiziers. Sehr locker und im Stil eines fröhlichen Reitausfluges mit Artilleriebegleitung. Sicher hätten das die beiden im vorherigen Bericht „Tagung der Feldbatterie 66“ erwähnten Artilleristen, Walter Zumstein und Max Weber, die Aktivdienstzeit etwas anders in Erinnerung. Alle Offiziere waren zu Pferd. Die einfachen Artilleristen sassen auf den Zugpferden, auf dem Geschütz, auf dem Küchenwagen und anderer Materialwagen oder marschierten zu Fuss. Auch stand jedem Offizier ein Bett zu, während die einfachen Soldaten im Stroh schliefen.

A. Schawalder war ein sehr begabter Zeichner. Es ist eine Freude, die vielen gelungen Pferdezeichnungen anzuschauen, mit und ohne Reiter, als Zugpferde vor den Kanonen und in vielen anderen Situationen. Etwa sind etwa 100 Strichzeichnungen, z.T. auch karikiert, wiedergegeben.

Das Tagebuch gibt einen guten Einblick in die ersten Jahre des 2. Weltkrieges. Die Wikipediaseite www.squix.org/ottenbach befasst sich mit Menschen und deren Geschichten aus Ottenbach ZH/CH. Hier ist aber nicht Platz, um das ganze Werk wiederzugeben. Nach der Einleitung sind deshalb nur Textstellen wiedergegeben, welche sich direkt mit Ottenbach befassen.

Zusammefassungen und fett gedruckte Zwischentitel: Peter Eichhorn.



Im Abschnitt „Die Feldbatterie 66 kommt“, stellt Oblt. Schawalder die Batterie vor.


Die Feldbatterie 66 kommt!

Mobilmachung 1.9.39

Tagebuch 66 Umschlag bearbeitet-1.jpg
Hptm Adolf Wettstein


An der Spitze reitet unser Hauptmann Adolf Wettstein auf dem stolzen, kräftigen Fuchs, der schon unzählige Ritte mit seiner Schwadron hinter sich hat. Schon durch viele Wiederholungskurse und Manöver hat der Chef uns geführt; er hat uns zu seiner Einheit geformt und für unsern Soldatenberuf geschult - und nun schreitet er uns voran ins Ungewisse. Wir haben gelobt, ihm zu folgen durch Dick und Dünn - da sind wir.

Auf dem gewaltigen Riesenpferd, dem Boby, schaukelt der Stellvertreter, Rittmeister und Pferdegeneral daher, unser Oblt. Tschudi aus Glarus - ruhig und sicher wie immer.

Daneben, die ewige Zigarette paffend, der gemütliche, leutselige Leutnant Groß, immer lustig, fidel und guter Dinge und mit einem unerschöpflichen Witzvorrat. Er ist scharf hinter dem Material her, das leider seine Tücken hat und meistens fehlt.

Da trottet und träppelt im Staube die Schar der Trompeter, Osterhasen und Fähnlimannen, qualmend aus Brissagos und Stumpen.

Über all der Menge der wiegenden und nickenden Pferde-Köpfe gumpt und schnellt die ,,Miss“ des Oblt. Schawalder, der mit hochrotem Kopf den Vulkan am Ausbruch zu hindern sucht. Die Leute sagen, Reiter und Pferd passten gut zueinander. Dahinter, in würdiger Selbstsicherheit und das linke Auge kneifend Wm. Giger, der den 1. Zug deichselt.

Und nun rollen und schüttern die Geschütze und Caissons heran mit den schönen Sechserzügen von munteren, frischen Freibergern, eine Augenweide. Unsere Fahrer blicken sicher und fest in die Welt, und auch die lebhaften, witzigen Kanoniere sitzen ernst und gelassen auf ihren Protzen, in denen die Granaten leise rütteln. Und nun der 2. Zug. Frisch und keck der kleine Lt. Löhrer auf dem munteren Eidgenossen, beide sind wie aus dem Trückli. Sein Wm. Eberle, jeder Zoll ein Mann, der einem Kanonier das Gruseln beibringen kann. Und da - als kleine eigene Armee, die Reserve des Wm. Feurer, das Reich der würdigen, bedächtigen Leute.

