Mühlen in Ottenbach

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Mühle Ottenbach an der Muristrasse

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Mühle Rickenbach bei Ottenbach

von Johann Fisch, Lehrer in Ottenbach von 1953 - 1959


Original 8 Seiten A4 mit Schreibmaschine geschrieben.

Recherchiert und aufgeschrieben ca. 1955

Original aufbewahrt bei Trudi Spörri, Rickenbach Ottenbach


Abschrift

Der Text ist möglichst genau abgeschrieben, d.h. auch Fehler oder unterschiedliche Schreibweise in den Urkunden oder von Johann Fisch. Der Zeilenumbruch wurde nicht eingehalten und neu gemacht. Der Text hätte sonst ausgesehen, wie die 4 ersten Zeilen am Anfang der Abschrift. Die im Original g e s p e r r t e n oder unterstrichenen Texte wurden neu fett gedruckt. Einschübe und Ergänzungen des Abschreibers (pe) sind kursiv gedruckt. Seite 1, 2 usw. bezeichnet die Seiten des Originals.

November 2009 Peter Eichhorn, Ottenbach


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Mühlen gehören schon im Mittelalter zum einträglich=

sten Landbesitz und waren auch vom Adel begehrt. Es bestehen unzäh=

lige Urkunden in denen Edelleute und angesehene Bürger ihren Be=

sitz Mühlen einverleibten.

Erste urkundliche Meldung über die Mühle:

In der Schlacht bei Kappel Okt. 1531 fielen Kleinhans und Heiny Gut von Ottenbach mit 7 anderen aus der Gemeinde und dem Pfarrer. Heiny Gut 1492 – 1516 und sein Sohn 1516 – 1537 sind bekannt als Besitzer der Mühle zu R. bei Lunnern, denen später die Scheewely (Schneebeli) folgten.

(Im Buch „Ottenbachs Bevölkerung im Wandel der Zeit“ von Bernhard Schneider, 1986, ist auf Seite 153 folgendes vermerkt: „Nicht in Tabelle 10 aufgeführt ist der „Müller von Rickenbach“, der ausschliesslich 1461 in den Steuerlisten erscheint. Er versteuert ein Vermögen von 430 Pfund) Pe

1534 erscheint Wolfgang Gut im Bussenregister mit 60 Pfund (360 Fr) Busse wegen Zuredens d.h. Bestechungs- oder Ueberredungsversuchen. 1628 zahlt ein Hans Gut 2 Pf. (6 Fr) „weil er mehr Wein getrunken als er behalten vermochte“.

Eine 2.Mühle stand an der Reuss, die 1860 abgebrochen wurde und an deren Stelle die heutige Seidenweberei erbaut wurde. Hans Gut steuert 1505 15 Schilling als Besitzer der Mühle an die Stadt Zürich. (1634 zur Zeit der ersten Zürcher Volkszählung bestand das Geschlecht Gut schon aus 18 Familien in der Gemeinde Ottenbach. Anno 1749 waren es 29.

1461 entrichtet Hans Müller Müller zu Rickenbach 13 Schilling Leibsteuer.

Im Glückshafenrodel des Schützenfestes 2. August 1504 - 16. Sept. 1504, einer Lotterie, figuriert dieser Hans Müller als Gewinner eines Kranzes mit 5 Gulden Kleinod (Armbrustschützenfest)

1660 finden wir als einzigen Bewohner in Ri.. die Wydler St A Zch Eg 170 1-2 Fridi Wydler, Anna Scheewelin und Sohn Hans Wydler.

Der Ausgang des 30 jährigen Krieges 1646 mit Pestseuchenzügen muss den Wydlern übel mitgespielt haben, denn der 1. ausführliche Kaufbrief aus dieser Zeit erwähnt die Bürgschaft. Vier Bürgen: Leutnant Hans Hofstetter zu under Lunnern, Thomas Gut zu Oberlunnern, Heiny Leutert und Heiny Gut zu Toussen als Bürgen der Wydleren zu Rickenbach haben jagli Frey von Hedingen die Mühle als (Konkursmassenuffallwies) zu kaufen gegeben. Preis?


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Die Mülli samt deren Gerechtigkeit hat drei Mahlhufen darunter eine an der Rüss, ein Relli, drei Stampfen, Habertere, ein Oeltrotte, Hus und Hofstatt, dazu Krut- und Baumgarten ist ungefehr 5 Mannswerk gross, alles an- und beyeinaderen gelegen zu Rickenbach, ist zehendenfrei, stösst an die Landstrass gegen Zug oder Brämgarten, 2. an Hauptbach, 3. an Leutnat Hofstetters und Uli Guten acher, 4. an andreas Stehlis Obere Weid, 5. an Gregor Wydlers Weidli.

