10 Jahre Meiholz - eine Erfolgsgeschichte

Aus Ottenbach
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Ottebächler Nr. 130 September 2005

Im Jahre 1995 nahm die KNL ihre Arbeit auf. Im selben Jahr wurde vom Europarat in Strassburg das zweite Europäische Naturschutzjahr ENSJ 95 unter dem Motto «Zukunft gestalten – Natur erhalten» eröffnet. Folgende Ziele setzte sich die Schweiz für das Naturschutzjahr:

  • Erhaltung der biologischen Vielfalt in der gesamten Landschaft
  • Revitalisierung und Vernetzung von Lebensräumen, Extensivierung der Nutzung
  • Naturschutz in der Bevölkerung verankern: «Natur geht uns alle, jeden und jede an»

Das gab der KNL Anlass genug, auch für die Einwohnerinnen und Einwohner von Ottenbach eine Naturwoche der ganz speziellen und persönlichen Art durchzuführen. Dazu gehörten eine Exkursion im Reussgebiet zu den Themen Wildhege, Reussrevitalisierung und bevorstehende Neugestaltung der Reussufer, Schutzgebiete Bibelaas und Gmeimatt und der Problematik der so genannten Pufferzonen sowie der geplanten Südumfahrung.

In der folgenden Woche hielt Josef Fischer, Geschäftsführer «Zieglerhaus» Rottenschwil, Reusstalstiftung, auf Einladung der Gemeindebibliothek einen Vortrag unter dem Titel «Naturschutz heute».

Zum Abschluss der Woche wurde mit der Neugestaltung der ehemaligen Blautannenanlage im Meiholz unter aktiver Mitarbeit der Bevölkerung begonnen.

Einige der Blautannen hatten eine Höhe erreicht, die zur Gefahr für die bestehende Hochspannungsleitung wurde und mussten gefällt werden. Die standortfremden Bäume wurden wirtschaftlich nicht mehr genutzt. Daher bot sich eine wunderbare Gelegenheit, einen neuen Lebensraum zu schaffen, der die bestehende Reussuferlandschaft sinnvoll ergänzt. Die leichte Hanglage lud dazu ein, eine Trockensteinmauer mit vorgelagertem Magerstreifen zu bauen, worin sich Reptilien wohl fühlen sollten.

Bei uns in Ottenbach ist die am häufigsten anzutreffende Reptilienart die Blindschleiche. Die Ringelnatter und die Zauneidechse sind bereits sehr selten geworden und können nur mit viel Glück beobachtet werden. Mit der Neugestaltung wollte man diesen bedrohten Tierarten Lebensraum zurück-geben.

Das Projekt wurde in 3 Etappen zwischen 1995 und 1997 realisiert. Nachdem die Bäume durch das EKZ gefällt und mit Baumaschinen die Humusschicht zur bergseits liegenden Strasse verschoben wurde, konnte der Bau der Trockenmauer beginnen. In den ersten beiden Etappen schichteten freiwillige Helfer aus Ottenbach in Schweiss treibender Arbeit Steinquader aufeinander und hinterfüllten sie mit grobem Kies, damit genügend Hohlräume entstehen, welche den künftigen Bewohnern sicheren Wohnraum bieten sollten. Zwischen Strasse und Trockenmauer pflanzten sie Heckensträucher. Denn nicht nur die Reptilien sollten vom neuen Lebensraum profitieren können, sondern auch die Insektenliebhaber aus der Vogelwelt. Das Abtragen der Humusschicht hatte sandigen Boden freigelegt; ein idealer Brutplatz für die Eidechsen, welche das Ausbrüten ihrer Eier der wärmenden Sonne überlassen.

In den ersten Jahren nach Fertigstellung der Anlage machte sich bald ein nicht vorgesehener Bewohner bemerkbar. Ein Fuchs fand Gefallen am san-digen Grund und legte sich einen Bau unter der neuen Trockenmauer an. Er vergass aber, vorgängig den Baustatiker zu konsultieren und brachte mit seinem Gang, die Mauer mit dem nicht vorhandenen Fundament teilweise zum Einsturz. Der Schaden wurde dann notdürftig behoben; der Rest der Spuren wurde von aufkommenden Brombeerranken verdeckt.

