Schneebeli Paul 1928 - 2005

Aus Ottenbach
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Er war ein stiller, präziser Beobachter

Zum Tod von Paul Schneebeli, Ottenbach

Paul Schneebeli Ottenbach

Eine Woche vor seinem 77. Geburtstag am 29. Januar 2005, ist der Ottenbacher Paul Schneebeli nach kurzem Spitalaufenthalt seinem Krebsleiden erlegen. Bevor er in den Spital eintrat, wartete er das Eintreffen der gedruckten Exemplare seiner jüngsten Schrift über den Grenzstreit zwischen Ottenbach und Jonen zwischen 1660 und 1700 ab. Danach verzichtete er auf die vorgesehene Operation, da er sich dafür bereits zu schwach fühlte.

42 Jahre lang war er Geschäftsführer der Landwirtschaftlichen Genossenschaft Ottenbach gewesen. Er hatte die Buchhaltung jederzeit auf den Rappen genau im Griff. Sein Büro im Gebäude am Dorfplatz war sein zweites Zuhause neben dem Haus an der Steinernstrasse, wo er die Haushaltung mit Schwägerin Hanny und seinem Bruder Fritz Schneebeli teilte. Selbst übers Wochenende war er oft im Büro anzutreffen.

Geschichte als Hobby

Stand sein Auto nicht auf dem Parkplatz vor dem Büro, befand er sich meist im Staatsarchiv, wo er Handschriften zur Ottenbacher Geschichte studierte. Der „Grenzstreit am Stampfenbach 1660- 1700“ ist sein letztes Werk, in dem er exakt den Quellen folgend die Auseinandersetzung zwischen Ottenbach und Jonen schildert: „Der in dieser Quelle geschilderte Zehntenkonflikt ist weder einzigartig noch spektakulär. Er gewährt jedoch Einblick in das Gebiet der Luegeten, Rütli und Hinterholz.“ Seit dem hat sich einiges geändert. Paul interessierte sich für das Alltägliche. Er war ein stiller, präziser Beobachter mit einer bemerkenswerten historischen Urteilsfähigkeit, für die er auch bei Historikern Wertschätzung und Anerkennung genoss. Ihn interessierte die Geschichte der Fluren ebenso wie die Geschichte der Menschen - und in einer Landgemeinde hängt beides eng zusammen.

So befasste er sich in einer anderen Schrift mit Ottenbachs Weinschenken, Gasthöfen und Pinten 1804 bis 1999. Mit einem Augenzwinkern erwähnt er im Vorwort, dass 1886 auf 90 Einwohner eine Wirtschaft fiel, während heute 600 Personen auf ein Gasthaus kommen. Minutiös recherchierte Paul Schneebeli für die Broschüre die exakten Daten über alle Ottenbacher Gasthäuser der letzten zwei Jahrhunderten. Beispielsweise beschreibt er, wie die Gemeinde Ottenbach 1944 vom Kanton mit 4000 Franken belohnt wurde, weil sie das Gasthaus Löwen gekauft und in das Gemeindehaus umgewandelt hatte. Doch auch viele Privatpersonen, beispielsweise der Bezirkstierarzt, unterhielten eine Weinschenke. Liest man Pauls Schriften, spürt man die Leidenschaft und Präzision, mit der er forschte und seine Resultate für Publikationen aufbereitete.

Engagierter LGO-Geschäftsführer

Ein besonderes Anliegen war Paul Schneebeli die Geschichte der Landwirtschaftlichen Genossenschaft Ottenbach, denn er war nicht nur engagierter Geschäftsführer der Genossenschaft , er personifizierte diese geradezu. Zum 120. Jubiläum der Genossenschaft präsentierte er denn auch eine Schrift über deren Vergangenheit. Gleichzeitig feierte Paul sein 40. Dienstjubiläum. Das Lob von LGO-Präsident Ruedi Luginbühl, das er im Vorwort formuliert, kam von Herzen: "Lieber Paul, deine grossen Verdienste und Leistungen für die Genossenschaft sind aus und zwischen den Zeilen dieser Chronik herauszulesen. Jene, die dich und dein Wirken kennen, wissen das ohnehin. Deine Art, dich niemals in den Vordergrund zu stellen, ist einmalig, und deine körperliche und geistige Frische sind beneidenswert."

Eingehend dokumentiert hat Paul Schneebeli auch die Braunviehzucht Genossenschaft Ottenbach, die letzte Milchannahme am 3l. August 1992 und die Nachfahren Zwinglis in Ottenbach. Doch nicht nur mit Geschichte hat er sich beschäftigt. Er war anlässlich des l00-Jahre-Jubiläums der LGO Ottenbach in der Gruppe aktiv, die die Feier am Morgen mit Kaffee und frischen Gipfelt vom Beck abschloss. Während der ganzen Nacht hatte er kaum ein Wort gesagt, aber er war als Beobachter mit dabei.

Sein zweites Hobby war die Musik. Paul Schneebeli spielte bis zu seinem Tod im Musikverein Ottenbach den B- Bass. Im vergangenen Jahr wurde er geehrt für die 60 Jahre, die er als aktiver Bläser lebendiger Teil des MVO gewesen war.

Für die LGO Ottenbach beginnt nun ein neuer Abschnitt - die Zeit nach Paul Schneebeli. Es wird sich wohl manches ändern, denn Paul hatte die Genossenschaft in seiner unverwechselbaren und unnachahmlichen Art geprägt. Die historisch Interessierten werden die Fortsetzung seiner Forschungen vermissen. Allen wird Paul als ein ganz besonderer Mensch in Erinnerung bleiben, der als kluger Beobachter mit wenigen Worten Entscheide dorthin lenken konnte, wohin er es für richtig hielt. Mit Paul Schneebeli ist auch ein Stück gelebter Ottenbacher Geschichte gestorben.

Bernhard Schneider, LGO Ottenbach


Quelle: Anzeiger aus dem Bezirke Affoltern, Dienstag. 8. Februar 2005, Seite 9

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Schriften von Paul Schneebeli (Eigenverlag)


2001 Ottenbach - Weinschenken, Gasthöfe, Pinten, 1804-1999 4 Seiten Umschlag, 24 Seiten Inhalt S/W, Illustrationen z.T. farbig, geheftet.

2003 Zwinglis Nachfahren in Ottenbach 4 Seiten Umschlag, 60 Seiten Inhalt S/W, broschiert.

2004 Grenzstreit am Stampfenbächli 1660-1700 4 Seiten Umschlag, farbig, 140 Seiten Inhalt S/W, 2 Seiten Situationspläne, farbig, Orts- und Flurbezeichnungen, Personenregister, broschiert

Erschienen im Eigenverlag

Bezugsort: Fritz Schneebeli,8913 Ottenbach

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