Gampert Otto 1842 - 1924

Aus Ottenbach
Wechseln zu:Navigation, Suche

Otto Gampert, Arzt, Maler und Radierer

Das Neujahrsblatt der Gemeinnützigen Gesellschaft des Bezirkes Affoltern, Ausgabe 2015, widmete sich unter dem Titel „Auswandern aus dem Knonauer Amt“ (1) der Emigration von Ämtlern. 16 Auswanderer-Schicksale werden beschrieben, darunter dasjenige von Otto Gampert.

Der Verfasser des Artikels über Otto Gampert, Martin Gut, Bonstetten, Mitglieder der Redaktionskommission, erlaubte freundlicherweise den Abdruck seines Artikels im Wikipeter (25.5.2016 per E-Mail)

Ziel dieser Wikipeter- Seite ist es, über die Ottenbacher- Zeit von Otto Gampert und seinem Vater Friedrich weitere Informationen zu finden.



Auswandern aus dem Knonauer Amt

Neubeginn im Münchner Künstleratelier

Autor: Martin Gut, Bonstetten

Scan-400.jpg

Otto Gampert wurde am 27. Oktober 1842 als zweiter Sohn des Bezirksarztes Friedrich Gampert geboren. Er verbrachte seine Kindheit in Ottenbach, besuchte die Lateinschule in Muri und später das Gymnasium und die Universität in Zürich, wo er 1867 das Medizinstudium abschloss. Zwei Studienreisen führten ihn nach Wien und Paris, bevor er 1869 Pauline Wegmann, die Tochter einer Seidenfärberfamilie aus dem Zürcher Seefeld heiratete. Die Übernahme der väterlichen Praxis in Ottenbach bot der jungen Familie eine gesicherte Existenz. Seine Ärztliche Tätigkeit verschaffte ihm bei der Bevölkerung hohes Ansehen, was sicher dazu beitrug, dass er bald auch das Amt des Gemeindepräsidenten ausübte.

In der Freizeit war er leidenschaftlicher Jäger und Reiter. Seine Naturverbundenheit hielt er in Bildern und Zeichnungen fest. Mehrmals besuchte er den Kunstmaler Rudolf Koller in seinem Atelier beim Zürichhorn. Otto Gampert experimentierte auch mit neuen fotografischen Techniken und machte in den Alpen Landschaftsaufnahmen, die 1883 an der ersten Schweizerischen Landesausstellung in Zürich zu sehen waren.

1877 traf die Familie ein schwerer Schicksalsschlag. Kurz nacheinander starben zwei Kinder im Alter von vier und fünf Jahren an Scharlach. Gampert erlitt eine psychische Erkrankung und war als Arzt nicht mehr arbeitsfähig.Zur Erholung fuhr er nach München. Bereits auf der Hochzeitsreise waren Pauline und Otto Gampert beeindruckt gewesen von der Lebhaftigkeit der bayrischen Metropole. Aus einer anfänglichen Träumerei wurden konkrete Auswanderungspläne. 1883 übersiedelte er mit seiner Frau, drei schulpflichtigen Kindern und seinem Jagdhund definitiv nach München. Zum damaligen Zeitpunkt, meinte er später, wäre eine Rückkehr zur Medizin möglich gewesen. Trotzdem entschied er sich, den Lebensunterhalt für seine Familie fortan als Kunstmaler zu verdienen.

Mit dem aus Solothurn stammenden Otto Frölicher fand er einen Lehrmeister und Freund zugleich, der ihm das malerische Handwerk beibrachte und mithalf, dass er schnell Zugang zu den gesellschaftlichen und künstlerischen Kreisen der Stadt fand. Gampert konzentrierte sich weiterhin auf die Landschaftsmalerei. Auf der Suche nach Motiven reiste er durch verschiedene Regionen im süddeutschen Raum und entwickelte ein Gespür für die Komposition von eindrücklichen Naturstimmungen. Sogar sein Lehrer Otto Frölicher soll gelegentlich beim "Bilderdoktor“, wie er seinen Schüler liebevoll nannte, Rezepte für die Fertigstellung eigener Gemälde geholt haben. Seine Bilder fanden sowohl beim breiten Publikum wie bei Kunstkritikern Anerkennung. Er konnte sich an internationalen Ausstellungen beteiligen, namhafte Sammlungen wie die Bayrische Staatsgalerie, aber auch Kunsthäuser in Aarau, Chur oder Glarus kauften Werke von ihm.

„Mit schwerem Herzen und nach reiflichem Überlegen“, wie Carl Theodor Meyer später in der NZZ schrieb, „entschloss sich Gampert, verhältnissehalber im Jahre 1919 München zu verlassen und in die alte Heimat zurück zu kehren.» Mit der Begründung, man könne nicht bis zum letzten Atemzug gleichwertig Gutes leisten, beendete er schon bald sein künstlerisches Schaffen und lebte zurückgezogen in der Stadt Zürich. Am 8. März 1924 starb er nach kurzer Krankheit. Ein Lebensrückblick, den er als Achtzigjähriger verfasste, endet mit dem Satz: "Ja, das Leben in München war doch schön. Wo hätten meine Frau und ich den gleichen Lebensgenuss gefunden?"


Quellen: 1 Neujahrblatt der Gemeinnützigen Gesellschaft des Bezirkes Affoltern, Ausgabe 2015. Bezugsorte: info@ggaaffoltern und Buchhandlung Scheidegger, Affoltern a.A. 2 Foto von Otto Gampert: Staatsarchiv Zürich


Neujahrsblatt der Zürcher Kunstgesellschaft 1925

Otto Gampert

Maler und Radierer

1842 - 1924

von

Carl Theodor Meyer-Basel

Verlag der Zürcher Kunstgesellschaft Kunsthaus Zürich

Sobald wir wissen, dass jemand zwei ganz verschiedenartige Berufe ausgeübt hat, sind wir versucht, ihn in dem einen als Dilettanten anzusehen. Bei Dr. Otto Gampert, dem Arzt, und Maler, würde diese Vermutung nicht zutreffen, denn er brachte es in den beiden Gebieten zur vollgültigen Meisterschaft. Wenn wir den künstlerischen Werdegang Gamperts verfolgen wollen, so müssen wir die vorerst unter einer anderen Berufstätigkeit verborgenen Quellen seines Kunstempfindens aufzudecken suchen, denn der unbesiegbare Drang Künstler zu werden, gelangte erst nach vieljähriger Ausübung des ärztlichen Berufes, in München, im Verkehr mit Malern zur Geltung, die bisherigen geordneten Lebens- und Berufsverhältnisse durchbrechend. Über seine Jugend und Studienzeit sowie seine Tätigkeit als Arzt erfahren wir aus knappen eigenen Aufzeichnungen und Mitteilungen der Familie, besonders des mit ihm eng befreundeten Vetters Prof. Dr. Otto Haab, ferner der Jugendfreunde, das folgende:


Die Jugendjahre in Ottenbach, das Studium der Medizin an der Universität Zürich

Otto Gampert wurde am 27. Oktober 1842 als zweiter Sohn des Dr. med. Friedrich Gampert, Bezirksarztes in Ottenbach, Kanton Zürich, geboren und verbrachte dort in ländlicher Gegend und in lebhaftem Verkehr mit der Dorfjugend seine Kinderjahre. Er besuchte die Lateinschule im nahe gelegenen Muri (Kanton Aargau) und später das Gymnasium in Zürich; dort gewann er sich durch sein aufrichtiges Wesen bereits Freunde, die ihm fürs Leben treu blieben. Mit Dr. A. Steiner-Schweizer, Prof. Gerold Meyer von Knonau, Ernst Pestalozzi, Otto Pestalozzi-Junghans und andern bildete Gampert eine Gemeinschaft der «Kameraden“, wie solche schon seit dem achtzehnten Jahrhundert in den alten Zürcher Geschlechtern zum Zwecke gegenseitiger Anregung und Freundschaft gepflegt wurden. Durch jährlich Zusammenkünfte bei einem der Kameraden wurde die Zusammengehörigkeit festgehalten. Familientradition und persönliche Neigung führten Gampert zum Studium der Medizin an die Universität Zürich, nach erfolgreich abgeschlossenen Examen unternahm er im Jahre 1867 längere Studienreisen nach Paris und Wien. Auf dem Heimweg besuchte er einen Onkel in Verdun, der als früherer Kaufmann dort privatisierte, und in dessen Gesellschaft er eine heitere Ferienzeit verlebte, die ihm stets in guter Erinnerung blieb.

1868 Übernahme der Praxis seines Vaters

Seine Tätigkeit als Assistenzarzt begann er bei seinem Vater in Ottenbach. Seine Gewissenhaftigkeit und seine Erfolge erwarben dem jungen Arzt rasch das Zutrauen seiner Patienten, so dass er im Jahr 1868 die Praxis seines Vaters übernehmen konnte.

1869 verheiratete er sich mit Pauline Wegmann, einer Tochter des Seidenfärbers J. Wegmann-Girsberger in Riesbach, Zürich, die sich ihm jederzeit, ganz besonders auch bei dem schweren Entschluss zum Berufswechsel, als treue Gefährtin erwies. Die Hochzeitsreise unternahm der junge Arzt nach München. Die dort empfangenen Kunstgenüsse machten solch tiefen Eindruck auf ihn, dass sie wohl auch die entscheidende Anregung zur späteren Übersiedlung boten.

Dem Einfluss der feinsinnigen, vielseitig gebildeten Großmutter Hegetswyler, die als Mittelpunkt der Familie wirkte, verdankte er zum großen Teil sein reges musikalisches Interesse, dem ein ausgesprochenes Talent zum Klavierspiel entgegenkam. Durch diese Musikbegabung bereitete er seinen Studiengenossen manche genussreiche und anregende Stunde. Später fehlte ihm die Zeit zu regelmäßigen Übungen, deshalb entsagte er bald nach der Übersiedlung nach München ganz dem Genuss des Klavierspiels, zum Bedauern seiner Familie; als gründliche Natur, die er war, wollte er lieber gar nicht als unvorbereitet Musik treiben. In der kurzbemessenen Freizeit, die dem Landarzt vergönnt war durchstreifte er als eifriger Jäger die Umgebung von Ottenbach, was gewiss nicht wenig zur Schärfung seines Blickes für landschaftliche Schönheiten beigetragen hat. Überhaupt war er körperlich leistungsfähig, und bei der Grenzbesetzung 1870, an der er als Militärarzt in Basel teilnahm, zeichnete er sich als gewandter Reiter aus.

Gemeindepräsident in Ottenbach

Ferner nahm er regen Anteil an den technischen Errungenschaften seiner Zeit, und er war einer der ersten Amateure, die größere Photographien mit Trockenplatten auf Kohlenpapier herstellten. Er brachte es in diesen Fertigkeiten zu solcher Vollkommenheit, dass er die Schweizerische Landesausstellung 1893 in Zürich mit technisch wie künstlerisch gleich vorzüglichen Stereoskopiebildern aus den Schweizerbergen beschicken konnte. Auch in dem damals beliebten und neuen Rauchbilder-Verfahren versuchte er sich mit Erfolg; eine alte Mühle mit Bäumen am Wasser zeigt schon einen entwickelten Sinn für graphische Wirkung, das auf glattem Papier in den rauchgeschwärzten Grund hell eingekratzte Bild sieht bereits einer tonigen Radierung ähnlich. Selbst seine Amtsstellung als Gemeindepräsident gab ihm Gelegenheit, sich künstlerisch zu betätigen, als der Gemeinderat einmal über die Erneuerung oder Umgestaltung des Käsbissen- Turmes der Kirche zu Rat saß, gab Gampert mit einer flüchtig hingeworfenen Skizze die Anregung zu der Form, in der wir den Turm heute noch sehen. Das alles waren Gelegenheiten und Versuche, in denen sich seine künstlerische Begabung Bahn brechen wollte, und es war nur natürlich, dass sie ihn, endlich auf den rechten Weg führte. Gampert begann Landschaften zu kopieren und fast gleichzeitig nach der Natur zu malen. Seine erste Ölstudie stammt aus dem Jahr 1870, sie gibt ein Motiv vom Zugersee, Wasser, Luft und Berge in duftig weicher Stimmung. Selbst auf seinen zahlreichen teils recht schwierigen Gebirgswanderungen vergaß er nicht, sein Malzeug mitzunehmen, und es gelang ihm einmal, vom Gornergrat aus vor Sonnenaufgang trotz großer Kälte einen Blick auf den Monte Rosa in einer charakteristischen Ölskizze festzuhalten. Zu Hause kopierte er Bilder des Münchner Malers Stademann und Scheurer, deren Originale er sich von dem Zürcher Kunst- und Farbenhändler Appenzeller auslieh, vor allem aber kopierte er Studien von Koller, den er öfter in seinem Atelier am Zürichhorn besuchte, und bei dem er Ermutigung und künstlerische Förderung aller Art fand. Ein Hirtenbub, Kühe am Wasser und eine Weidenstudie mit rötlichem Abendhimmel sind mit Fleiß und Verständnis dem Meister nachempfundene Arbeiten. So lebte Gampert unermüdlich im ärztlichen Beruf und von ihm befriedigt im Kreise seiner Familie, die sich allmählich um fünf Kinder, vier Söhne und eine Tochter, bereichert hatte, und die Kunst wäre voraussichtlich immer nur die edle Ausfüllung seiner Mußestunden geblieben, wenn nicht eine besondere Erschütterung den ruhigen Gang dieses Daseins unterbrochen hätte.

