Von Ameisenlöwen, Bienenwölfen und Feuerwanzen

Aus Ottenbach
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Ottebächler Nr. 116 März 2003

Ameisenlöwe
Fangtrichter mit Ameise


Im vergangenen Oktober ist mir ein Trupp «Schuemächerli» auf einem Salbeistrauch im Garten aufgefallen. Unter diesem Namen jedenfalls lernte ich diese auffällig gefärbten Tierchen kennen. In den Bestimmungsbüchern sind sie unter dem Namen Feuerwanzen zu finden. Beim Weiterblättern stiess ich auf weitere abenteuerliche Insektennamen. Daraus entstand schliesslich die Idee, diesen Artikel zu schreiben. Mit etwas Glück können wir das eine oder andere der hier vorgestellten Insekten in unserer nächsten Nähe beobachten.

Am leichtesten zu beobachten ist die Feuerwanze. Sie gehört zu den Wärme liebenden Insektenarten. Wegen ihrer markanten rot-schwarzen Färbung ist sie nicht zu übersehen.

Feuerwanzen leben gesellig und werden trotz ihrem Vorkommen in Massen im Allgemeinen nicht als schädlich angesehen. Wie viele Wanzen saugen sie an Pflanzen oder können auch an andere Insekten gehen. Ihre Leibspeise sollen Samen von Linden und Malvengewächsen sein. Ihre auffallende Färbung hat Signalcharakter und warnt mögliche Fressfeinde davor, sie zu verspeisen. Wanzen verfügen über ein Abwehrsekret, das nachhaltig stinkt oder aber bei anderen Insekten als Kontaktgift wirkt.

Erst als ich die spannende Lebensweise der folgenden Insektenart kennen lernte, merkte ich, dass der Ameisenlöwe (Euroleon nostras) nicht selten zu beobachten ist. Ameisenlöwe wird die Larve der Ameisenjungfer genannt, einem Insekt, das auf den ersten Blick mit einer kleinen Libelle verwechselt werden kann. Seinen Namen verdankt er seinen räuberischen Eigenschaften, wobei er nicht wie der Löwe in der Steppe auf Beutejagd geht, sondern sich eine einfache, aber raffinierte Falle baut. Dazu wählt er sich eine regengeschützte Stelle im losen Erdreich oder Sand. Dort gräbt er sich ein und wirft mit seinem zangenbewehrten Kopf die Erde von sich, bis ein Trichter von wenigen Zentimeter Durchmesser entsteht.

In dessen Mitte lauert nun die Larve, von der höchstens ein Spitzchen der kräftigen Fangzangen zu sehen bleibt.

Gerät eine Ameise in den Trichter, fallen kleine Erdkörnchen in den rutschigen Trichter und alarmieren den Ameisenlöwen. Kaum befindet sich das Opfer in seiner Reichweite, packt er es blitzschnell mit seinen Zangen, tötet es mit einem Gift, das er dabei einspritzt und saugt es anschliessend aus. Droht die Ameise zu entwischen, wendet der Ameisenlöwe einen Trick an: Er wirft Sand in Richtung seines Opfers und bringt es so zum Absturz.

Nach zwei Überwinterungen verpuppt sich der Ameisenlöwe im Frühsommer und schlüpft nach etwa drei Wochen als Ameisenjungfer.

Deren Ähnlichkeit mit einer Libelle ist nur oberflächlich. Als Vertreterin der Familie der Netzflügler verfügt sie über deutliche Fühler. Tagsüber verbergen sie sich und sind nur durch Zufall zu entdecken; als nachtaktive Tiere kann man sie mit Glück bei einer Lichtquelle zu Gesicht bekommen.

Dass es einen Bienenwolf gibt, wusste ich bereits. Bei der Recherche im Internet fand ich aber heraus, dass es zwei verschiedene Tierarten gibt, die diesen Namen tragen. Zum einen gibt es einen schön gefärbten Käfer, den zu beobachten ich auch schon Gelegenheit hatte: Ein Buntkäfer mit dem lateinischen Namen Trichodes apiarius. Auch er lebt räuberisch und hat seinen Namen daher, dass seine Larve angeblich in den Bauten von Solitärbienen oder auch in Bienenstöcken lebt und sich von altersschwachen Bienen und deren Larven ernährt.

Der andere Bienenwolf (Philanthus triangulum) zählt zu den so genannten Grabwespen, die ihren Bau wie der Ameisenlöwe an besonnten Stellen anlegt. In einer Röhre, die bis 1,5m tief reichen kann, legt er mehrere Bruthöh-len an. Dorthin bringt er die erbeuteten Bienen als Nahrung für seine Brut. Der Bienenwolf hat sich auf den Fang von Arbeiterinnen der Honigbiene spezialisiert. Er lauert den Bienen auf den Futterpflanzen auf und erbeutet sie in einem «Blitzangriff» und tötet sie mit ihrem Giftstachel. Dabei fängt nur das Weibchen Bienen. Die Beute, die so gross und schwer wie die Wespe selber ist, wird danach in Rückenlage zum Nest geflogen und in die Brutkammern verfrachtet. Damit sie dort nicht schimmeln, werden sie zuerst abgeleckt. Schon sind Wissenschafter daran, den Wirkstoff im Speichel als Pilzgift zu erforschen.

Christian Müller; KNL

Literatur:

Viele interessante Angaben zu den vorgestellten und anderen Insekten habe ich im Internet gefunden; auch ein Teil der Bilder stammt von dort. Wer einen Anschluss hat, findet unter den folgenden Seiten weitere Bilder und Lesenswertes.

Ameisenlöwe:

http://de.wikipedia.org/wiki/Ameisenl%C3%B6we

Feuerwanze:

http://de.wikipedia.org/wiki/Feuerwanzen


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