Auf dem Bock der dampfenden Küche die behäbigen Küchentiger, die kaum zu zweit Platz finden. AIs Punkt aufs ,,i“ Feldweibel Egli und Fourier Strickler, ohne die es einfach nicht geht.


Auf Seite 17 kommt der erste Abschnitt mit Bezug auf Ottenbach, eine Trauung in der Kirche Ottenbach


Kriegstrauung von Oblt. Orgis. 29.10.39.

Der Hochzeitszug
Die Artilleriemusik


Der Krönungsumzug des englischen Königs ist nichts, verglichen mit unserem Hochzeitsfest. Der Holländerin haben wir grad schon am Anfang gezeigt, was die Schweizer für großartige Kerle sind. Auch wir Demokraten wissen, was sich schickt. Der Hochzeitszug stellte sich 10.15 vor dem Trauhause auf, wie folgt: Etwa zwanzig Trompeter, die sechsspännige Hochzeitskutsche, mit Vorreiter und dahinter sämtliche Offiziere der Abteilung zu Pferd. Unter Glockengeläute und Hurrarufen der staunenden Ottenbacher, die dergleichen weder je gesehen noch geträumt hatten, bewegte sich der feierliche Zug mit Trompetengeschmetter zur Kirche. Dort bildeten Kanoniere Spalier, und die Menge schrie: ,,Vivat, hoch“. Hauptmann Joss hielt eine sehr männliche und packende Predigt, dass es selbst den renitentesten Sünder gelüstete, wieder einmal solche Worte zu hören. Als das Paar zusammengegeben war, schritt es durch ein Spalier von Säbeln die Treppe hinunter. Es war ein schöner Tag, ein ergreifendes Fest, für die Hochzeitsleute und für uns - denn nachher gab es feine belegte Brötchen, Wein, Schnäpse, Zigaretten und Zigarren, die bald eine solche Atmosphäre von Zufriedenheit und Glück schufen, dass bis in die Nacht hinein gefestet wurde, obwohl das Paar schon lange weit war.

Nachtrag zur Kriegstrauung in der Kirche Ottenbach: Die Trauung ist offiziell mit allen nötigen Angaben im Heiratsregister der Evang.ref.Kirche Ottenbach vermerkt. (Auskunft durch die Sekretärin Daniela Burkart. 14.3.2018


Eine militärische Waldweihnacht auf dem Isenberg


Weihnachtsfeier. 23. 12. 39.

Beim Einnachten marschierten wir in den Wald gegen Z ……… [Zwillikon] Die lange dunkle Kolonne schob sich von der Strasse weg über die verschneiten Wiesen zum Waldrand hinüber. Plötzlich flackern Lichter auf aus den Stämmen, und bald leuchtet ein ganzer Baum in mildem, goldigem Kerzenglanz. Wir stellen uns rings um und schauen einander ins Gesicht. Die Kerzen schimmern in den Augen, und die Gesichter treten scharf und kantig hervor aus dem Schatten. Fast überall ein wenig Staunen, etwas Rührung und schließlich wirkliche Ergriffenheit. Wir singen das schöne ,,Stille Nacht, heilige Nacht““ und halten dabei die letzten Noten recht lange aus - wir sind doch große Kinder geblieben, trotz unseres Waffenberufes. Der Batteriechef (Oblt. Schnorf) liest in die Stille hinein die Weihnachtsgeschichte aus dem Evangelium von Lukas und spricht dann einige Worte zu uns über die Bereitschaft zu kämpfen und zu sterben. Zum Schluss singen wir nochmals und stehen dann schweigend um den Lichtglanz, wie Kinder, die nicht wissen, was sie mit einem Geschenk anfangen sollen. Einer nach dem andern drückt sich dann hinweg - andere starren noch lange in die Kerzen, die eine nach der andern verlöschen.