Im Jahr 1877 verlor Gampert zwei seiner Kinder, die im jugendlichen Alter von vier und fünf Jahren fast gleichzeitig an Scharlach starben. Dieses Unglück nötigte den durch seine weitverzweigte Tätigkeit ohnehin überanstrengten Landarzt zu einem längeren Ausspannen im ärztlichen Beruf, das zunächst als nur vorübergehend gedacht war schließlich zur gänzlichen Aufgabe der Medizin führen sollte. Er fuhr im Jahre 1882 mit seiner Frau nach München, um für seine Übersiedlung dorthin mit dem ganzen Haushalt eine Wohnung zu suchen.

Über seine Jahre in München schrieb Otto Gampert später:

„ Ich muss gestehen, dass mich häufig die Frage beschäftigte, ob der Berufswechsel gerechtfertigt und nicht zu bereuen war. Nachdem ich mich in München von meiner nervösen Erkrankung, die der hauptsächliche Grund meiner Übersiedlung war, erholt hatte, wäre eine Rückkehr zur Medizin möglich gewesen; aber die Liebe zur Kunst siegte. Und so kam es, dass ich eine ökonomisch gesicherte Stellung mit der ganz unsicheren vertauschte; doch bereue ich heute nicht, den Schritt getan zu haben, denn ich genoss den Umgang mit gebildeten und Iieben Familien, den Verkehr mit tüchtigen, lebensfrohen Künstlern, dessen ich mich heute noch freue. Und welche schöne Erinnerungen schweben mir vor wenn ich an unseren freundschaftlicher Umgang und die mit ihnen zusammen ausgeführten Studienausflüge und gemeinschaftlich gefeierten festlichen Anlässe zurückdenke. Ja, das Leben in München war doch schön. Wo hatten meine Frau und ich den gleichen Lebensgenuss gefunden?

Übersiedlung nach München

Im Jahre 1883 übersiedelte er mit Frau und drei schulpflichtigen Söhnen nach München, und die Familie Iebte sich rasch in die so ganz anders gearteten Verhältnisse ein. In seinem ersten Brief aus München berichtet Gampert seinem Schwager von allmählichem Eingewöhnen, ersten Bekanntschaften, Konzertbesuchen und eifrigem Klavierspiel, meldet, dass er an einem Stillleben male und sich darauf freue, bald unter Anleitung eines Künstlers vor der Natur arbeiten. Auf seinen Spaziergängen begleitete ihn sein treuer Jagdhund, den er von Zürich mitgebracht hatte. Er hatte unter dem Berufswechsel zu leiden, da sein Herr auch dem Jagdvergnügen, der Kunst zulieb, entsagte.

Ausbildung beim Solothurner Otto Frölicher

Als erste Bereicherung des Münchner Haushalts ließ er sich gute Kopien nach Murillo, van Dyck und Veronese malen. Seine Ausbildung zum Maler vertraute er, wohl auf Kollers Rat, dem in Künstlerkreisen als Mensch und Künstler gleich hochgeachteten Solothurner Maler Otto Frölicher an und so hatte die seelische Erschütterung den lange bereiten künstlerischen Kräften zum Durchbruch verholfen, aus dem tüchtigen Arzt wurde in seinem einundvierzigsten Lebensjahre der nicht minder tüchtige Maler.

Das Schülerverhältnis zwischen den fast gleichaltrigen und gleichgearteten Gampert und Frölicher verwandelte sich bald in eine dauernde Freundschaft. Frölicher sprach öfter davon, sich beim «Bilderdoktor» Rezepte für seine angefangenen Bilder holen zu wollen; als stets willkommener sonntäglicher Gast im Freundeshaus ließ er aber gerne den Doktortitel weg, in richtiger Erwägung, daß er damit dem Maler-Kollegen die höhere Anerkennung zolle, denn der in einem anderen Beruf erworbene Titel ließ leicht den Dilettanten in der Kunst vermuten, was Frölicher eben vermeiden wollte. Auf Anregung und in Gesellschaft Frölichers suchte Gampert mit seiner Familie in den Sommermonaten die verschiedenen, von Malern damals vielbesuchten Studienplätze auf, so im Jahre 1884 Übersee am Chiemsee, dann Brannenburg, Oberaudorf und im Sommer 1889 Überlingen am Bodensee.

Bei längerem Aufenthalt in Bruck bei München trat er mit dem bekannten Landschaftsmaler und Freund Frölichers, dem Darmstädter Ph. Röth in näheren Verkehr, den er auch in München pflegte, auch Dr. Adolf Bayersdorfer, den Konservator der Alten Pinakothek, lernte er hier kennen. Den Herbst verbrachte er oft im nahen Dachau: wo er mit der damals jüngeren Malergeneration Keller-Reutlingen, Langhammer, Flad und Weißhaupt in Fühlung kam, überall lernend und beobachtend. Mit Frölicher und Stäbli gemeinsam im Jahre 1886, sowie später allein, hielt er sich einige Wochen in Weßling und Umgebung auf, wo ihm die waldige Hügellandschaft mit ihren altehrwürdigen Eichenalleen und den verschiedenen Seen wertvolle Anregung zu Studien und Bildern gab. In späteren Jahren fand Gampert auf der Insel Reichenau, bei Hard am Rheineinfluß in den Bodensee und vor allem in Ebersberg bei Grafing, Bayern, wirkungsvolle Motive für größere Bilder; die meisten Arbeiten aus dieser Gegend, die dem Talent des Malers besonders entsprach, fanden denn auch die verdiente Anerkennung und kamen in Privatbesitz. In die Stadt zurückgekehrt, studierte er dann oft mit Frölicher vor den Werken der alten Meister, besonders bei Hobbema und Ruysdael, deren Technik und Auffassung sowie die kompositionelle Raumverteilung, und so war es denn in der Hauptsache neben der Anregung von Kollers Kunst und dem gemeinsamen Naturstudium mit Frölicher die frühere Tradition, welche die Grundzüge von Gamperts Kunst befestigte. An den internationalen Kunstaustellungen im Münchner Glaspalast ging er mit großer Vorliebe der holländischen Abteilung nach, welche Perlen feintöniger Malerei, mit geschlossener Bildwirkung, enthielt. Stets herrschte in den Räumen der Holländer der gleiche vornehme, reservierte Ton, den keine revolutionären Bewegungen störten.

