Einzelbäume - prägende Objekte im Dorf und in der Landschaft

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Ottebächler Nr. 137 November 2006

Seit 1987 besitzt die Gemeinde Ottenbach ein "Kommunales Inventar der Natur- und Landschaftsschutzobjekte». Darin sind schützenswerte Objekte aufgelistet und, wenn nötig, Massnahmen zur Pflege und zum Erhalt beschrieben. Inventarisiert sind die Schutzobjekte in sechs Gruppen: Hecken und Feldgehölze, Bachläufe und Bestockungen, Baumgruppen, Einzelbäume, Feuchtgebiete und Trockenstandorte. Im Inventar sind unter «Einzelbäume» 15 Objekte aufgeführt. Die dazugehörende Verordnung bezweckt, dass die Natur- und Landschaftsschutzobjekte langfristig erhalten bleiben. Zu den Einzelbäumen steht in der Verordnung folgendes:

Die im Inventar aufgeführten Baumgruppen und Einzelbäume sind als wichtiger Bestandteil des Landschafts- und Siedlungsbildes und als wichtiger Lebensraum von Vögeln, Insekten, Fledermäusen zu erhalten. Sie sind fachgerecht zu pflegen und zu unterhalten.

Wenn sie aus zwingenden Gründen beseitigt werden müssen, ist dafür eine Bewilligung des Gemeinderates erforderlich. Diese ist mit Vorschriften für eine möglichst gleichwertige Ersatzpflanzung zu verbinden. Der alte Standort ist dabei nicht zwingend.

Überalterung oder Stürme setzen auch den geschützten Bäumen zu.

1999 fällte Sturm Lothar die, in einer Weggabelung zum Schützenhaus stehende, Linde. Der Baum, 1980 bei der Einweihung des Schützenhauses gesetzt, kippte auf die Seite und konnte nicht mehr gerettet werden. Pfister- Linde hiess der Baum, nach dem damaligen Spender Ernst Pfister. Zum Glück fand sich ein neuer Spender: Die Familie Herzog, VOLVO- Garage, Ottenbach. Die neue Herzog- Linde wächst so gut, dass der Wanderer bald wieder in seinem Schatten die einmalige Aussicht zum Lindenberg und in die Alpen geniessen kann.

Alter und Sturm setzte einem weiteren Objekt ein Ende: Der Nussbaum im Mätteli eingangs Dorf von Obfelden her kommend. Der Standort mitten im Landwirtschaftsland ist für die Bewirtschaftung nicht eben günstig. Hier muss noch eine Lösung gesucht werden.


Die im Kommunalen Inventar aufgeführten Einzelbäume

(P Privat, G Gemeinde, K Kanton):

Nussbaum auf dem Rebhoger

Aussichtspunkt mit Sitzbank, an der Grenze zu Bickwil (G)

Linde auf dem Rebhoger

Aussichtspunkt mit Sitzbank (G)

Diese Linde wurde krank und 2015 gefällt. Anfangs 2016 setzte die Gemeinde eine neue Linde.

Ulme beim Ulmenhof

Affolternstrasse 40 (K) Die riesige Ulme wurde vom Ulmensplintkäfer befallen und ist abgestorben. Daneben setzte die Gemeinschaft "Die Alternative" am 4. Nov. 1995 eine neue Ulme. Viktor Burtscher und Peter Eichhorn, versenkten eine mit Dokumenten und guten Wünschen gefüllte Kassette in die Baugrube

Linde auf dem Bauernhof im Grund (P)

Schöner, gross gewachsener Baum. Sie wurde aus Anlass des Kriegsendes 1918 gepflanzt.

Blutbuche am Landhusweg 9 (P)

Der ca. 100-jährige Baum ist in Ottenbach eine seltene Varietät einer Rotbuche.

Linde auf dem Dorfplatz (bei den Sitzbänken) (G)

Sie gilt als Dorflinde. Bei den der Öffentlichkeit gehörenden Linden ist es Jedermann/frau erlaubt, Lindenblüten zu pflücken.

Eiche am Salzrain 16 (P)

Ebenmässig gewachsene Eiche, wichtig im Ortsbild. Gepflanzt 1950.

Tulpenbaum an der Muristrasse 8 (P)

Wichtiger Baum im Strassenbild

Rosskastanie beim Restaurant Post (G)

Am 4. Juli 2007 brach ein grosser Hauptast mit einem Teil des Stammes ab. Die Rosskastanie musste gefällt werden. Bericht unter Das Ende eines Riesen

Nachtrag: Am 4. Juli 2007, um ca. 06.00 Uhr, krachte etwa 1/3 des Baumes zu Boden. Menschen oder Fahrzeuge kamen nicht zu Schaden. Das Stamminnere, des äusserlich gesunden Baumes, war verfault. Der Baum konnte nicht mehr gerettet werden und wurde am 8. August gefällt.