Im Restaurant Funk setzen wir uns in die warme Wirtsstube um zwei kleine Weihnachtsbäume. Wir werden beschert mit Soldatenpäckli, Guetsli, Rauchwaren usw. Der Chef liest die kräftige Erzählung ,,Elsi, die seltsame Magd“, die alle packt und erschüttert.

Doch, nun wissen unsere Fahrer und Kanoniere nichts was tun. Sollen sie ernst sein oder ausgelassen - schließlich kommt so ein Zwitterding an Stimmung heraus. Man geht gern ins Bett und sucht nach einem Restchen Weihnachtsstimmung aus dem Wald – aber die ist verflogen und vorbei.


Im Januar 1940 musste die ganze Batterie bei der grössten Kälte aus dem warmen Ottenbacher Quartier heraus und wurden 3 Wochen lang in Boswil und Benzenschwil einquartiert, wo sie nicht besonders freundlich empfangen wurden. Unsere ganze Division konzentrierte sich bei grimmiger Kälte am Lindenberg.


Willkommen in Ottenbach!

' Eines Tages begann es in der Batterie zu munkeln, wir kämen fort, d. h. zurück nach O…….. [Ottenbach] Lange hatten wir sehnsüchtig hinübergeschaut ins Zürcher Amt. Daniel erzählte wieder mit Begeisterung von seinem weichen Bett und der sauberen und guten Küche bei Funks. Das Gerücht hielt sich hartnäckig trotz aller Beschwichtigungsversuche - und wirklich ritt ich eines Morgens mit der Kantonnementspatrouille los, den Berg hinunter nach M….. (Muri) und in schlankem Trab über die Reußebene, wo der Schnee bereite schmutzig und recht dünn an der Sonne lag. Wieder einmal donnerten die Hufe über die eiserne Reussbrücke, die Mädchen winkten voll Freude aus der Fabrik, die alten Männer grüssten mit der Hand am Hutrand wie junge Soldaten und die Bauern auf ihren Wagen nickten uns freundlich und energisch zu, dass ihnen die Pfeife beinahe aus dem Mund fiel.


Oberleutnant Schawalder kehrt aus dem Urlaub zurück und beschreibt den Militäralltag in Ottenbach


Ablösungsdienst. 17.2.41. – 24.3.41.

Endlich rücke ich wieder zur Batterie ein. Sie liegt in Ottenbach an der Reuss, bekanntes Land also. Ich bin langsam durch die Ställe gewandert, habe den scharfen Geruch der Pferde eingeatmet, dem Scharren Schauben zugehört und mit meinen Fahrern gesprochen. Dann bin ich zu dem Geschützen gegangen habe mich noch etwas befangen hingesetzt und herumgepröbelt, bis die Übung wieder der in Händen und Augen war. Es ist halt doch eine schöne Welt, unsere Batterie mit den Männern, Pferden und Kanonen.

In den fünf Wochen hat sich manches ereignet. Ich will es kurz nach dem Tagebuch berichten. 17.2.41. Einrücken. Alarmierung der Einrückenden auf der Strecke. Fussmarsch nach B……… Kriegsmäßige Mobilmachung in Fliegerdeckung

In den nächsten zwei Tagen Bezug einer kriegsmässigen Stellung bei Schneegestöber, nachdem die Tf.-Soldaten die Leitungen gelegt und die Kanonier die Geschützstände gegraben hatten. Das schlechte Dreckwetter stellte namentlich an die Geschützbedienungen grosse Anforderungen, da der Camion streikte und zu Fuß getippelt werden musste.

Auf dem K. P. machte sich ein Kaffeetassli als Nachthafen nützlich, da das Loch nicht verlassen werden durfte.

Gegen Ende der Woche siegreicher Einzug im alten Reussnest. Der übliche Dienstbetrieb mit Schießschule, Karabinerexerzieren, Fahrschule bringt wieder Ruhe und Erholung in die Batterie.

Mit der Füs. Kp. I/65 wird in kameradschaftlicher Zusammenarbeit eine Hindernisbahn gebaut an der Reuß. Trainingsmärsche in die weitere Umgebung tragen zur, “Unthaltung“ und Erweiterung der geographischen Kenntnisse bei.