Einführung in die Münchner Künstlerkreise

Durch Empfehlung Kollers und durch die enge Freundschaft FröIichers mir Stäbli fand Gampert bald auch den Weg in dessen Atelier und zu näherem Verkehr mit ihm im Kreis jener Gesellschaft, die sich gewöhnlich samstags besonders zahlreich in der von einer Schweizerin geführten Veltliner Weinhalle in der Luitpoldstraße, im Bahnhofviertel, zu versammeln pflegte. Den schweizerischen Stamm dieser Gesellschaft bildeten die Junggesellen Frölicher uns Stäbli, ferner Emil Keyser, der feinsinnige Kindermaler aus Stans, Kupferstecher Burger, Maler Jakob Gehrig, Martin Feuerstein, als Lehrer für religiöse Malerei später an die Münchner Akademie berufen, der vielseitige H. Berlepsch, der St. Galler Dr. Emden, als Professor am Polytechnikum in München tätig, oft in schwierige Schachkämpfe mit dem hervorragenden Schachspieler Dr. Bayersdorfer vertieft, Walter Sigfried, der bekannte Basler Schriftsteller, der sich in Partenkirchen im bayrischen Hochland angesiedelt hatte, und Maler Fritz VölImy aus Basel. Natürlich fanden sich die deutschen Kollegen besonders zahlreich ein, allen voran, als gern gesehener täglicher Gast, der sangesfreudige Ludwig Dill, Marine- und späterer Stimmungsmaler, Professor in Karlsruhe, der gerne zur Gitarre griff und die Melodie antönend mit einem «Hau zu, Stab» Freund Stäbli zum allseitig erwünschten Vortrag seiner so köstlich im Bänkelsängerton vorgetragenen und gemimten Moritaten zu animieren wusste. Es kam der temperament- und talentvolle Tiermaler Weißhaupt (auch nach Karlsruhe berufen); dessen bekanntes Bild «Der rasende Stier» begrüßte mich neulich als zahm gewordene dekorative Kopie an der Wand eines Metzgerladens im Thurgau, als Gegenstück von Millets «Angelus“ im Louvre, als alter Bekannter. Dann der hochbegabte Karlsruher W. Volz, der Radierer Peter Halm, Herterich, Dürr und A. Langhammer. Auch E. Kirchner, der «Fliegende-Blätter»-Zeichner da; Dr. Lehmann, als «Bassdoktor» bei allen durch sein offenes Wesen und seinen Humor beliebt, gab mit eigener Guitarrebegleitung in unverfälschtem Dialekt pfälzische und schwäbische Lieder zum Besten. Die beiden Berliner Professoren Thumann und Gussov, ersterer als Illustrator und Schöpfer von Lutherbildern, letzterer als Porträtmaler der früheren höchsten Berliner Gesellschaftskreise, in die sich später Karl Stauffer-Bern als sein Rivale durch sein Porträt des Bildhauers Klein rasch einführte bekannte, suchten sich möglichst dem gemütlichen süddeutschen Ton einzufügen und fühlten sich ersichtlich wohl dabei. Eine besondere Färbung erhielt dieser aus Künstlern und Kunstfreunden oft bunt zusammengewürfelte Kreis stets durch die Anwesenheit des mit Böcklin befreundeten Dr. Bayersdorfer, der mit scharfgeschliffenen Bemerkungen und Ansichten die Unterhaltung auf geistige Höhe zu bringen wusste.

In dieser durch mancherlei Gäste erweiterten, in drangvoller Enge sitzenden Gesellschaft herrschte besonders an den in den Sonntagmorgen hinein verlängerten Samstagabenden eine ungezwungene, von dichtem Zigarrenqualm erfüllte, freundschaftliche Atmosphäre, in welcher sich auch Gampert stets behaglich und gut gelaunt bewegte.

Adolf Stäbli, Schweizer Maler, bekannt für seine Stimmungslandschaften

Ein eigentliches Schülerverhältnis konnte sich bei der abgeschlossenen ganz persönlichen Kunst Stäblis und bei seinem über seine eigene Malerei wenig mitteilsamen Wesen nicht entwickeln. Gamperts Veranlagung zog ihn weniger zu den äußerst sorgfältig durchgeführten Naturstudien Stäblis aus früherer Zeit als zu dessen späteren Werken, in denen die Technik der breit und sicher angelegten Pinselstriche und eine verhältnismäßige Düsterheit der Farbe, der Wucht und Strenge seiner Naturauffassung den besten Ausdruck gab. Diesen Stil des späteren Stäbli hat Gampert mit vollem Verständnis in sich aufgenommen, er entsprach seiner eigenen Natur, und seine Bilder und fast noch mehr seine Radierungen bringen ähnliche Stimmungen mit vortrefflicher Lebendigkeit zum Ausdruck, in heroischen Baumgruppen, wolkenreichen Lüften, Sturm und Regen.