Ein Matten ist 5 Mannswerk gross samt 1 Jucharten acher darin gelegen stosst 1. an die Strass gägen Bremgarten, 2. an Herr Scheewelis Weid, 3 an Rudi Häberlings matten, 4. an Melchior Gnesers weid.

Ein Matten= die Hinterweid 2 mannwerch gross samt 2 Juch. Holz stösst an Andreas Stehlis seine vordere weid.

Ein Weid genannt die Kalberweid ist ungfahr 15 Jucharten gross stösst an Bach und an das Ottenbacher Feld und an hinder weidmatt.

Ein Stückligut gen. Die Hanfpünten ist ungfahr ein halb Juch. Gross stösst 1. an die strass, 2. an das Ottenbacher feld

Der Jfang = ein Juch. Acher stösst an die brämgartner strass, 2. an melcher gnesers acher, ein acher ein Juch. Uff dem Ottenbacher feld ein Juch. Holz im Gibel gelägen.

1667 Hans Schneebeli heiratet in 2. ehe Elsbeth Stolz des Pfarrers Max Stolz v. Affoltern. Kaufbrief 2. Januar 1668: Jagli Frey Müller zu Rickenbach hat hans Schneewely dem Müller daselbst zu kaufen gäben den ganzen gewerb wie er im 42. und 43. blatt dieses buches beschrieben. Dermalen steht daruf 3783 fl sh (Gulden, Schilling) Kaufsumme 6050 fl

Underpfand: Syn Müli sambt derselben Gerechtigkeit, hat 2 Malhüser, Relli, 3 Stampfi, Haberthere, Oeltrotte. Desglichen Hofstatt, Schür, Schwynstall, Krut- und Baumgarten ungefähr 5 Mannswerk gross, was zwischen der Mühli und Hauptbach gelegen.

1669 30. Nov. Hans Heinrich Schneeweli, der Müller zu Rickenbach hat Obrist und Obmann Thoma der Stadt Zürich us synem uff Hans Schneeweli dem Oberen Müller zu Affoltern stehende 2600 fl Werdmüller, Zunftherr und des Rats Gulden mit Zins ablässigen Hauptgut vermögenden


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Brief über die 1000 fl so er zu kaufen gäbi noch 600 fl zu kaufen. Fallen uf Martini 1648 85, 86 und 87, jedes Jahr 125 sh und 1688 100 sh. Er setzt ihm zur Nachwägerschaft syn verkauften gewerb wie er von Jagli Frey verkauft. Blatt 42, 43 und 92 dieses Buches)

Die Schneewely Müller von Affoltern, später von Rickenbach, der Heinrich Dorfmeyer, Kirchmeyer, Geb. 16. Nov. 1623 cop. Am 8 Nov. 1653 mit Elisabeth Stolz Tochter des Max Stolz Pfarrer zu Affoltern. Erste Frau Vrony Ringger ab Mühleberg. Deren Töchter: Katharina 1644, Elsbeth 1646, Verena 1649. 5 Kinder der Elisabeth Stolz + Anna 1654. Max 1655, Hans 1657, Maria 1659, Anna 1666. Die Schneebel Mühle Affoltern geht 1878 von Bezirksrichter Sch an S J Meier bezw. Heinrich Spinner in Affoltern über. Auf den baulichen Ueberresten steht heute eine Holzwollenfabrik.

1167. (Mit der Mühle geht es unter den Schneebeli wieder aufwärts) was ein brief vom 23. Sept. 1667 zeigt, der 1000 fl Abzahlung zeigt auf dem 3000 fl brief. Der rest ist jährlich mit 50 fl zu amortisieren bis1657 (21/2 %) bis zum letzten Pfännig. Besigelt von Vogt Meyer v. Knonau. Als weiteres wichtiges Datum nach einem kurzem Zwischenspiel mit Jagli Frey erscheint Martini 1695:

Hans Scheeweli zu Rickenbach gibt synem Schwäher Beat Rudolf Hegetschweiler daselbst zu kaufen:

Syn nüwe Behusung samt dem Anteil Schür, Stallung, Schwynstall, Trotten, Krautgarten samt der Husmatt 3 Mannswerk gross, so stösst an die Landstrass, 2. an des Käufers eigene Mülimatt, 3. an des Käufers Kalberweide. Weiter ist im Kauf verdingt in dem Haus was niet und nagelfest. Doch behält ihm der Verkäufer vor den Tisch in der Stube, das Gänterli in der Stube und in der Küche. Schuldbrief: Fourier Beat Hegetschweiler. Müller zu Rickenbach soll 300 fl Heugeld von Vogt Hofmeister by bar geliehenem Geld 6 Jahr verzinsen und samthaft löschen. Unterpfand: Syn nüwe von Hans Schneeweli erbaute Behausung mit Ziegel bedeckt samt drei Schwynställen. Die Mühle ist also 1695 zweiteilig. Von Hans Schneeweli Martini 1695 seinem Schwager Beat Rudolf Hegetschweiler verkauft. 1695 erscheint ein Schuldbrief, auf Hch. Schneeweli Affoltern, der völligen Auszahlung der Kaufschuld dienen soll. Unterpfand: Syn dismalen 2 besten


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und vornehmsten Pferden als zwen mit weissen Strichen habenden Mönche – in Abänderung und veränderung synen jederweilen 2 besten pferd und was farb, Alter und geschlechet selbiger sind oder syn möchten, oder syne jederzyt habende 2 besten gehörnten vehe oder so in der Schatzung genugsam syn seiende vehe und was farb- Alter und Geschlecht selbiger immer ist und syn mag nyd usbedingt noch vorbehalten und nit anders als wann solches in farb, Alter und Zeichen benamset war.

Vom Kauf Beat Rudolf Hegetschweilers 1695 existiert eine genau beschreibung: Ein Mülihus und Hofstatt samt der Müli so da hat: darin 2 Malhaufen und Rellen samt stampf, die Habertere, das Waschhaus, Schwynstall by dem Müllihus, der spycher ganz oben im Keller, der obere gehört dem Verkäufer bis sie beide miteinander einen Neuen bauen, der obere garten samt der Mülimatt von dem Müllihaus bis an das Wälschöpfelbäumli so di march syn solle. Danach an den grossen Wystock, von dannen grad hinab bis an den Erlistock bim bach wie alles solle usgmarchet werden.

Ein weid genannt Kalberweidli, ungfahr 3 Juch, samt dem holz bis an die krumbe eich. Von der Eich grad hinab bis an hag.

Ein halb. Juch. Acker genannt Schnyderacherli uf dem Ottenbacher feld stösst an Heinrich Guten acker. 2. an Jaggli Schneewelis (Seckelmeisters) aker, 3. an die landstrass gen Zug, 4. an Rud. Leuterten acker 5. an Hs. Funken acker. Ein Ju. Holz im gibel am Jsenberg an den Bickwiler gmeinwerk (gemeindegut) liegend wie solches allbereit usgemarchet ist.

Die Wassermatt halb oder noch gemein mit ein anderem zu nutzen und zu weiden.

Die Weihermatt, was (sie) hingibt soll dem käufer allein gehören. Was Streue gibt, soll zugleich mit einanderen geteilt werden.

Das Wasser uns dem Müllibach soll der Käufer dem verkäufer durch syn Müllimatt by dem oberen march ungfahr 6 Schu under der March durch ein gräbli anderthalb schuh breit in des verkäufers matt laufen lassen. Wann der verkäufer aber das Wasser by der march haben möchte, er solches auch näher nehmen solle, doch nit weiter vom schwyrren (Pfahl) oder march


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als vermeldet 6 schuh, wann er das Wasser von Nöten hat.

Den Brunnen by der Mülli solle der Käufer mit einem anderen Stock und Dünkel (Teuchel) in Ehren halten.

Die Sack in der Mülli sollen zugleich verteilt werden.

Zwei Ross angeschirrt und ein Rossgeschirr besonders ohne das Rytküssi.

Der Jsenschlegel und Stock oder Hebisen solle noch gemein sjn, aber solle in der Mülli blyben.

Hierauf ist der Kauf geschehen um 5 000 fl im Bysin Vogt Frei, Ambtmannn Klein und Weibel Syz, Dorfmeier Schneebeli von Ottenbach und Richter Hein. Schärer von Affoltern. Meister Hans Schneebeli und Fourier Beat Rudolf Hegetschweiler. Meister Hans Schneebeli ist durch Heirat auf die Mühle gekommen.

