Rauhhautfledermäuse - Winterschläferin in "Scheiterbeigen"

Aus Ottenbach
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Ottebächler Nr.105 Juli 2000

Rauhhautfledermaus Pipistrellus nathusi

Sie sind wieder bei uns eingetroffen: Die Rauhhautfledermäuse, die nach dem sommerlichen Aufenthalt im Nordosten Europas bis über 1000 km zurückgelegt haben, um sich bei uns zu paaren und den Winterschlaf in milderem Klima der Siedlungsräume zu verbringen.

Mit einem Gewicht von rund 8 Gramm und einer Flügelspannweite zwischen 22 und 25 cm gehören die Rauhhautfledermäuse zu den kleinsten unserer 27 einheimischen Fledermausarten. Alljährlich treffen sie bei uns ab Mitte August in grosser Zahl ein. Sie haben die Sommermonate im Baltikum oder in Nordostdeutschland verbracht.

Durch eine ausgeklügelte Echoortung orientiert sich die Fledermaus im Flug und in der Nahrungssuche. Im Normalflug benötigt sie rund 10 Signale in der Sekunde; bei der Jagd auf ein Insekt steigt die Rufanzahl auf bis zu 50 Signale in der Sekunde. Die Rufsignale sind für das menschliche Ohr kaum hörbar, da sie in sehr hohen Tonfrequenzen erzeugt werden. Die Rufsignale werden so ausgesendet, dass das Echo das Ohr immer in Sendepausen erreicht.

Im September und Oktober balzen die Männchen um die Gunst der Weibchen und verraten so mit für den Menschen hörbaren Zirplauten den Standort ihrer Paarungsquartiere: z.B. Rolladenkästen, Spalten hinter Wandver-schalungen oder ähnliche, geeignete Orte. Zu ihrem Balzprogramm gehört auch das von lauten Rufen begleitete Segeln in stets denselben kreisförmigen Flugbahnen vor ihrem Quartier. Erfolgreichen Männchen gelingt es, bis zu zehn paarungswillige Weibchen mit ihrem auffälligen Verhalten zu beein-drucken.

Nach diesen Kräfte zehrenden Monaten ziehen sich die Rauhhautfledermäuse in ihre Winterschlafquartiere zurück, um die kalte Jahreszeit an geschützten Orten zu verschlafen. Sie zwängen sich in Spalten von Gebäuden, unter die abgelöste Rinde von Bäumen und mit besonderer Vorliebe in Scheiterbeigen. Letzteres kann der Rauhhautfledermaus zum Verhängnis werden, wenn das Holz im Verlauf des Winters abgetragen wird. Es sollte deshalb darauf geachtet werden, dass bis zum Frühling ein Rest übrig bleibt, in dem die Tiere bis im Frühling weiter schlafen können. Falls ein Tier zum Vorschein kommt, muss dieses wieder in die «Restbeige» gelegt werden. Sollte ein Tier unbemerkt in die Wohnung getragen werden und erwachen, hilft Ihnen das Fledermausschutz – Nottelefon im Zoo Zürich weiter. (Tel. 079 330 60 60).

Wer aktiv etwas für diese geschützte und bedrohte Fledermausart tun will, sollte eine vor Wind und Regen geschützte Scheiterbeige als Unterschlupf errichten und diesen Tieren zuliebe den ganzen Winter ungenutzt stehen lassen. Die KNL- Mitglieder geben Ihnen auf Ihre Fragen gerne weitere Auskünfte.

KNL Ottenbach, Kurt Schlegel


Das Fledermausschutz-Nottelefon 079 330 60 60

berät Finderinnen und Finder von in Not geratenen Fledermäusen.

Kantonale Fledermausschutz-Beauftragte Zürich Rosenstrasse 11 8400 Winterthur fledermausschutz.zh@gmx.ch

Telefon 052 214 26 88

Nottelefon und Adresse aktuell 29.12.2019


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