Skurrile Gestalten am Reussufer, die Reussschwümmer oder Endschwümmer

Aus Ottenbach
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Rüssschwümmer Ottenbach. Endschwimmen 12. Oktober 2008


Ein warmer Herbstsonntag Mitte Oktober. Die goldene Sonne, die bunten Bäume mit den farbigen Blättern und die milde Temperatur laden ein zu einem gemütlichen Sonntagsspaziergang. Unten an der Reuss ist es mit der Beschaulichkeit schlagartig vorbei. Vor dem Pontonierhaus hält sich eine skurrile Gruppe von Gestalten auf. Menschen in den fantastischsten Gewändern, gestandene Herren mit knallroten Perücken und Gummistiefeln unterhalten sich angeregt mit Damen in schwarzen Netzstrümpfen. Zarter Tüll verhüllt etwas verschämt eine Badehose und ein schillernder Poncho wetteifert mit einer riesigen Sonnenbrille. Eine Küchenschürze in schreienden Farben leuchtet derart bizarr, dass ich augenblicklich überzeugt bin, soeben auf die kultigste Bekleidung des Jahrhunderts gestossen zu sein. Erst traue ich meinen Augen nicht, dann erkundige ich mich bei meiner Frau nach dem genauen Datum. Nein, wir schreiben erst Oktober, die Fasnacht hat noch nicht begonnen. Mit meiner ebensolchen Bemerkung zu der Gruppe ernte ich dann auch ziemlich verachtende Blicke. So ein Hinterdörfler Neuzuzüger kennt natürlich die Ottenbacher Sitten und Gebräuche noch nicht. Entsprechend geringschätzig werde ich denn auch von der so farbig Gewandeten begutachtet. Also lasse ich mich aufklären. Zusammen mit einem Glas Weisswein erhalte ich die nötigen Erläuterungen. Es handelt sich hier keineswegs um irgendwelchen Mummenschanz, versichert Roger, der Sprecher der farbigen Schar ernsthaft. Vielmehr sei die Zusammenkunft sozusagen ein jährlich wiederkehrendes Ritual. Jeden zweiten Sonntag im Oktober würden sich nämlich alle Mitglieder dieser Fraktion von begeisterten Reussschwimmer, das letzte Bad der Saison im Fluss erlauben. Selbstverständlich nicht ohne vorher und nachher ein Glas Wein zu genehmigen. Und anschliessend, sobald dann alle mindestens äusserlich wieder trocken und gewärmt seien, würde ebenso traditionell bei einem ihrer Mitglieder diniert. Meine Frage nach dem Namen dieses fröhlichen Vereins wurde mit mindestens vier verschiedenen Bezeichnungen beantwortet. „Reussschwümmer“ und „Endschwümmer“ habe ich als die passendsten Bezeichnungen notiert. Statuten, Satzungen oder gar ein Mitgliederverzeichnis sind ganz offensichtlich inexistent. Die Aufnahmebedingungen allerdings sind äusserst anspruchsvoll. Werden doch da nicht weniger als Geselligkeit, Fröhlichkeit und eine gute Portion Lebenslust verlangt. Auch eine kleine Prise Übermut würde einem Beitrittsgesuch nicht schaden. Badehosen allerdings sind nicht zwingend notwendig.

(mamu)

Quelle: Ottebächler Nr. 149, November 2008

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