Leutert- Kohler Kurt *1923 - 2011

Aus Ottenbach
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Dichter und Bauer, CH-Ottenbach ZH

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Mit einem älteren Bruder ist er auf dem elterlichen Bauernhof in Ottenbach ZH aufgewachsen. Das Geschlecht der Leutert geht in Ottenbach bis auf das Jahr 1620 zurück und alle Vorfahren sind Bauern gewesen. So entschloss sich auch Kurt ein solcher zu werden. Nach der Konfirmation absolvierte er sein Welschlandjahr auf einem Bauernhof in der Nähe von Bière VD. Manchmal fühlte er sich etwas einsam und so hat er begonnen, hie und da ein Gedicht zu schreiben, nur so für sich. Später besuchte er während zwei Wintern die Landw. Winterschule Strickhof in Zürich. Da wurden Freundschaften geschlossen, die bis heute dauern. Sonst aber arbeitete er voll auf dem elterlichen Betrieb, den er einige Zeit nach der Hochzeit (1957) mit Hedi Kohler übernahm. Diese schenkte ihm drei gesunde Kinder.

In seiner kargen Freizeit schrieb er immer wieder Gedichte, wovon einige auch vertont wurden. Das Bezirksblatt "Anzeiger" veröffentlichte auf der Titelseite in jeder Ausgabe ein Gedicht und Kurt war erfreut, als der Redaktor auch von ihm hie und da einen Artikel annahm.

Mit Jodelliedern hatte er bisher wenig zu tun. Als dann aber der Schweiz. Braunviehzuchtverband 1972 in Zug sein 75-jähriges Jubiläum feierte, ermunterte ihn ein ehemaliger Strickhof-Kollege, ein "Braunviehlied" zu schreiben. Dann hiess es noch, einen Komponisten zu finden. Nach einigem Hin und Hier wurde Jean Clémençon gefunden. Seit damals haben Kurt und Jean viel zusammen gearbeitet und Jean Clémençon hat eine grosse Anzahl von Gedichten von Kurt Leutert vertont, teilweise als Männerchor-, teilweise als Jodellieder. Die beiden wurden gute Freunde, bis dann Jean 1995 durch den Tod abberufen wurde. Nun ist Kurt älter und schreibt nicht mehr viel. Aber gerne denkt er zurück an all die Lieder, die noch weiter existieren.

(Am 20.01.2008 im Google unter "Kurt Leutert" gefunden)

Folgende Gedichtbändchen sind erschienen:

  • Heimatklänge (1955)
  • Abendläuten (1961)
  • Wunder am Wege (1986)


Aus seinem Gedichtband "Wunder am Wege":


Frühlingsahnen

Es riecht von feuchter, warmer Erde

und Weidenkätzchen stehn im Hag.

Nun glaub' ich, dass es Frühling werde

und schöner noch mit jedem Tag.


Der Lenz will seine Fahnen schwenken.

Erwache auch, mein altes Herz!

Was magst du ihm zur Ankunft schenken,

zu blüh'n, zu wachsen sonnenwärts?


Ich hab' nicht Grosses hinzugeben,

ein kleines Lied und kurzen Reim,

ein Lichtstrahl aus dem Erdenleben,

vom Glück des Landmanns, von daheim.


Und wenn dies Blümlein, dieses neue,

sich fortbegibt auf leichten Flug,

dass eine Seele sich dran freue,

dann ist des Blühens schon genug!


(ohne Titel)

Spät, wenn unsre Tage schwinden

sind wir oft der Jugend nah.

Vieles lässt sich wieder finden

was der Alltag übersah.


Sang die alte, liebe Linde

nicht damals dem jungen Blut

ihre Weisen in die Winde,

wie sie es noch heute tut?


Hab ich nicht in frühen Jahren

stumm die junge Saat bestaunt,

nicht das leise Wort erfahren,

das der Acker mir geraunt?


Kämpfend lebt ich, ohne Klage,

doch die Jugendzeit entschwand,

bis im Glanz der alten Tage

ich ihr Leuchten wieder fand.


Kurt Leutert-Kohler, Ottenbach ZH

Sein Lebenslauf aus dem Jahre 1999

Erschienen in der Dorfzeitung „Ottebächler“ Nr. 90, Januar 1999 Herausgeber: Gewerbeverein Ottenbach


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Es ist etwas schwierig einen Bericht zu verfassen, in dem man selber die Hauptrolle spielt.Aber auf Wunsch des Redaktors hin sei es nun getan.

A[s Spross einer alteingesessenen Familie bin ich hier in Ottenbach mit einem Bruder zusammen auf dem elterlichen Bauernhof aufgewachsen. Der älteste, registrierte Vorfahre war Johannes Lüthard, der 1620 von Toussen nach Ottenbach zog. Soweit in Erfahrung gebracht werden konnte, waren alle Vorväter in der Landwirtschaft tätig. Mein Urgrossvater baute Haus und Scheune „ im Grund“, wo auch mein Grossvater und mein Vater mit ihren Familien wohnten und lebten. Wenn man auf einem solchen Bauernhof aufwächst, begegnet man auf Schritt und Tritt den Spuren seiner Ahnen. Da sind Gebäude, die vom Urgrossvater stammen, Bäume, die der Grossvater gepflanzt hat, Land, das der Vater zukaufte und vieles mehr. Auch ich war bereit, mich in die Tradition einzuordnen und das Werk der Ahnen weiterzuführen.