1751 erscheint Jakob Wydler als Müller zu Rickenbach. Auch öffentlicher Gant für 1052 fl Kaufbrief Bd.9 Seite 256

Herr Haubtmann Caspar von Muralt, Gerichtsherr zu Oelishausen hat im Namen seiner Frau Mutter Frau Alt Gerichtsherrin Barbara v. Muralt geb. Rham von Zürich in Gegenwart Landvogts Scheuchzer zu Knonau, auch im Beisein Gerichtsuntervogt Bernhard Hegetschweilers von Maschwanden, Undervogt Hs.Rud. Frei und Freiamtsweibel Caspar Sytzen beide von Knonau auf öffentlicher Gant hernach folgendes zu kaufen gegeben. Dem Richter und Feuerhauptmann Hs. Ulrich Vollenweider zu Fehrenbach, so aber dem Müller Jakob Wydler zu überlassen habe:

1. Ganze Behausung (2 Wohnungen) und Hofstatt, ganze Scheune und Stallung 2 Teile: Trotte, Kraut- und Baumgarten ohngfahr 1 Mannwerk gross so stehend frei, stösst an Müllibach, 2. unten an die Landstrass, 3.4. an des Müllers eigene Mistwürfi und Hausmatten, 5. 5 Juch. ohngfahr Weid am Oberlunnern Kilchweg, 6. 1 Juch. Holz mit Geding, dass Käufer Müller Wydler für seinen halben Anteil die steinerne Brugg in Ehren solle helfen (unterhalten)

Hierauf ist dieser Kauf ergangen um 1052 fl. Daran solle Müller Wydler mit Martini 1757 334 fl samt Zins als bar bezahlen. Dafür sind Bürg: Undervogt Frey zu Knonau, Richter Vollenweider selbst, Ehegaumer Hans Wydler des Müllers Bruder zu Underlunnern. Die noch restierenden 668 fl soll


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Müller der Frau Gerichtschreiber von Muralt alljährlich gebührend verzinsen und der erste Zins mit Martini 1757 verfallen sein. Bemerkung J.Fisch: Die Mühle muss heruntergewirtschaftet worden sein, dass sie zu einem Schnundpreis unter den Hammer kam, oder war sie lange Zeit Wüste? Das wäre in den Ottenbacher Gemeindebüchern oder Mühlerechnungen zu erforschen.

Müller Wydler kauft 1788 eine halbe Juchart Acker. 1793 kauft er einen (zwangsweise) veräusserten Acker aus der Hand des Hans Häberling Felixen selig. mit Namen 13 pag. 201

Heinrich Frey, Hansen sel. Zu Under Lunnern hat noch bei seinen Lebzeiten dem Müller Jakob Wydler zu Rickenbach verkauft No 9 pag. 85 Eine halb Juch. ohngfahr Holz und Boden in Hans Guten Acker liegend 30 fl Ein anderer Heinrich Frey Heinrichen, zu O. hat dem Müller Jb. Wydler zu R. verkauft: Ein Vierling Acker genennt Bodenacker der Under Teil am Bächli.

1797 28. Januar Aus den Händen ihres Bruders Johannes Wydler, einer der vier Brüder Wydler Heinrich, Melchior Hs. Jakob und Johannes den 4 Erben des Vaters Jakob (1751 erster Wydler auf der Mühle) teilen die drei bleibenden Nachfahren ihres Vaters ererbte Gebäude und Güter in Freundlichkeit:

Jtem eine Mülli und Mülligewerbe so da hat drei Mahlhäuser, eine Rellen, drei Stämpf ein Habertheren und ein Rybi samt aller dazu gedienender Gerechtigkeit. Viereinhalb ongfahr Baumgarten an 2 Orten liegend der oberst und der mittlere Teil. Ein Vierling ohngfahr Holz und Boden so mit den 3 Brüdern ihren 3 Vierling noch unverteilt beworben wird. 3 Vierling ohngf. Acker genannt Tellenacker der obere hinter Teil. Zweimal ein halber Vierling ohngfahr Acker genannt Byfig. Der oberste 3 Vierling Acker genannt (Semisacker) Der Unter Teil ein halb Vierling ohngf. Räben im Lunnern Räbberg. Der hinder Teil anderthalb Vierling ohngf. Holz und Boden im Langenackerhölzli so mit den übrigen 3 Brüdern ihren Anteilen noch unverteilt beworben wird.

1. Ist dem Heinrich zu Teil geworden: Der 4. Teil von einem Vierling ungf. Holz und Boden Morgenacker


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2. Jst dem Melchior zuteil geworden: Ein Vierling ungfahr Acker. Der 4. Teil an einem halben Vierling ungf. Holz und Boden gen. Morgenacker. 3. Jst dem Hs. Jakob zuteil geworden der 4. Teil an einem halben Vierling ihngf. Holz und Boden.

