Die Uferschwalben in der Kiesgrube Mülibach Ottenbach

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Ottebächler Nr. 122 März 2004

Kiesgrube Mülibach, Ottenbach ZH, Uferschwalbenwand 29.4.2008
Zierliche Schwalbe mit einfarbig brauner Oberseite; Unterseite weiss mit braunem Brustband; kurzer, etwas gegabelter Schwanz; beide Geschlechter gleich; ihr reibendes "Tschrrip" ist nicht weit zu hören.

Seit Jahrzehnten kehren im April die kleinsten unserer Schwalben aus ihren west- und zentral- afrikanischen Winterquartieren in die Kiesgrube Mülibach zurück. Ihre Merkmale: Länge 12-13 cm; die Oberseite ist dunkelbraun-grau, die Unterseite weiss mit braunem Brustband, der Schwanz ist kurz und schwach gegabelt, beide Geschlechter sind gleich. Ihr reibendes «Tschrrip» ist nicht weit zu hören.

Ursprüngliche Brutplätze sind sandige Steilufer von Flüssen. Diese Brutplätze sind aber fast ausnahmslos den Flussverbauungen zum Opfer gefallen.

Nach der letzten Eiszeit erstreckte sich in der Reussebene, von Bremgarten bis weit ins Zugerbiet, ein See. Auf seinem Grund und an den Ufern lagerte sich Sand und Kies in unterschiedlicher Form und Qualität ab. Ausgerechnet die spezielle Sandader in der Kiesgrube Mülibach passt den Schwalben. Hier haben die zierlichen Vögel seit Jahrzehnten Gastrecht. Die AGIR AG baute zu Gunsten der Schwalben den Sand und Kies nicht ab. Die Sandwand braucht jedes Jahr auch Pflege. Jeweils anfangs Jahr wird mit dem Bagger die Wand wieder senkrecht gemacht, Sträucher entfernt, usw. Bezüglich Schwalbenwandschutz besteht jetzt ein neuer Status. Nach langen Verhandlungen ist der Gestaltungsplan für die Kiesgrube im Oktober 2003 von der Kantonalen Baudirektion in Kraft gesetzt worden. Dadurch kann die AGIR hier, unter Einhaltung verschiedener Vorschriften, weiter ihre Anlagen betreiben. Anderseits sind Teile der Grube der Natur überlassen worden und stehen unter Schutz, so auch die Schwalbenwand.

Die nur 12-18 Gramm schweren Vögel fangen nach ihrer Ankunft sofort mit der Instandstellung der bestehenden Röhrengänge an oder bauen neue. Eine Herkulesarbeit für die kleinen Flieger. Die Röhren sind ca. 50-80 cm lang und enden in einer kleinen Bruthöhle. Die 5-6 Eier brauchen eine Brutzeit von 14 Tagen, die Nestlingsdauer beträgt 20 Tage. In der Schwalbenkolonie herrscht ein reges Kommen und Gehen. Zuweilen scheint die Schwalbenwand ganz verlassen. Aber schon im nächsten Moment ist die Luft vom feinem Zwitschern und dem Flügelschlag der Vögel erfüllt, bis sie plötzlich, wie auf ein geheimes Signal, die Wand wieder verlassen und der ganze Schwarm zur Futtersuche davon fliegt. Von früh bis spät jagen sie in rasantem Flug Insekten. Nach 21-23 Tagen fliegen die jungen Schwalben aus. Bei guten Witterungsbedingungen kann eine zweite Brut erfolgen.

Nach Auskunft von H.P. Tschanz, Fachstelle Naturschutz, Zürich, war die Ottenbacher Kolonie im letzten Jahr, mit ca. 250 Brutpaaren, die grösste der Schweiz. Auch in diesem Jahr ist ein grosser Schwarm eingetroffen. Schon ab der zweiten Julihälfte ziehen die Uferschwalben wieder in ihre afrikanischen Winterquartiere. Wir wünschen den akrobatischen Fliegern eine gute Brut und viel Glück beim Rückflug nach Afrika.

KNL Ottenbach – Peter Eichhorn

Quellen: Schweizer Brutvogelatlas, Schweizerische Vogelwarte Sempach, Fachstelle Naturschutz, Zürich, Der Kosmos Vogelführer.


Weitere Informationen: > http://www.vogelwarte.ch/

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