Wer sich die Anlage heute von Nahem ansieht, kann anhand der sich ändernden Vegetation schnell ablesen, bis wo die Kulturerde abgetragen worden ist. Der Bewuchs wird spärlicher und karg, bald einmal auch dürr. Wo sonst Löwenzahn wächst, gedeiht nun die Schafgarbe. Die anfänglich kahle Mauer ist stellenweise unter den Brombeerranken verschwunden. Es lohnt sich, an einem warmen Tag gut hinzuschauen und dabei hastige Bewegungen zu vermeiden: Die Wohnung ist bezogen! Bald bewegt sich etwas in den Ritzen zwischen den Steinquadern. Noch ganz im Schatten ist die Zauneidechse fast nicht zu erkennen.

Es braucht eine Portion Geduld, ein bewegungsloses Warten, bis sich das Tier sicher und ungestört fühlt und sich aus den schützenden Steinen heraus an die Sonne wagt. Als wechselwarmes Wirbeltier braucht es die Wärme an einem sonnigen Platz, am besten auf einem Holzstrunk, um auf Tou-ren zu kommen. Die Reaktionsfähigkeit brauchen die Eidechsen, denn sie haben viele Feinde: Raubvögel, Dachse, je nach Alter die eigenen Artgenossen oder auch Kröten. Im Siedlungsraum, in unseren Gärten, wo nicht selten solche vielfältig Strukturen anzutreffen wären, machen den Eidechsen die Hauskatzen das Leben schwer. Ihre grosse Zahl kann eine lokales Eidechsenvorkommen gar gänzlich auslöschen. Die meisten Jungtiere sterben bereits im ersten Herbst oder Winter, das maximale Alter liegt bei etwa 7 Jahren.

Die Zauneidechsen ernähren sich von Spinnen, Heuschrecken und anderen Insekten wie Käfer und auch Raupen. Da viele dieser Insekten selber auch auf spezielle Futterpflanzen angewiesen sind, die nur in artenreichen Wiesen (vorab Magerwiesen) gedeihen, sieht ein typischer Eidechsenlebensraum immer etwas unordentlich aus: Es braucht Unterschlüpfe, sonnige Stellen mit Steinen oder Holzstrünken, daneben einen mageren Boden, der die darin vergrabenen Eier ausbrüten kann und eine Vielfalt von verschiedenen Pflanzen als Lebensraum für die Insekten, welche den Eidechsen als Lebensgrundlage dienen.

Mit der Eidechse, die jedermann kennt, die aber nur noch selten zu sehen ist, habe ich Ihnen eine der Leitarten, die das Landschafts- Entwicklungs- Konzept Ottenbach fördern möchte, vorgestellt. Wo solche Leitarten vorkommen,

  • ist die biologische Vielfalt in der Landschaft erhalten geblieben.
  • sind die verschiedenen Lebensräume genügend vernetzt und deren Nutzen nachhaltig.

Gewiss denken auch Sie beim Anblick dieser schönen und interessanten Tiere:

«Die Natur geht auch mich etwas an»!

Das Ziel der Neugestaltung ist erreicht!

Christian Müller, KNL

PS: Ich würde mich ausserordentlich über Mitteilungen freuen, an welchen Orten innerhalb des Gemeindegebietes überall Eidechsenbeobachtungen gemacht werden konnten.

Verwendete Literatur: Pro Natura Magazin 2005; Spezialheft zum Thema Zauneidechse: Leben im Grenzbereich


Warum die Schreibweise Meiholz und nicht Maiholz?

Im Siegfriedatlas, Kartenausgabe 1932, heisst das Gebiet noch Eiholz, = 1. ein Waldstück mit Eiben ( Eie = Eibe, Zürichdeutsches Wörterbuch, Seite 172) 2. ein Waldstück mit Eichen. (Ein alter Merenschwander sprach von den "Sieben Eie" (Sieben Eichen, Flurname in der Reussebene)

Im alten Flurnamenplan von 1952 steht schon Meiholz.


Ergänzungen und Korrekturen an peter.eichhorn@gmx.ch


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