Meine Jugendzeit fiel in die Krisenjahre und da und dort wurden auch Bauernhöfe zwangsversteigert. Da hiess es sparen und sich nach der Decke strecken. Das sind Eigenschaften, die auch im späteren Leben von Nutzen waren. Nach dieser Krise brach bald der zweite Weltkrieg aus. Die Bauern waren gefordert mit Anbauschlacht und Waldrodungen. Auch waren die Lebensmittel rationiert. Dann kam die Rekrutenschule und ein Teil des Aktivdienstes musste noch als Soldat ausgestanden werden. Als dann am 8. Mai 1945 die Friedensglocken läuteten, schöpften wir alle neue Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Später übernahm ich mit meiner Frau den Hof von meinem Vater, den wir über Jahrzehnte bewirtschafteten und wo auch unsere drei Kinder heranwuchsen. Es war eine schöne, wenn auch strenge Zeit. Viele Abend- und Nachtstunden mussten noch für Behördentätigkeit abgezweigt werden, wie das in dem Dorf so üblich war.

Heute bin ich 75 Jahre alt und der Hof wird nun von meinem Sohn und seiner Familie bewirtschaftet. lch helfe auch noch mit, denn es gibt auf einem Bauernhof viele kleine Arbeiten, die auch Grossväter verrichten können. Daneben habe ich natürlich auch meine Freizeit, bin am Schreibtisch, hinter Büchern oder Zeitungen anzutreffen oder von Zeit zu Zeit mit Kollegen auch am Stammtisch, wo von Dorfproblemen bis zur hohen Politik so ziemlich alles verhandelt wird. lch finde, man darf sich auch im Alter nicht zu sehr zurückziehen, sonst ist man schnell einsam und wird vergessen.

Mit diesen Worten ist der eine Teil meines Lebens geschildert und man wird sich nun fragen: Wie kommt ein Bauer dazu, Gedichte zu schreiben? Schon in der Schule haben mir Gedichte gefallen. Später dann, wenn man bedenkt, dass es Frühling ist, dass man jung ist und dass man verliebt ist, da schlägt auch dem angehenden Jüngling das Herz höher. Und so habe ich denn mein erstes Gedicht gebastelt. Nachher wurden es weitere, die vorerst einmal in Schubladen landeten. Als ich 23 Jahre alt war, wurde mein erstes Gedicht gedruckt. ln einer Fasnachtszeitung! Das ist nicht erhebend, doch es hat mir Auftrieb gegeben und ich probierte es beim «Anzeiger» in Affoltern. Diese Zeitung brachte in jeder Nummer auf der Titelseite von verschiedenen Autoren ein Gedicht. So wurden denn auch meine Gedichte gedruckt, über 250 an der Zahl, bis dann 1974 die Zeitungen allgemein umgestellt wurden und keine Gedichte mehr erschienen.

Dann entstanden auch einige Bühnenstücke, die teils auch auf Bezirksebene aufgeführt wurden. Weiter erschienen einige Erzählungen in Zeitungen. Chronischer Zeitmangel (Familie, Bauernhof, verschiedene Ämter) zwang mich dann, mich auf das Schreiben von Gedichten zu beschränken, da sie in sich abgeschlossen sind und keine langen Schreibereien brauchen. Ein Höhepunkt war dann die Vertonung eines der Gedichte zu einem Turnerlied, zu dem unser Dorfmetzger Heinrich Hofstetter die Melodie schrieb. Seither haben sich noch weitere Komponisten mit meinen Gedichten befasst und so recht viele davon in Musik umgesetzt. Ein paar dieser Werke haben Jahre und sogar Jahrzehnte überdauert. Die andern sind in den Schubladen verschwunden, was nun einmal das Schicksal vieler Arbeiten von Komponisten und Textdichtern ist.

Woher kommen nun all die Ideen für ein ganzes Gedichtbändchen? Als Bauer war ich und bin ich jeden Tag in der freien Natur. Auch ist man vielfach allein bei der Arbeit und kann so ungestört Eindrücke und Ideen sammeln, die ich tagsüber im Kopf und abends auf dem Papier zusammenstellte. Schlussendlich sind alle drei Gedichtbüchlein aus einer Auswahl aus verschiedenen Gedichten entstanden. Bringt die Dichtkunst auch Geld ein und ist es ein lohnender Nebenverdienst für einen Bauern? Nein, ich habe nie die Absicht gehabt-, mit Gedichten viel Geld zu verdienen und dieser Umstand ist auch nie eingetroffen.

Hat der Dichter das Gefühl, er könne mit seinen Gedichten die Welt verbessern? Nein. lch leide zum Glück nicht an Grössenwahn. Aber wenn ich ein paar Menschen eine Freude machen kann und es mir gelingt, ihnen die Augen zu öffnen für die vielen kleinen Wunder am Wege, dann bin ich schon sehr glücklich. Zum Schluss sei noch eines meiner Gedichte zitiert, das eigentlich mein ganzes Leben in ein paar kurzen Sätzen wiedergibt.

Kurt Leutert, im Januar 1999


Bauernlied


Ein eigen Flecklein Erde,

ein Herz das zu mir hält;

lst alles was ich brauche

auf dieser weiten Welt.


Ein Fünklein treue Liebe,

ein Kornfeld, schwer urrd weit;

Ein Blütenbaum im Lenze,

sind meine Seligkeit


Was Liebes je und Leides

mich trifft, erschreckt mich kaum.

Mein Leben, es ist beides,

ist Wachen und ist Traum.


Kurt Leutert hat den Text zum Ottebacherlied und zum Ämtlerlied gedichtet

> Zum Nachruf > Leutert-Kohler Kurt *15.Dezember 1923 - 24.Dezember 2011

< Jean Clémençon http://www.ejdkv.ch/komponisten/


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