Reitübung im Reusstal, da hat es viele, tiefe Gräben!

Dazwischen sorgen Stellungsbezüge und kleinere Manöver für Abwechslung im ewigen Dienstbetrieb in der Garnison. In einer Stellung wird die Batterie von Patrouillen der nun schon recht befreundeten Füs. Kp. angegriffen.

Es entwickelt sich eine recht gute „Waffenbrüderschaft“ zwischen Grünen und Roten. Beide lernen sich achten und verlieren rasch das oft anerzogene Misstrauen.

24. 3.41. Die Batterie hat anscheinend böse Tage hinter sich. Da liegt unser Stellvertreter mit bandagierten Füßen auf dem Sofa. Er ächzt und stöhnt wie er das schöne Wetter durch die Scheiben flimmern sieht und flucht, dass er nicht reiten kann.

Oblt. Löhrer schreitet gravitätisch als Oberleutnant durchs Dorf. Die neue Würde hat seiner Jugendlichkeit keinen Abbruch getan. Dabei ist er aber immer scharf hinter allem her, was sein Missfallen erregt; rostige Geschützrohre, schlampige Achtungstellung usw.

Lt. Gross ist der alte geblieben; immer fidel, immer für einen ,,Schnoggen“ [Spass] bereit und hoffnungsloser Ehekandidat.

Der Chef vertraut mir den Reit- und Fahrunterricht an, ich werde also doch noch Rittmeister, wie ich es schon lange erträumt hatte.

Restaurant Funk, Ottenbach

Die Einwohner kennen einen alle noch. Da sind alle Bewohner des Restaurant Funk, die einen herzlich begrüßen; die Ida und der Otti mit Frau, der Küchentiger und die Trachsler. Auch der gute Odal stürzt jaulend auf mich los und wartet gespannt, bis ich ihm die Handschuhe zum Tragen gebe oder ein Stück Holz fortwerfe.

Das Land, das Dorf, die Häuser, Kirche und die Menschen gehen wieder in einem wie auf wie Blumen, die ein Jahr überwintert haben. Wir reiten wieder der Reuss entlang, rutschen die Kiesgrube an der Lorze hinunter, wo nun blau Teppiche von Veilchen und Knabenkräutern an den an den Hängen ausgebreitet liegen. Der Blick von den Wäldern bei „Litzi“ geht noch immer zum Pilatus und zu den Schneebergen hinüber. Wir fühlen uns wieder zu Hause!


Im Juli verlässt die Batterie Ottenbach definitiv


Die Feldbatterie konnte bis zur Entlassung keine ruhige Kugel schieben: eine grosse Inspektion vor dem Regimentskommandaten musste bestanden werden. Es folgten Sicherungsübungen, Nachpatroullien, Nachtmärsche, Geschützzerlegungen, Verschiebung in die Innerschweiz, grosse Manöver, Scharfschiessen auf dem Dürrenboden, oberhalb Arth auf dem Zugerberg, die Haubitzen mussten zwölfspännig die steile Strasse heraufgeschleppt werden!


Entlassung in Goldau


Entlassung. 8. 8.41.

Erwartungsvolle Spannung liegt über der Batterie. Man tuschelt nd brummt. Wir sollten für verlorenes Material bezahlen. Schliesslich lässt man uns doch noch laufen, mit der Drohung, uns im nächsten Dienst zu schröpfen. Also schon wieder der nächste Dienst – wie wenig wir uns noch darüber aufregen!

Hier endet das Tagebuch von Oblt. A. Schawalder. Über weitere Aktivdienstzeiten der Feldbatterie 66 ist z.Z. nichts bekannt. Informationen darüber nimmt gerne peter.eichhorn@gmx.ch entgegen.


Nachtrag 9.3.2018

Laut Heiri Hegetschweiler, geb. 1928, Hobacher, Ottenbach, war die Feldbatterie 65 im Hinterdorf und die Feldbatterie 66 im Ausserdorf einquartiert.


ZUMSTEIN - REISEN

Der Beitrag über ZUMSTEIN –REISEN erschien im Dorfheft Nr.25, Dezember 1984. Autor: Walter Zumstein. Herausgeber: Gewerbeverein Ottenbach.

