Spuren im Schnee

Aus Ottenbach
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Ottebächler Nr. 120 Januar 2004

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Für Naturvölker, die von der Jagd leben, ist es eine Frage von Leben oder Tod, Spuren und Spurenzeichen der Tiere zu kennen. Der Jäger muss mit den, von den Tieren in der Natur zurückgelassenen Zeichen vertraut sein, so dass er nicht im Zweifel darüber ist, welche Spur es sich lohnt zu verfolgen oder wo er eine Falle stellen soll.

In der modernen Gesellschaft spielt die Kenntnis vom Verhalten der Tiere eine vergleichsweise geringe Rolle. Für den Förster und den Landwirt kann es aber auch heute noch von Interesse sein, eventuelle Schäden an ihren Kulturen, verursacht durch Wildtiere, zu deuten und entsprechende Gegenmassnahmen zu ergreifen.

Aber auch für den ganz alltäglichen Spaziergänger kann das Spurenlesen eine spannende Sache sein. Wie erstaunt ist man doch immer wieder, wenn einsetzender Schneefall die Landschaft in ein weisses Kleid hüllt, das bereits am nächsten Tage mit unzähligen Spuren kreuz und quer durchzogen ist, obwohl kaum Tiere zu beobachten sind. War es ein Fuchs, ein Feldhase, ein Reh oder ein Marder? Wo kommen sie her, wo gehen sie hin? Da kann sogar ein gewöhnlicher Sonntagsspaziergang auf dem Gemeindegebiet Ottenbach auch für Kinder wieder zu einem spannenden Erlebnis werden.

Der ideale Spurenschnee ist eine Schicht von einigen Zentimetern Dicke auf einer gleichmässigen, harten Unterlage. Dies kann z.B. auf den neu erstellten Forststrassen zwischen Ottenbach und Affoltern zutreffen (für die Spurenlese hätten sie aber nicht so breit ausgeführt werden müssen!). Auf solchen Unterlagen treten die Merkmale der Spuren klar und lesbar hervor. Je nach Schneezusammensetzung sind die Fussabdrücke grösser als auf einer festen Unterlage. Liegt kein Schnee ist es wesentlich schwieriger die Spur eines Tieres zu finden. Die besten Abdrücke sind dann in einem feuchten, leicht lehmigen Boden oder im Sand, z.B. entlang der Reuss, zu suchen. Nebst dem eigentlichen Abdruck gibt die Abfolge der Abdrücke Aussagen über das Verhalten des Tieres während der Entstehung der Spur. Wanderte es gemütlich durch die Gegend, war es auf der Flucht oder suchte es den Boden nach Nahrung ab? Viele Tiere sind nachtaktiv oder scheu und daher schwierig zu beobachten, die Spuren verraten uns aber einiges über ihre Lebensweise. Spurenlesen wirft aber nicht nur Fragen nach dem Verursacher auf, auch Fragen zur Qualität der Landschaft stellen sich. Warum gibt es Spuren in diesem Landschaftstyp und warum kaum in einem anderen?

Spurenlesen kann ein Anstoss zur aktiven Beobachtung unserer Umgebung sein, kann aber auch unser Verständnis für die Zusammenhänge zwischen Landschaft und deren Bewohner wecken. Die Erkenntnisse dieser Zusammenhänge sind eine wesentliche Grundlage, die bei der Planung von Eingriffen in die Landschaft und entsprechend in die Natur, zu berücksichtigen sind. Denken wir schon nur an das LEK (Landschaftsentwicklungskonzept), das die Gemeinde Ottenbach in diesem Jahr in Angriff nehmen wird oder an den Autobahnzubringer, der in Diskussion steht.

Also, wie wär’s mit einem Versuch, die Spuren der Natur zu lesen und zu interpretieren? Es versteht sich von selbst, dass bei einer Spurensuche der Hund zu Hause gelassen wird.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen!

Rehfährte

Bei ruhiger Gangart wird der Hinterfuss in den Trittsiegel des Vorderfusses gesetzt. Bei grösserer Geschwindigkeit sind die Trittsiegel einzeln ersichtlich, häufig mit den zusätzlichen Abdrücken der so genannten Geäften (Nebenklauen), gemäss Foto.

Feldhase

In der sitzenden Stellung stehen die langen Hinterlaufspuren Seite an Seite, die kleinen Vorderlaufspuren sind vorne platziert, beide leicht gespreizt. In der Laufspur liegen dann aber die Spuren der Hinterläufe vor denen der Hinterläufe.

Maus

Vermutlich legte eine springende Waldmaus diese Spur. Witzig ist die Markierung, die der Schwanz im Schnee hinterlässt.

Lachmöwe

Die Möwenspur ähnelt der Spur der Enten. Im Gegensatz dazu sind die Schwimmhäute aber deutlich eingebuchtet.

Rabenkrähe

Diese Spur ist bekanntlich häufig zu beobachten. Wie bei den meisten Vögeln sind drei Zehen nach vorne gerichtet, einer nach hinten.

Kommission für Natur- und Landschaftsschutz KNL

Werner Meuter

Hilfreiche Bestimmungsbücher:

– Spuren und Fährten unserer Tiere / Angelika Lang

– BLV Bestimmungsbuch Tierspuren / P.Bang / P.Dahlström


bearbeitet 12.2020


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