4. Jst dem Johansen dessen Erbteil zuteil geworden: pag. §30


Verzeichnis und Abrechnung

Da sich bei gehaltener Abrechung der Vorgenommenen Jnventur des Klyhans Wydler sel. Underlunnern gezeigt, dass von den in seinem Kaufbrief datiert 1767 No 11 pag 62 enthaltenen Kapitalien seinen Brüdern Heinrich Melchior, Hs Jakob und des Bruder Johannsen selig Erben zu Rickenbach nachstehende Kapitalien verzinst werden. 100 fl Caspar gut, 90 fl Jakob gut, 82 fl hans gut.

Also seien die Gebrüder Wydler obige 3 Posten zu verzinsen und zu bezahlen schuldig ohne dass des verstorbenen Bruder Klyhans Wydlers sel. Erben ihnen einen Ersatz schuldig seien.

Schuldbrief 1799

Underpfand No 11 pag. 247 Eine halbe Behausung und Hofstatt der vordere Teil sowie solche geteilt und er dato in Besitz hat. Jtem eine Mülli und Mülligewerbe so da hat drei Mahlhäuser, ein Rellen, drei Stämpf und eine Rybi samt alle noch dazu dienender Gerechtigkeit.

1845 23. April kauft Leutnant Bernhard Funk von Caspar Funk Müller zu Rickenbach ein halbes Wohnhaus mit Mühle, Mühlwerk und Bäckerei für 3850 fl assekuriert. Jn diesem Haus behält sich der Verkäufer für Lebenszeit standesgemässe freie Wohnung vor.

Bernhard Funks Kinder: 1. Hans Jakob im Neugut Mettmenstetten

2. David Müller in Rickenbach

3. Katharina Ehefrau des Gem’rat Frick in Wolsen

4. Karolina gesch. Hegetschweiler in Rickenbach

5. Kaspar in Ottenbach bauert bei Walter Häusermann

6. Rudolf in Ottenbach

Am 2. Februar 1870 übernimmt David (No 2) den hinteren Wohnhausteil Bernhard (Caspar selig in Rickenbach. David bekommt ein halbes Haus und Hofstatt, den hinteren Teil zu 3000 Fr. assekuriert, und eine halbe Scheune 2000 Fr. assekuriert. 2. Einen Keller und Gehalt darob 800 Fr ass.


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3. Einen Viertel Trotthaus und Trotte 300 a

4. Einen Wagenschopf 300 assek.

5. Eine halbe Juch. Hofraum = Garten

6. Drei Viertel Mattland gen. Mühlenreibematte

7. Eine halbe Juch. Mattland in der Kalberweid

8. Ein Viertel Dorfgerechtigkeit zu Ottenb.

9. Drei Vierling Acker und Waldung genannt Hasenacker grenzt östlich an Gemeindeholz Lunnern

10. Ein halb Juch. genannt Semisacker auch Gyger genannt 11. Den nun ausgeschiedenen Teil von 2 Vierlingen Holz und Boden im Rybihölzli

L873 Albert Funk

6. Feb. Ein Wohnhaus und Mühlegebäude mit den damit verbundenen Maschinenwerken und Getriebe nebst den Wasserrechten vom 6. Februar 1873, Bäckerei und Waschhaus.

1898 17. November Von den Erben des David Funk konnten die beiden Jakob Schlumpf zur Metzg (nachher in Nänikon als Holzhändler) und Jean Weber die Mühle für Fr. 75 000 erwerben.

Die Funk: Emil Wirt zum Löwen Ottenbach

Anna cop. Leutert in Ottenb. Ein Sohn im Tessin

Berta cop. Leutert wo jetzt Kündig ist

Adolf' in Weiach

Johannes in Zürich

David in Ottenb. Wo Ruch ist. Frida Berli- Funk eine Tochter von David


Die Kinder Albert Funks selig:

Anna Julia in Rickenbach

Johanna Hermine in Rickenbach

Jakob in Mettmenstetten

Luise cop. Johs. Schlumpf


1900 14. April Die Mühle erworben durch Johannes Schlumpf als Alleineigentümer

1906 16. Februar Christian Spörri von Johs. Schlumpf für Fr 27 000 Anbau wegen Kraft*

*Anbau Werkstattgebäude (Backsteinbau) südlich der Mühle. In der Maschinenbauwerkstätte werden Landwirtschaftliche Geräte und Maschinen, aber auch Wasserräder, z.B. für die Sägerei Merenschwand,(1913) hergestellt.