Gampert bewies Stäbli seine Wertschätzung auch dadurch, dass er zwei seiner Bilder erwarb; das eine davon radierte er später in dem von ihm öfter angewandten Verfahren mit dem Borstpinsel in den erwärmten Grund, wobei er die düstere Gewitterstimmung so trefflich wiedergab, dass ihm auch Stäbli dafür dankbare Anerkennung zollte. Bei Stäbli fand Gampert, so oft er dessen bedurfte, aufrichtiges, unverblümtes Urteil, verbunden mit reger Anteilnahme, so dass der Anfänger aus dem Verkehr mit dem Meister reichen Gewinn zog. Es ist daher nur natürlich, dass Gamperts Bilder oft unwillkürlich eine große Verwandtschaft mit den Arbeiten Stäblis aufweisen. Bei dieser gegenseitigen Sympathie entschloss sich Gampert später nur schwer, gelegentlich ungefragt, seinen ärztlichen Rat zu erteilen, wie dies gemeinsame Freunde bei der oft angegriffenen Gesundheit Stäblis wünschten; er fürchtete durch solche Einmischungen das Vertrauen Stäblis zu verlieren. Durch die freundschaftlichen Beziehungen Frölichers zu Hans Thoma, wurde Gampert veranlaßt, diesem, bei vorübergehendem Aufenthalt in München, zur Ausführung von Aufträgen sein zeitweise unbenütztes Atelier zu überlassen. Thoma verdankte Gamperts Entgegenkommen mit einem kleinen Ölbilde, das eine blumenpflückende Frau in gelbgrüner Wiese darstellt, am bewaldeten Felsabhang ist eine phantastische Burg aufgebaut. Von späteren Besuchern wurde diese in ungewohntem grüngelbem Ton gehaltene Arbeit immer zuerst sehr kritisch betrachtet, dann aber, bei Nennung des berühmten Urhebers, als Meisterwerk gebührend bewundert.

Erste Erfolge

Durch unermüdliche Arbeit gelangte Gampert bald zu dem erstrebten Ziel, sich mit Gemälden an größeren Ausstellungen beteiligen zu können. In früheren Jahren beschickte er auch regelmäßig die schweizerischen Kunstaustellungen, seine Überzeugung aber, dass die deutschschweizerischen, besonders die von München kommenden Werke den welschschweizerischen gegenüber oft bei Beurteilung und Anerkennung mit anderem Maß gemessen wurden, hielt ihn für die Zukunft grundsätzlich von einer Beteiligung ab. Die Bestrebungen der jüngeren Schweizermaler verfolgte er trotzdem bis ins hohe Alter mit Interesse, wobei er überall das Gute und Ernstgewollte daran zu finden wusste. Durch seine Zugehörigkeit zur Münchner Künstlergenossenschaft und anderen Berufsvereinigungen, so auch als früheres Mitglied der Gesellschaft Schweizer Maler, Bildhauer und Architekten stand er stets in regem Verkehr mit den verschiedenartigsten Kollegen und fühlte sich in ihrer zwanglosen Gesellschaft wohl, obschon meist einer der Ältesten. Durch Frölicher und den Landschaftsmaler F. König, der im gleichen Haus wohnte wie Gampert und ihm bei der Übersiedlung viel Entgegenkommen bewiesen hatte, wurde er in die Gesellige Vereinigung der Münchner Künstlergenossenschaft eingeführt, die wöchentlich musikalische Abende veranstaltete, an denen sich die ältere Generation am sogenannten Aposteltisch im Lokal der Künstlergenossenschaft mit den tatkräftigeren jüngeren Elementen zu heiterem Tun und belebten Aufführungen zu vereinigen pflegte. Gampert lebte sich auch dort ein und fand einen ihm zusagenden Verkehr mit dem ihm weitläufig verwandten Schlachtenmaler Heinrich Lang, den Landschaftsmalern Langko, Willroider und den Tiermaler L. Volz, Hartmann, Gebler und anderen Kollegen.

Die Münchner Secession

Die Gründung der Secession im Oktober 1893, diesem aufrührerischen Ereignis, das manche alte Freundschaft in Scherben schlug, weil gar oft die Ansichten über Kunst und AusstellungsverhäItnisse sich schroff gegenüberstanden, blieb Gampert naturgemäß in der konservativen Künstlergenossenschaft, obwohl er schon während seiner Studienzeit in Dachau freundschaftlichen Verkehr mit dem dortigen Malerkreis, den späteren Secessionsmitgliedern, gepflegt hatte. Zur heftigsten Kampfzeit, als sich die Gemüter für Secession oder Genossenschaft, für oder gegen internationale jährliche Ausstellungen erhitzten, verkehrte Gampert stets ruhig weiter in der Veltliner Weinhalle, dem Stammlokal der Secessionisten, und freute sich des frisch pulsierenden Lebens, das diese neue Bewegung in das Münchner Kunstleben gebracht hatte, ohne sich aber wie andere ältere Maler dadurch aus seinem bisherigen Geleise bringen zu Iassen oder verärgert zu sein, und so erfreute er sich denn auch im sogenannten feindlichen Lager allgemeiner Achtung und Beliebtheit.

(Die Münchener Secession war eine Vereinigung bildender Künstler, die 1892 als Abspaltung von der Münchner Künstlergenossenschaft entstand, um sich gegen die Bevormundung durch den staatlichen Kunstbetrieb und dessen konservative Ausstellungspolitik. Quelle: Wikipedia)

Auch einer Kegelgesellschaft gehörte er lange Jahre an, die unter anderen R. Steffan, dem wir das liebevolle Zürcher Neujahrsblatt von 1909 über seinen Vater verdanken, den Kunstfreund Dr. von Ritter, Victor Tobler, den tüchtigen, nach außen etwas knurrigen Appenzeller Landsmann, den Akademieprofessor A. Wagner, Kronberger, dessen humorvolle Genrebilder weite Verbreitung fanden, zu ihren Mitgliedern zählte. Stellte sich so Gampert künstlerisch und menschlich als selbständige Persönlichkeit in den Kreis der Münchner Künstler, so blieb er doch auch im Ausland stets ein guter Schweizer, der die heimatlichen Verhältnisse nie aus dem Auge verlor. Seiner Überzeugung gab er jederzeit klaren Ausdruck. So fand er auch in dem trefflichen, knappen Lebensbild Otto Frölichers, das er für das Zürcher Neujahrsblatt 1892 zeichnete, mannhafte Worte für die im Ausland lebenden Schweizer Künstler, die, von der Interesselosigkeit der Heimat ihren Arbeiten gegenüber gezwungen, auswärts ihr Auskommen suchen müssen und dadurch unfreiwillig der alten Heimat entfremdet werden.