Eiche in der Rüti beim Rütihof (P)

Freistehende, im Landschaftsbild wichtige, Eiche.

Nussbaum im Mätteli (P)

Durch Alter und Sturm abgegangen. Ein Ersatzstandort muss noch gefunden werden.

Linde auf dem Hof "Oberberg" (P)

Eigenwillig gewachsener, markanter Baum

Birke in der Jetenalten, Richtung Bickwil (P)

Markante Birke mit Lesesteinhaufen.

Linde an einer Weggabelung zum Schützenhaus (G)

1980 gesetzt, im Sturm Lothar 1999 gefällt. Am 14. Okt. 2001 neu gepflanzt. (nach dem Spender "Herzoglinde").

An dieser Stelle sei auch einmal den privaten Baumbesitzern gedankt, deren Bäume im Inventar aufgeführt sind. Seit Jahrzehnten oder sogar seit Generationen sorgen sie dafür, dass die Bäume gepflegt und erhalten bleiben.

Wissenswertes über die inventarisierten Bäume

Die Rosskastanie verbreitete sich nach der letzten Eiszeit von der Balkanhalbinsel über Konstantinopel nach Italien und Frankreich auch in die Schweiz. Kastanienrindenextrakt kräftigt die Venen und beschleunigt die Blutströmung, so dass Blutstauungen beseitigt werden.

Die bei uns verbreitete Stiel- Eiche wird normalerweise bis 500 Jahre alt, bis 1200 Jahre sollten sogar möglich sein. Über Jahrhunderte war die Eiche wichtig für die Schweinehaltung. Man trieb die Schweine zum Eichelnfressen in den Wald (Eichelmast). Die grösste Eiche im Isenbergwald steht in der Witenlaach (zwischen Zwillikerstrasse und Scheibenstand) mit einem Umfang von 4 m 50 cm. (Oktober 2014)

Der Tulpenbaum mit seinen wunderbaren Blüten (sie ähneln rein optisch den Tulpen) und dem goldgelben Herbstlaub wird in Europa seit 1688 in Parkanlagen und Gärten angepflanzt. Er stammt ursprünglich aus dem Osten der USA.

Die Ulme kann bei passenden Bodenverhältnissen eine Höhe von 40 m erreichen. Im alten Griechenland waren die Ulmen dem Götterboten Hermes – dem Beschützer der Kaufleute und der Diebe – geweiht.

Das Holz eines schön gewachsenen Nussbaumes (Gemeiner Walnussbaum) ist in der Möbelindustrie und als Furnierholz sehr begehrt. Die Früchte sind auch heute noch beliebt und gesund. Ein bis zwei Nüsse im Tag werden zur Gesundheitserhaltung empfohlen. Auf den Bauernhöfen standen die Bäume früher meist beim Miststock. Der intensive Geruch der Blätter soll Mücken vertreiben!

Die Ottenbacher Dorflinde (bei den drei Sitzbänken) auf dem Dorfplatz entwickelt sich leider nur langsam. Ihr Wurzelwerk wurde anscheinend beim Bau der Betonmauer beschädigt. Die Vorgängerlinden standen zwischen dem Besmerhaus und dem Blumenladen. Lindenblütentee gilt als schweisstreibendes und fiebersenkendes Heilmittel bei Grippe und Erkältungen.

Die Buche (Rotbuche) hatte durch ihre weite Verbreitung und das häufige Auftreten einen grossen Einfluss auf die Namengebung von Ortschaften, Landschaften und Gemeinden. So sollen in der Schweiz über 700 geographische Bezeichnungen den Ausdruck «Buche» enthalten. In Kriegszeiten wurden die kleinen Früchtchen, die Bucheckern, gesammelt und daraus Öl gepresst.

Das Holz der Birke kann wegen seiner geringen Tragkraft nicht als Bauholz verwendet werden. In der Wagnerei wurde es zur Herstellung von Deichseln, Holzschuhen, Wäscheklammern usw. verwendet. Die malerische Form der Hängebirke hat schon viele Künstler zum Pinsel greifen lassen.

KNL Ottenbach – Peter Eichhorn

Quellen:

Gemeinde Ottenbach, Kommunales Inventar der Natur- und Land-schaftsschutzobjekte, 1987, Godet Gehölzführer Bäume und Sträucher, Arboris Verlag 1986.


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Gute Seite über Bäume und Wald

http://www.waldwissen.net/wald/baeume_waldpflanzen/wsl_waldbaeume_schweiz/index_DE

(Aktualisiert 2020)


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