1933 16. Februar an August Spörri und Gottlieb Spörri durch Erbfolge

1944 2. Dezember Erbauscheidung: Ein Wohnhaus mit Mühlgebäude Gottlieb Spörri

Allgemeines Mühlen: Bis zum Jahre 1886 hatten die Mühlen ununterbrochen Tag- und Nachtbetrieb und es wurde auch Sonntags gearbeitet. 1886 wurden die Mühlen dem Fabrikgesetz unterstellt. Die Sonntagsarbeit wurde auf 3 Stunden zum Putzen der Maschinen beschränkt, dagegen Nachtarbeit gestattet. Am 1. Januar 1896 beschloss der Bundesrat Aufhebung der Bewilligung der Sonntagsarbeit, dagegen Aufrechterhaltung der Nachtarbeit.

Mit den obigen allgemeinen Bemerkungen zu den Mühlen enden die Aufzeichnungen von Johann Fisch


Anmerkungen zu Johann Fisch

Johann Fisch wurde am 19. April 1895 in Zürich geboren. (Bürger von Speicher) Er war der Sohn des Parketiers Johannes Fisch. 1898 zog die Familie nach Speicher wo er die Primarschule besuchte, anschliessend die Kantonsschule in Trogen. Lehrer studierte er im Seminar Unterstrass in Zürich. Nach verschiedenen Stellen im ganzen Kanton Zürich, ( 1952 -1953 in Obfelden) kam er 1953 als Verweser nach Ottenbach. Er war verheiratet und hatte 2 Söhne und 1 Tochter, die schon erwachsen waren und nicht nach Ottenbach zogen. Im gleichen Jahr im Dezember wurde er mit 197 ja zu 5 nein als Lehrer gewählt. Ende 1959 kündigte er altershalber.

Quelle: Protokolle und Akten der Primarschulgemeinde Ottenbach

Johann Fisch war bei den Schülern recht beliebt, hatte aber mit den Eltern teilweise mehr Mühe, da nach deren Meinung zu wenig Schüler in die Sekundarschule kamen.

Sein Haupthobby war das Fotografieren. Leider ist nicht bekannt, wohin er anschliessend gezogen und wo er gestorben ist. So sind seine vielen Ottenbacherfotos für die Ortsgeschichte verloren.

2010 sind doch noch Ottenbacherfotos aufgetaucht. Als Johann Fisch wegzog, hat er die Abwartsfamilie Häberling, welche damals im obersten Stock des Schulhauses Oberdorf wohnte, gefragt, ob sie einige Bilder. resp. Dias von Ottenbach haben möchten. Dank ihrer Zustimmung ist heute ihr Sohn, Hansruedi Häberling, Mettmenstetten, im Besitz von 69 gerahmten Glasdias. Die farbigen Aufnahmen zeigen Bilder von 1953 bis 1957. Schülerfotos, Bau der Reussbrücke, Häuser, Aufnahmen vom Kirchturm aus, Schüler und Lehrer beim Maikäfersammeln usw. Hansruedi Häberling stelle Peter Eichhorn, Ottenbach die Dias zum Kopieren zur Verfügung. Die Aufnahmen sind in P.E. Adobe Photoshop Sammlung.

Lehrer und Schüler 1953 in Ottenbach

(die Oberschule 7. und 8. Klasse wurde damals noch in Ottenbach unterrichtet.

Emma Schönenberger 32

Hans Ulrich Peer 36

Otto Kunz 36

Johann Fisch 30


Die nachfolgenden Fakten und Zahlen konnten dank der freundlichen Auskunft von Frau Trudi Spörri, Rickenbach Ottenbach zusammengestellt werden. (März 2009)


1941 Verkauf des Landwirtschaftsbetriebes, Wohnhaus (ehemaliges Restaurant „Mühle“) Scheune und Land an Familie Muff)

1958 Ende des Mühlebetriebes. Gottlieb Spörri war der letzte Müller. Die Kundschaft und das Wasserrad gehen an die „Obschlagenmühle“ in Jonen

1958 Die Söhne Otto und Wilfried Spörri übernehmen als Kollektivgesellschaft die Liegenschaft (Wohnhaus, Mühle- und Werkstattteil)

Im Maschinenbaubetrieb werden verschiedenste Maschinen und Geräte entwickelt und gebaut:

Schleifmaschinen, Hobelmaschinen, Pillentrocknungsmaschinen, Leimautomaten, Automaten für Tischkanten leimen, Hochfrequenz. Pavac für Kehrichtsäcke, Bänder herum machen, Chromstahl für Küchen verschiedene grössen Tröge, Umbau von Handplaniersupportern aller Fabrikate auf hydraulischen Betrieb.