1919 Rücksiedlung in die Schweiz

Bei seiner Rückübersiedlung im Jahre 1919 in die alte Heimat nahm Gampert als Mensch und Künstler die Achtung des kleiner gewordenen Freundeskreises aus München mit. Die veränderten Lebensverhältnisse sowie Familienrücksichten begründeten nach reiflichem Überlegen den für ihn ganz besonders schweren Entschluss, wenn schon er durch die Fürsorge seines in Zürich eingelebten Sohnes und das Entgegenkommen der weiteren Familie sowie der treu gebliebenen «Kameraden» nach Möglichkeit erleichtert wurde. Freilich konnte es sich für ihn, den fast Achtzigjährigen, nicht mehr um ein Eingewöhnen in andere Verhältnisse handeln, sondern nur noch um das „Austragstübel», das ihm die alte Heimat zu bieten imstande war, erhellt von sonnigen Rückblicken in die schöne, vergangene Münchner Zeit. Neuen geselligen Verkehr suchte er nicht mehr, künstlerische Anregung fand er noch in den Kunsthaus-Ausstellungen sowie durch Besuche der von München her mit ihm befreundeten Kollegen V. L. Lehmann und Adolf Thomann, deren künstlerisches Schaffen und Eingewöhnen in die schweizerischen Verhältnisse er mit regem Interesse Verfolgte. Über solche Besuche war er stets besonders erfreut und gedachte in lebhaftem, heiterem Gespräch gerne früherer Zeiten. Am Anfang seiner Übersiedlung nach Zürich malte er noch eifrig, versuchte auch zu radieren, um die künstlerische Vereinsamung und die veränderten Verhältnisse überhaupt, die schwer auf ihm lasteten, Ieichter überwinden und vergessen zu können. Bald aber kam er zur Überzeugung, dass er in seinem hohen Alter doch nichts mehr leisten könne, was vor seinem eigenen, strengen Urteil standhielte, und so fand er den Mut, seine Tätigkeit als Maler und Radierer abzuschließen und sich, soweit dies seine Augen erlaubten, nur noch mit Literatur zu befassen.

Geistig völlig klar fand er nach kurzem Krankenlager im Alter von 81 Jahren am 8. März 1924 die wohlverdiente Ruhe.

Ohne besondere äußere Ereignisse war es ein reich ausgefülltes Künstlerleben, das Gampert im Ausland zur Ehre der Schweiz und der schweizerischen Kunst geführt hat. Da er für seine Kunst in der alten Heimat bei Lebzeiten in den maßgebenden Kreisen das ihm anderweitig entgegengebrachte Interesse nur in geringem Maße gefunden hat, so empfindet man es doppelt dankbar, dass die Zürcher Kunstgesellschaft ihrem Landsmann Otto Gampert einen verdienten Platz in ihren Neujahrsstücken einzuräumen nicht vergaß und ihm so auch in der Vaterstadt ein ehrendes Andenken bewahren hilft.

Otto Gamperts Arbeitsweise von der Skizze bis zum Ölbild

Gamperts Werdegang zum Künstler haben wir oben zu skizzieren versucht. Wenn wir dabei sagten, dass seine Werke eine ganz naturgemäße Verwandtschaft mit denen seiner Vorbilder Frölicher und Stäbli haben, so bedeutet das keinen Einwand gegen Gamperts selbständiges Künstlertum; denn wir dürfen annehmen, dass er diese Künstler eben deshalb verehrte und ihnen nacheiferte, weil ihre Tätigkeit seiner eigenen Natur, seiner eigenen Neigung entsprach, so dass seine Verwandtschaft nicht die Abhängigkeit des Schülers vom Lehrer ist, sondern die freie Ähnlichkeit gleichstrebender Freunde. Vor allem lag ihm daran, den Haupteindruck von der Natur möglichst wirkungsvoll und nachdrücklich wiederzugeben. Er selbst bezeichnete seine Arbeitsweise oft als eine «kursorische», da es ihm weniger um genaues Detailstudium als um die allgemeine Erscheinung zu tun sei. Er studierte mit Vorliebe rasch wechselnde Stimmungen, aufsteigende Gewitter und Wolkenzüge im Zusammenhang mit der übrigen Landschaft. Seine in diesem Sinne beobachteten Ölstudien und temperamentvollen Stimmungsskizzen wirken durch ihre Unmittelbarkeit wahr und überzeugend, sie geben das Beste in seinem künstlerischen Lebenswerk. Wenn ihn ein besonders dankbares Motiv anregte, die Wolken sich ballten, in der Natur „etwas los“ war, dann konnte man ihm die innerliche Anregung anmerken, er baute dann schleunigst den «Hampelmann“ auf, eine von ihm so genannte und von ihm mit dem primitivsten Material erfundene leichte Staffelei, im Gegensatz zu dem als anspruchsvoller geschilderten Stäbli, der nach einer allerdings recht phantasiereichen Behauptung eines Biographen für seine Überschwemmungsstudien eine eiserne Staffelei benützt haben soll. Wie hätte sich Stäbli über diese historische Legende gefreut! Gampert, der es auch wissen musste, bezeichnete sie kurzerhand als « Geschwefel». Galt doch im Veltliner Freundeskreis Maler Langhammers Schnauzel „Hipp“, der mit einem undefinierbar gelblich-grau gelockten und geringelten, bewegtem Gewässer ähnlichen Fell begabte, als Stäblis “Überschwemmungshund“, an dem der Meister ohne eiserne Staffelei die tiefgründigsten Studien gemacht haben soll. In raschem Tempo, mit möglichst wenigen Pinseln, aber mit dickem Farbenauftrag entstanden im kleinen Klappbrett Gamperts Ölskizzen, in kräftigen Tönen das Wesentliche erfassend. Oft haben wir uns in den malerischen Moorgegenden in Münchens Umgebung mit dem weiten Horizont, den vereinzelten, vom Wind zerzausten Birken und Föhrengruppen an Bachläufen und Weihern, nach rasch vorbeiziehenden malerischen Stimmungen im letzten Augenblick unter das gichtbrüchige Dach einer verlassenen und altersschwachen Moorhütte geflüchtet, um bei den nachfolgenden Hagelschauern und Regengüssen nicht die ganze Ladung auf den Buckel zu bekommen. Mit dem schönen blauen Himmel, dem «Kindswägeliwetter» nach Freund Stäblis treffender Bezeichnung, konnte auch Gampert künstlerisch wenig anfangen, da hatte ihm die Natur nichts zu sagen; vielleicht war es noch ein Nachklang aus der Medizinerzeit, dass ihm der Normalfall uninteressant vorkam. Das Verlangen nach neuen und bewegten Motiven und wohl noch mehr seine Liebe zur Natur überhaupt führten Gampert oft zu längerem Aufenthalt ins Gebirge, und auch hier ging er künstlerisch seine eigenen Wege und hielt seine Eindrücke mit Stift und Pinsel fest. Sein künstlerischer Ernst bewahrte ihn davor, ins bloß Vedutenhafte, Gegenständliche zu verfallen, was angesichts der Großartigkeit der Motive im Hochgebirge eine besonders naheliegende Versuchung ist, der ja auch der Geschmack des bilderkaufenden Publikums nur zu sehr entgegenkommt. Nie verlor er sich ins Detail, nie vertiefte er sich derart in Einzelheiten, wie etwa J. G. Steffan, dessen Bilder in der Schweiz den größten Beifall gefunden hatten, sondern immer war es die wuchtige Gesamtwirkung, die ihn beschäftigte. In späteren Jahren suchte er das Gebirge nur noch zur Erholung auf, ohne die Motive und Anregungen, die sich in den Skizzenbüchern unwillkürlich ansammelten, zu Bildern zu verwerten. Es fehlte Gampert keineswegs an Beachtung für seine Arbeiten; sowohl seine Gebirgsbilder als vor allem seine Motive aus den bayrischen Voralpen und dem Hügelland wurden bemerkt und fanden Anerkennung. Die bayrische Staatsgalerie in München sowie die Museen von Aarau, Chur, Locarno und Glarus und die städtische Sammlung in Nürnberg haben Bilder von ihm angekauft.