  • Walter Zumstein-Häberling
  • Carreisen - Transportunternehmung
  • Schürmattstrasse 2
  • 8913 Ottenbach
Setra S 150,Bj.1967,158 KW,45+2 Sitzplätze bei der Kerschner Oldtimer Schau am 25.4.2015. Zumstein Reisen Ottenbach Reisebus 1967. Quelle:http://busse-welt.startbilder.de

Die Entstehung von ZUMSTEIN-REISEN :

Ich, Walter Zumstein, war von 1946-1952 in einer Carreise-Firma in Zürich tätig. Aus eigenem Interesse vertrat ich diese Firma im Bezirk Affoltern tatkräftig, woraus sich ein grosser Kontaktkreis zur hiesigen Bevölkerung entwickelte. So kam es, dass ich wochenlang ein Car hier in Ottenbach stationiert hatte und Tag für Tag Gruppen und Vereine aus dem Knonaueramt in der Schweiz und teilweise schon im Ausland herumpilotierte.

Deshalb liebäugelte ich, mich selbständig zu machen, wobei meine Frau Hedy mir jederzeit zur Seite stand. Zu jener Zeit war das aber leider nicht möglich, denn es bestanden Konzessionen im Personen- und Warentransport, welche vom Bundesamt für Verkehr in Bern erteilt wurden. Diese Konzessionen wurden unter Carhaltern auf dem Schwarzmarkt bis zu Fr. 1000.- pro Carsitzplatz gehandelt.

Gründung der Firma 1952

1952 fand die eidgenössische Abstimmung «ATO» gegen diese Konzessionen statt, welche hauptsächlich dank Gottlieb Duttweiler zu Fall gebracht wurden. Als dann nach dieser Abstimmung der Weg frei wurde, gründete ich 1952 in Ottenbach ein Reise- und Transport-Unternehmen. Wir erwarben einen Occasions-Car, welcher mit einer Lastwagenbrücke auswechselbar war. Dieses Fahrzeug diente während der Woche als Lastwagen und an den Wochenenden erfüllte es die vielseitigen Wünsche der Ämtler Bevölkerung als Reisecar. Der Fahrkomfort dieses Wagens war keineswegs mit dem der heutigen Luxusbusse zu vergleichen.

Den ersten Grossauftrag erhielten wir 1954 von der Wasserversorgung Ottenbach. Die zur Erweiterung des Wassernetzes benötigten Eternitrohre musste ich in der Fabrik in Niederurnen abholen und direkt hier in Ottenbach auf die Baustelle transportieren. Dies war eine grosse Erleichterung für den Unternehmer, da die Eternit AG vorher alles per Bahn transportierte. So kam ich in Kontakt mit den Transportdisponenten und später mit dem technischen Direktor der Eternit AG, welche mir ermöglichten, die ganze Schweiz mit diesen Wasserdruckrohren zu beliefern. Bald brauchte es mehr als nur einen Lastwagen, so dass 2 bis 3 Jahre später 6 Lastwagen im Dienste der Eternit AG standen. 1967 wurde die Eternit AG in Niederurnen von den einheimischen Transportunternehmern bedrängt, Aufträge an sie abzugeben, da sie teilweise ohne Arbeit waren. Demzufolge bauten wir die Warentransporte etwas ab. Durch Import und Export verlagerten wir unsere Fahrten hauptsächlich auf Deutschland, Skandinavien und Österreich.

1957 Bau einer Einstellhale mit Tankstelle Affolternstrasse 41

1957 wurde es unumgänglich eine Einstellhalle mit Tankstelle zu bauen. Für dieses Bauwerk, welches wir zusammen mit zwei Nachbarn erstellten, benötigten wir für das Aufrichten des Dachstuhls das Holz von 52 Tannen, die im eigenen Wald gefällt wurden.