Schleifmaschinen wurden in verschiedene Länder z.B. Österreich, Deutschland, Schweden, Italien und Jugoslawien verkauft.

1963 Otto Spörri baut östlich der Liegenschaft ein Einfamilienhaus

1966 Otto Spörri heiratet Trudi Baumgartner

1967 19. Februar Geburt der Tochter Monika

1969 Die Mühle und das angebaute Wohnhaus werden abgebrochen

1969/70 Neubau einer Werkstatt (nordwestlich angebaut an die Werkstatt von 1906)

1986 Verkauf der ganzen Werkstattliegenschaft an Werner Blätter

1999 Tod von Wilfried Spörri *13.3.1922 † 20.6.1999

2000 Tod von Otto Spörri *12.2.1920 † 28.2.2000

Weitere historische Informationen über den Einsatz der Wasserkraft in Ottenbach bei > Weberei Haas - Bodmer - Hürlimann

Wasserkraft

Die Energie für die Mühle und die mechanische Werkstätte lieferte der von Obfelden herkommende Lindenbach. Auf Ottenbacher Gebiet wird er sinnigerweise „Mülibach“ genannt. In den offiziellen topografischen Karten hat diese Bezeichnung aber keinen Eingang gefunden.

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Rickenbach ottenbach Standort Muehle 3.jpg


In der so genannten „Wildkarte“ (1843) und dem Topographischen Atlas der Schweiz (Siegfriedatlas) Blatt Nr. 176 (1884, mit Nachträgen bis 1940) sind 2 Zuläufe eingezeichnet. Auf der älteren Wildkarte ist in der Hälfte des kürzeren Zulaufes noch eine „Reibe“ eingezeichnet. Auch auf den neuen Karten der Schweizerischen Landestopografie ist der kürzere Zulauf samt Weiher fälschlicherweise immer noch eingezeichnet. Der Weiher ist seit 50 Jahren eingedeckt! Auf meine Zuschrift hin, (2008) hat sich der zuständige Mitarbeiter sehr zerknirscht gezeigt. Bei Nachführungen werden praktisch keine Begehungen gemacht und nur mit Luftaufnahmen gearbeitet. Das Gebiet des ehemaligen Müliweihers ist schon längere Zeit bewaldet und der nicht vorhandene Weiher wurde als bestehend angenommen. Die Zuläufe verliefen ungefähr der 400 m Höhenkurfe entlang und sind zum Teil heute noch sichtbar. Sie mündeten in den länglichen, künstlich angelegten Müliweiher nördlich oberhalb des Mühlegebäudes.

Über die oben erwähnte Reibe sowie die Wasserrechte, ist zurzeit nichts bekannt. Bei Trudi Spörri, Witwe des letzten Besitzers Otto Spörri, sind keine Akten vorhanden.




Das obere Bild zeigt die Mühle Rickenbach/Ottenbach kurz vor dem Abbruch 1969

Mitte: 2013 Die Firma Hausheer Kranservice an gleicher Stelle

Unten: 19.6.2015 Die Firma Hausheer Kranservice an gleicher Stelle


Mehr über das Funktionieren einer Mühle steht im Wikipedia-Artikel

Aumüli im Reppischtal, Gemeinde Stallikon

https://de.wikipedia.org/wiki/Aum%C3%BCli

Da ist auch der Verarbeitungsprozess von Getreide detailliert beschrieben.


Worterklärungen

cop.

Abk.f copulare, lat.: kirchlich Trauen

Gulden, fl

der (plur. Gulden); Erste Goldmünze, die in Europa weite Verbreitung fand. Die Abkürzung fl geht auf Florenz zurück, wo die ersten Gulden 1252 geprägt wurden. Man nannte sie deshalb auch Florino oder Florint. In Deutschland waren Gulden ab dem 14. Jahrhundert im Süden und im Rheinland verbreitet. Im 16. Jahrhundert folgte der Silbergulden, welcher bis ins 19. Jahrhundert Münzeinheit blieb. In Deutschland wurden die Gulden 1876 außer Kurs gesetzt. Ein Gulden entsprach 60 Kreuzern.