Der Radierkünstler

Auf ähnlicher Grundlage wie Gamperts Malerei fußte seine Graphik. Wem die reine Strichradierung wie wir sie bei Rembrandt oder aus neuerer Zeit etwa bei Peter Halm bewundern,wem die feingestrichelten, bis ins kleinste Detail ausgeführten Blätter Leibls als Ideale gelten, dem werden Gamperts nur auf malerische Wirkung zielende Blätter weniger zusagen haben. Selbst Albert Welti aber, sonst gerade kein Freund technisch ungewöhnlicher graphischer Verfahren, bei denen er fand, das Hauptverdienst an der interessanten Wirkung, wie bei den meisten Aquatintablättern, sei eher dem technischen Kniff als der Kunst des Radierers zuzuschreiben, machte Gamperts Blättern gegenüber eine Ausnahme, weil er anerkannte, dass dessen malerische Auffassung darin überzeugend zum Ausdruck komme.

Gampert brachte von seinen vielen Streifzügen in die nähere und weitere malerische Umgebung Münchens oder aus den sonst weniger besuchten und ziemlich umständlich zu erreichenden Donau-, Lech-, Main- und Vilsniederungen, der fränkischen Schweiz und dem Altmühltal als malerische Ausbeute unzählige kleine, mit Motiven gefüllte Skizzenbücher ins Winterquartier heim. Diese Zeichnungen dienten ihm dann als Anregung und Studienmaterial, an das er sich aber weiter durchaus nicht sklavisch gebunden hielt. Um sich über das Motiv und die zu wähIende Plattengröße klar zu werden, machte er sich, besonders in späteren Jahren, mit wenigen lockeren Kohlenstrichen Entwürfe für seine Radierungen.

So einfach und anspruchslos diese kleinen, flüchtigen Entwürfe scheinen, die nur den malerischen Grundgedanken umschreiben wollten, so vollendet und malerisch empfunden sind sie, und sie geben den bildartigen Eindruck, der für die Radierung beabsichtigt ist, bereits in voller Klarheit; denn, im Gegensatz zur Mehrzahl der jüngeren Graphiker, die mit nur wenigen charakteristischen, ins Metall geschnittenen scharfen Strichen, mit Kaltnadel-Arbeit ohne Ätzung flüchtige Eindrücke festhalten wollen, stellte Gampert die tonige malerische Wirkung in erste Linie, worunter die zeichnerische Durcharbeitung des Einzelnen gelegentlich etwas zu leiden hatte.

Versuche mit verschiedenen Techniken

Zuerst unternahm auch Gampert Versuche in der reinen Strichradierung, bei der man mit einer kräftigen Nadel die Zeichnung in den säurefesten Asphaltüberzug einer polierten Kupfer -, Zink- oder Messingplatte kratzt, wodurch das Metall in feineren und breiteren Strichen bloßgelegt wird und beim Ätzen der stärkeren oder schwächeren Wirkung des Ätzwassers ausgesetzt ist. Gampert interessierte sich für meine in dieser Technik durchgeführten Blätter, und so war es natürlich, dass er sich dies Verfahren von mir zeigen ließ; doch der dünne Strich der Nadel sagte seinem malerischen Empfinden wenig zu, wie auch der etwas breitere und doppelte Strich der leichter zu handhabenden Stahlfeder ihm noch nicht genügte. Um malerischer vorgehen zu können, bearbeitete er die Kupferplatte auf warmem, also empfindlichem Asphaltgrund mit einem Borstpinsel, ein Verfahren, das schon der talentvolle, frühverstorbene Amerikaner S. L. Wenban, der sich trotz seinem großen Können in München kümmerlich durchringen musste, mit Erfolg für weiche Stimmungen angewandt hatte.

Entwicklung zum Vernis-Mou-Künstler

Aber erst die Vernismou-Technik entsprach Gamperts Absicht völlig. Bei diesem Verfahren wird die Platte mit einem sehr empfindlichen, fettigen Ätzgrund dünn versehen, an Stelle des harten Asphaltgrundes, und darüber wird ein dünnes Papier gelegt, auf das man mit Bleistift zeichnet. Da, wo nun der Bleistift das Papier auf die Platte gedrückt hat, haftet der fettige Grund am Papier und nicht mehr am Kupfer und wird mit dem Papier zugleich schließlich von der Platte abgelöst. Es ist klar, dass man auf diese Weise nicht den dünnen, scharfen Strich der Nadel erhält, vielmehr einen breiten Strich, wie beim Bleistift selber, der, stark vergrößert, aus lauter Punkten besteht, die dem Korn des verwendeten Papiers entsprechen . Ätzt man dann die so behandelte Platte, so entstehen tonig weiche Wirkungen, und Gampert vervollkommnete diese Methode durch unermüdliche technische Versuche derart, dass er schließlich ebenso eindrucksvolle malerische Wirkungen, wie er sie in seinen Bildern suchte, in fast noch vollkommenerer Weise auch im kleinsten Raum eines graphischen Blattes mit einfacher Schwarzweißwirkung herausbrachte.

