Leutert-Kohler Kurt *15.Dezember 1923 - 24.Dezember 2011

Aus Ottenbach
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Nachruf

Abschied vom Dichter und Bauern Kurt Leutert

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„Wenn man so aufwächst, begegnet man auf Schritt und Tritt den Spuren seiner Ahnen“

Kurt Leutert ist in der Nacht zum Heiligabend in seinem 89. Altersjahr sanft entschlafen. Vergangenen Dienstag hat sich die Ottenbacher Bevölkerung in der bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche von ihm verabschiedet. Im Nachlass des 1923 geborenen Bauern und Dichters finden sich rund tausend Gedichte, darunter das Ottenbacherlied.

von Bernhard Schneider, Ottenbach. Erschienen im Affolter Anzeiger vom 6.1.2012

Abgesehen von seiner Ausbildung zum Landwirt und dem Aktivdienst verbrachte Kurt Leutert sein ganzes Leben „im Grund“, auf dem Bauerngehöft seiner Vorfahren, die seit 1620 in Ottenbach lebten. So sesshaft er auch war: sein Geist war offen und frei. Kurt Leutert war ein präziser Beobachter. Um sich auszudrücken, wählte er die feine Sprache der Verse. Mit sanftem Humor gelang es ihm oft, andere in die gewünschte Richtung zu lenken, ohne je laut zu werden. „Wenn man so auf einem Bauernhof aufwächst, begegnet man auf Schritt und Tritt den Spuren seiner Ahnen“, begründete er sein Interesse an der Geschichte seiner Familie, seines Dorfes, seines Landes: „Da sind Gebäude, die vom Urgrossvater stammen, Bäume, die der Grossvater gepflanzt hat, Land, das der Vater zukaufte. Auch ich war bereit, mich in die Tradition einzuordnen und das Werk der Ahnen weiterzuführen.“

So, wie er nach seiner Heirat mit Hedi Kohler den Hof seines Vaters übernommen hat, übergab er ihn seinem Sohn Heinz nach dessen Heirat: „Ich helfe auch noch mit, denn es gibt auf einem Bauernhof viele kleine Arbeiten, die auch Grossväter verrichten können. Daneben habe ich natürlich meine Freizeit, bin am Schreibtisch, hinter Büchern oder Zeitungen anzutreffen oder von Zeit zu Zeit mit Kollegen am Stammtisch, wo von Dorfproblemen bis zur hohen Politik so ziemlich alles verhandelt wird. Ich finde, man darf sich auch im Alter nicht zu sehr zurückziehen.“

Ein sanfter Motivator

Mit seinem Sohn Peter befreundet, verbrachte ich einen grossen Teil meiner Primarschulzeit auf dem Hof von Kurt und Hedi Leutert-Kohler. Hier wurde ich, der mit neun Jahren als „Städter“ mit meinen Eltern nach Ottenbach gezogen war, zum Landburschen. Kurt Leutert erreichte, ohne dass ich mir dessen bewusst war, dass ich es jederzeit vorzog, beim Säen oder Ernten von Kartoffeln, beim Auflesen von Mostbirnen, beim Füttern der Kühe oder beim Einbringen der Streue zu helfen, als zuhause in der Stube zu sitzen. Gab es auf dem Hof nichts zu tun für uns Knaben, motivierte er uns eher dazu, uns im Freien auszutoben, als Schulaufgaben zu erledigen. Er erzählte uns von der Römervilla, die am Isenberg vermutet wurde, worauf wir in den Weihnachtsferien tagelang nach römischen Ziegelsteinen gruben. Es sollte sich erweisen, dass die Ziegelreste aus dem 20. Jahrhundert stammten, aber Spass am Ausgraben hatten wir trotzdem. Er belohnte uns mit einer Schokolade, als wir in einem Tag ein metertiefes Loch gruben. Und schossen wir manchmal über das Ziel hinaus, sorgte er lächelnd dafür, dass sich der Schaden in Grenzen hielt. Kurt Leutert war es ein ethisches Anliegen, mit der Natur zu leben, ebenso wir es seiner Überzeugung entsprach, sich für die Allgemeinheit einzusetzen. Mehr als zwanzig Jahre lang übte er als Schulgutsverwalter, als Präsident der Rechnungsprüfungskommission und der Landwirtschaftlichen Genossenschaft, als Bezirksschulpfleger öffentliche Ämter aus, ohne sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, als überlegter Lenker aus dem Hintergrund.

Der Weg zum Dichter

„Schon in der Schule haben mir Gedichte gefallen“, schrieb Kurt Leutert mit 75 in den Betrachtungen über sein Leben, „später dann, wenn man bedenkt, dass es Frühling ist, dass man jung und verliebt ist, da schlägt dem angehenden Jüngling das Herz höher. Und so habe ich denn mein erstes Gedicht gebastelt. Als ich 23 Jahre alt war, wurde mein erstes Gedicht gedruckt. In einer Fastnachtszeitung.“ Später fanden seine Gedichte den Weg in den „Anzeiger“, der im Lauf der Jahre 250 Gedichte von Kurt Leutert veröffentlichte. Seine drei Gedichtbände stammen von 1955 (Heimatklänge), 1961 (Abendläuten) und 1986 (Wunder am Wege). „Ein Höhepunkt war die Vertonung eines meiner Gedichte zu einem Turnerlied, zu dem unser Dorfmetzger Heinrich Hofstetter die Melodie schrieb.“

Dies blieb nicht die einzige Vertonung. Kurt Leutert verfasste das „Ottenbacherlied“ und das „Ämtlerlied“. Als der Braunviehzuchtverband 1972 in Zug das 75jährige Jubiläum feierte, ermunterte ihn ein ehemaliger Kollege der Landwirtschaftlichen Schule Strickhof, ein „Brunvehlied“ zu schreiben. Als Komponist wurde Jean Clemencon gefunden. Dieser hat bis zu seinem Tod 1995 zahlreiche weitere Gedichte von Kurt Leutert vertont, teilweise als Männerchorlieder, teilweise als Jodellieder. Der Jodlerklub am Albis umrahmte denn auch die Beerdingung seines Ehrenmitgliedes Kurt Leutert mit Liedern des Verstorbenen.

Pfarrer Gustav Etter befasste sich in der Abdankung mit der Auseinandersetzung von Kurt Leutert mit dem Werden und Vergehen: „Er war ganz Bauer, ganz Dichter, hat beides feinfühlig zusammen gebracht.“ Im Gedicht „Mein Traum vom Himmelreich“ schilderte Kurt Leutert, er habe geträumt, nach dem Tod sei er vor der Himmelspforte von Petrus befragt worden. Auf die Frage nach seinem Glauben habe er geantwortet:

„Ich will mich nicht rühmen und grossartig werden, Doch habe ich stets an den Herrgott geglaubt. Nicht jenen, der in den Büchern verstaubt Habe ich stetsfort zu finden begehrt; Ich habe den andern, den wahren verehrt, Der aus dem wogenden Kornfeld mir lacht, Der Sonne und Mond und die Sterne entfacht, Der aus den Wipfeln des Waldes mir singt Der in den Herzen der Menschen ringt, Der stets, in Freuden und Leid, bei mir blieb. Den hab‘ ich gefunden und den hab‘ ich lieb.“

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