Gerechtigkeit, Dorfgerechtigkeit

Anteil am Gemeindebesitz. An jedes Haus war zumindest eine Dorfgerechtigkeit gebunden, wobei die einzelnen auf höchstens zwei, ab 1779 auf bis zu vier Haushaltungen aufgeteilt werden konnten. Quelle: Ottenbacherbuch

Habertheren= Haferdörren

„In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts befasste man sich in der Rütimühle neben der Müllerei auch mit dem Dörren von Hafer. Die gerösteten, nur grob gemahlenen Haferkörner ergaben die Hafergrütze, mit welcher das beliebte Hafermus bereitet wurde, das damals ein verbreitetes Volksnahrungsmittel war. Der Feuersgefahr wegen wurde diese Dörrarbeit in einem besonderen Gebäude, dem so genannten Beckenhus, besorgt. Dieses stand südlich des Mühlengebäudes auf der an den Weiher grenzenden Wiese direkt am Ufer. Im Winter 1860/61 brannte es vollständig nieder. Im Beckenhus wohnte damals eine Familie Hungerbühler. Ihres Gewerbes wegen wurde sie kurzweg s'Haberteerers (Mundartausdruck für Haferdörren) genannt.“

Quelle: Aus der Geschichte der Rütimühle in Amriswil/TG. Von 1315 bis 1962


Hofstatt, die (Schweiz.) auch: -stätten, Bauernhaus mit Hof, Hauswiese, Baumgarten.

Quelle: Duden.

Martini

11. November, der übliche Zins- und Zehntentag

Stock und Dünkel (Deuchel)

Brunnenstock und Zuleitung. D(T)euchel = Wasserleitung aus ausgehöhltem Holzstamm

Wüstung

Wüstung, aufgelassene Siedlung, Wirtschaftsfläche oder Industrieanlage. Es wird unterschieden zwischen totaler und partieller Wüstung. In Europa waren besonders im Spätmittelalter Wüstungsvorgänge häufig. Ursachen können beispielsweise in einem durch Krieg oder Krankheit bewirkten starken Bevölkerungsrückgang oder in wirtschaftlichen Erwägungen liegen.


Mit Wasserkraft angetriebene Anlagen:

Unvollständige Auswahl

Getreidemühle

bestehend aus einem waagrecht liegenden Bodenstein und dem gleich grossen, darauf liegenden, rotierenden Mühlestein

In den alten Urkunden bezeichnet als Malhaufen, Malhufen, Malgang

Quelle: Schweizerisches Idiotikon, Spalte 1048: „Ein Müli und Müligraben, so da hat 3 Malhaufen, zwo Röllen, ein Rybi, ein Stampfi“ (1669)

Reibe, Rybi

Mühlegang mit flach liegenden Bodenstein und senkrecht stehendem, im Kreise rollenden Stein zum bearbeiten von Hanf und Flachs

Relle, Relli

Mühlestein zum entspelzen von Getreide, z.B. Dinkel

Stampfe, Stampfi

Hammerwerk für verschiedene Zwecke. z.B. Gersten-, Knochen-, Rindenstampfe. Hammerschmiede zum Bearbeiten von Eisen

Mechanische Werkstätten

Antrieb für Maschinen der Metall- und Holzbearbeitung, z.B. Schleifstein, Drehbank, Ventilator für die Esse, Ständerbohrmaschine, Bandsäge, Hobelmaschine

Sägereien

z.T. im gleichen Gebäude wie die Mühle, mit dem gleichen Wasserrad angetrieben

Oelmühlen

Bodenstein und senkrecht, im Kreis rollender Stein, sog. Kollergang

Papiermühlen

Verschiedene Mahl- und Kollerwerke

Masse:

Flächenmass, 1 Juchart = 4 Vierlinge = 16 Quärtli. 1 Juchart Rebland bzw. 1 Mannwerk Wiesland entsprach meist 29,1 a, 1 Juchart Ackerland 32,3 a, 1 Juchart Wald oder Ried 36,3 a. Konkordat vom 30. August 1843: 1 Juchart 40 000 neue Quadtratfuss = 36 a

Quelle: Ottenbacherbuch

1850 wurde die Frankenwährung eingeführt, dabei wurde folgendermassen umgerechnet: Umrechnungshinweise:

1 Gulden = 2.10 Franken

1 Batzen = 0.14 Franken

1 Kreutzer = 0.035 Franken

1 Heller = 0.00437 Franken


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Zu "Mühlen in Ottenbach" siehe auch in Wikipedia > "Ottenbach ZH" und bei Wikipeter bei > Weberei Haas - Bodmer - Hürlimann

Ergänzungen und Korrekturen an peter.eichhorn@gmx.ch


Die ehemalige Weberei Haas an der Muristrasse in Ottenbach ist heute ein Warenhaus mit dem Namen "Haas Shopping". Das ehemalige Wasserkraftwerk der Fabrik ist steht unter Kulturgüter- und Denkmalschutz und ist ein aktives Museum.

http://historisches.kleinkraftwerk.ottenbach.ch

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