1962 Bau des Mehrfamilienhauses an der Schürmattstasse 2, 1964 Totalrenovation des 200-jährigen Wohnhausses, Affolterstrasse 41

Der Betrieb wuchs mehr und mehr, und so konnten wir 1958 einem neuen komfortablen Car direkt ab Fabrik bestellen, mit dem ich auch Auslandreisen unternahm. 1960 kauften wir bereits den dritten Car. Somit stieg das Bedürfnis, eine Werkstatt, Lagerräume, sowie Wohnungen für die Angestellten zu errichten, auch Büroräume waren unerlässlich. 1961 gelangten wir mit unserem Bauprojekt an die Gemeinde Ottenbach und erhielten auch sofort die Baubewilligung . 1962 war Baubeginn, und 2 Jahre später wurde auch noch das 200-jährige Wohnhaus dem Neubau angepasst und total renoviert.

In der Zwischenzeit, im Jahre 1960, gründeten 8 Reiseunternehmer aus allen Teilen der Schweiz eine Vereinigung. Der Zweck bestand darin, hauptsächlich englische Reisegruppen, welche in Basel-Mulhouse mit dem Flugzeug ankamen, für Europa-Touren zu gewinnen. Dieses Geschäft lief so gut, dass wir während der Hochsaison bis zu 40 Fahrzeuge für Europa-Touren einsetzen konnten. Als l971 der Geschäftsführer infolge eines Autounfalls tödlich verunglückte, wurde diese Vereinigung aufgelöst. Desshalb suchten wir eine neue Zusammenarbeit und arbeiteten in der Folge hautsächlich mit dem Studenten-Reisedienst in Zürich, sowie mit verschiedenen Reisebüros, wie Hotelplan usw. zusammen.

1967 Übernahme des Carreiseunternehmens Alois Kaiser Zug. 1967 Verlegung des Büros nach Zug und 1982 nach Steinhausen

1967 hatten wir noch das Carreiseunternehmen Alois Kaiser in Zug mit 3 Carsübernommen. Auf dem Platz Zug wurde dann ein neues Dienstleistungsbüro errichtet, das durch Angebote an Bahn-, Flug- und Schiffsreisen erweitert wurde. Der Carbestand stieg auf 7 und 1975 sogar auf 10 Fahrzeuge. 1982 verlegten wir das zu klein gewordene Büro in Zug, in das rasch wachsende Dorf Steinhausen, wo wir heute ein modern eingerichtetes Reisebüro besitzen.

1981 Gründung der Firma KEHRLI-ZUMSTEIN AG

Im Jahre 1981 gründete ich mit meinem Schwiegersohn zusammen die Firma KEHRLI-ZUMSTEIN AG. Karl Kehrli betreut heute hauptsächlich den Lastwagenverkehr, welcher regelmässig Transporte Schweiz-Deutschland-Schweiz ausführt. Seit der Gründung des Zweckverbandes für Sonderschulen im Jahre 1962, sind ständig 1 Wagen und seit 1981 sogar zeitweise bis zu 4 Wagen für Schülertransporte im Einsatz.

In den 32 Jahren seit Geschäftsbeginn, können wir mit Freude feststellen, dass wir heute über einen Carpark mit 407 komfortablen und bequemen Sitzplätzen verfügen. Unser farbiges Reiseprogramm, welches jährlich verbessert und erweitert wird, bietet Ihnen abwechslungsreiche Angebote wie

  • Badeferien in Spanien, Jugoslawien und Italien
  • Aufenthaltsferien im Tirol, Rundreisen und Pilgerreisen usw. an.

Denken Sie daran: Für Gesellschaftsreisen, Vereinsausflüge, Hochzeitsfahrten,Schulreisen, Tages- und Halbtagesausflüge usw. sind Sie bei ZUMSTEIN-REISEN immer an der richtigen Adresse.

Nach jahrelanger Arbeit freuen wir uns, dass unsere Nachkommen Interesse am Geschäft zeigen, und somit werden wir in absehbarer Zeit die Betriebsleitung der jüngeren Generation überlassen, damit meine Frau Hedy und ich die kommenden Seniorenjahre noch geniessen können.

Walter Zumstein (1917-1996) Bericht geschrieben 1984



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