Ameisen und Moorbläuling

Aus Ottenbach
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Für die Kommunikation haben die Ameisen über fünfzig bekannte Drüsen, die verschiedene Duftstoffe ausscheiden. Die bisherigen Einsichten sind aber noch sehr oberflächlich und tragen kaum der ganzen Komplexität Rechnung. Die Ameisen- Kommunikation lässt sich deshalb auch nicht künstlich imitieren.

Kleiner Moorbläuling und ein Lungenenzian mit Eiern (weisse Punkte) des Moorbläulings

Wie die chemische Sprache der Ameisen funktioniert, hat der Kleine Moorbläuling "maculinea alcon", ein einheimischer Tagfalter, herausgefunden. Der Falter legt seine Eier in Magerwiesen auf die Blätter von Lungenenzianen, von welchen sich die geschlüpfte Raupe ernährt. Be- vor sich diese verpuppt, lässt sie sich zu Boden fallen. Ameisen der Gattung Knotenameise, "myrmica ruginodis" tragen sie in ihr Nest ein. Hier ernährt sich die Raupe von Ameisenbrut und Futter, das sie von den Arbeiterinnen erbettelt. Der Kleine Moorbläuling hat nicht nur herausgefunden, wie die Ameisensprache funktioniert, er kann sie auch imitieren. Die Raupe ist nämlich fähig, sich mit dem richtigen Cocktail von Duftstoffen zu tarnen, so dass die Ameisen sie als Larve ins Nest eintragen. Hier durchläuft sie das Ende der Larven- und die Puppenentwicklung. Die Tarnkunst hat die Raupe sogar so weit entwickelt, dass sie die Geräusche der Ameisenlarven imitiert, welche diese während der Fütterung von sich geben.

Noch raffinierter allerdings sind die Schlupfwespe "ichneumon eumerus" und andere Arten. Die Schlupfwespe braucht für ihre Nachkommen die Larven des Bläulings, die wohlbehütet im Ameisennest leben. Dazu muss sie zuerst herausfinden, in welchem Ameisennest eine Moorbläuling- Raupe lebt. Dann dringt sie ins Nest ein und muss da die Bläulingslarve finden.

Den Zugang zum Nest verschafft sich die Wespe mit einer anderen Strategie als der Moorbläuling. Sie scheidet nämlich beim Eintreten das Alarm- Pheromon der Ameisen aus, welches diese veranlasst, miteinander zu kämpfen. In der allgemeinen Aufregung kann die Wespe ihr Ei in die Raupe legen und unbehelligt aus dem Nest entwischen. Aus dem Ei schlüpft eine Larve, welche die Schmetterlingsraupe langsam von innen her auffrisst. Nicht parasitisierte Falter und Wespen wachsen im Nest auf; die Ameisen merken nicht, wenn sie schlüpfen und sich an die Erdoberfläche begeben.

Es ist bis heute nicht klar, welche Gegenleistung die Ameisen für ihre "Gastfreundschaft" bekommen!


Quelle: Ornis, Nr.3, Juni 2008 im Artikel "Von Ameisen lernen", Seite 4-8, von Donat Agosti


>>>Siehe auch den illustrierten, ausführlichen Hauptartikel >> Ameisen, Lungenenzian und Moorbläuling


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Aktualisiert 2015