Seine Blätter fanden bald an den Ausstellungen berechtigte Anerkennung. In München und St. Louis wurden sie mit Medaillen ausgezeichnet und von den graphischen Sammlungen zu München und Dresden, ebenso wie von Privaten, meist im Ausland, geschätzt und erworben. Der Dresdner Kunstgelehrte Dr. W. Singer führte Gamperts Radierungen 1908 durch einen Artikel im «Studio» mit guten Reproduktionen in London ein.

H. Herkomers malerisch verschwommene graphische Erfindungen sowie die bildartig ausgeführten, in England vielfach beliebten Mezzotintoblätter bahnten wohl Gamperts temperamentvollerer Graphik den Weg in die kunstfreundlichen Kreise jenseits des Kanals. Dem Münchner Radierverein gehörte Gampert als langjähriges Mitglied an; dessen monatliche Versammlungen, die stets mit kleinen, interessanten Ausstellungen verbunden waren, besuchte er regelmäßig; in den jährlichen Publikationen des Radiervereins ist er von 1884 bis 1905 mit wirkungsvollen Arbeiten vertreten.

Die «Walze», die Vereinigung schweizerischer Graphiker, welche das Interesse für Graphik in der Schweiz zu fördern bestrebt war, half er im Jahre 1903 mit A. Welti, Max Bucherer, E. Kreidolf, Martha Cantz, Maria La Roche, A. Thomann, H. B. Wieland und dem Verfasser gründen. Den zwanglosen Sitzungen im Café unter dem milden Regiment Albert We1tis brachte er durch regelmäßige Besuche stets große Anhänglichkeit entgegen. Auch in der im Jahre 1912 von der Vereinigung herausgegebenen «Walzenmappe» ist er mit einer Radierung charakteristisch vertreten. An den Münchner Kunstausstellungen im Glaspalast wurde Gampert wegen seines überlegten Urteils öfter als Juror für Graphik gewählt.

Werkverzeichnis von Otto Gamperts Radierungen

Die für Gamperts Radierungen begeisterte Gattin des Münchners Kunstfreundes und Sammlers, Frau Dr. von Ritter, hat ein mit guten Photogravüren versehenes Verzeichnis seiner Radierungen vom Jahre 1890 bis 1911, systematisch geordnet, herausgegeben; es erschien1912 bei Bruckmann A.-G., München. Diese verdienstliche Arbeit führt das stufenweise Einleben Gamperts in die Graphik und in die durch ihn vervollkommnete Technik des malerischen Weichgrundverfahrens klar vor Augen.

Ein zusammenfassendes Urteil über Gamperts Graphik wird dahin lauten, dass neben einigen Blättern, die wegen zu geringer Berücksichtigung der Zeichnung, dieses Rückgrats aller Graphik, vielleicht nicht ganz befriedigen können, viele vorzügliche Radierungen entstanden sind, welche in Form und Stimmungsgehalt einen tiefen Eindruck hinterlassen, denn es sind reife Früchte einer aus innerer Notwendigkeit gepflegten Kunst. Aus Gamperts graphischen Blattern spricht, ebenso wie aus seinen Gemälden, eine starke Persönlichkeit, die etwas zu sagen hat und das in einer nur ihr eigentümlichen Weise und mit den knappsten Mitteln sagt, ohne unnütze Worte zu verlieren.

Als einigermaßen bezeichnende Proben von Gamperts Kunst sind diesem Neujahrsblatt Reproduktionen nach Studien zu Ölbildern sowie nach Radierungen, Kohle- und Bleistiftzeichnungen beigefügt. Sie mögen seine persönliche und temperamentvolle Ausdrucksweise und Naturbeobachtung in den verschiedenen, ihm geläufigen Techniken zur Anschauung bringen.

Der Autor des Artikels im Neujahrsblatt von 1925 ist Carl Theodor Meyer, genannt Meyer-Basel, ein Schweizer Maler und Grafiker. Er war Mitbegründer der Schweizer Grafikvereinigung „Die Walze“ und des Vereins für Original-Radierung in München und Mitglied im Deutschen Künstlerbund. Geboren: 15. Mai 1860. Gestorben: 28. August 1932

Zwischentitel: Peter Eichhorn


Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart

von Ulrich Thieme

Ausgabe 1920 Seite 146

Gampert Otto (Dr. md.). Maler u. Radierer geb. 27.10.1842 in Ottenbach (Kanton Zürich), lebte in München.

Gampert otto radierungen.jpg

Als Sohn eines aus Regensburg in die Schweiz verheirateten Arztes ursprünglich gleichfalls Mediziner und nach der Absolvierung seiner Zürcher Universitätsstudien seit 1866 in Ottenbach durch ärztliche Praxis in Anspruch genommen, betrieb G. erst seit 1883 in München unter Leitung der schweiz. Landschafter O. Frölicher und A. Stäbli die Ausbildung seiner bis dahin nur dilettantisch gepflegten künstlerischen Anlagen und beschickte dann seit 1888 die Münchner Kunstausst. (im Glaspalast noch 1917 vertreten), ferner seit 1897 auch die zu Zürich, Berlin, Düsseldorf etc. mit Oel- u. Aquarell-Landschaften von ähnlicher Auffassungsgrösse u. Stimmungstiefe, wie sie die Werke seiner obgen. Münchner Lehrmeister und Freunde zeigen.

Seine Vorwürfe entnahm er der bayr. u. schwäb. Hochebene, der Bodenseegegend u. den Schweizer Alpen.

Die Münchner Pinakothek erwarb von ihm 1904 das Oelbild „Der Inn bei Mühldorf“; weitere Gemälde G’s gelangten in die Museen zu Nürnberg (zwei Landschaften in der Städt. Sammlung), Aarau, Chur, Glarus und Lugano.

Als Graphiker liess er seinen 1890-94 in der landläufigen Stricheltechnik ausgeführten 20 landschaftlichen Erstlingsradierungen, alsbald weitere Landschaftsätzungen folgen, für deren formen- und tonreiche Durchführung er bis herab auf die jüngste Zeit das ihrem eigenartigen pathetischen Stimmungsgehalte so wunderbar adäquate, nach wenigen noch etwas grob wirkenden Anfangsversuchen von ihm bis zur Vollendung beherrschte Weichgrund- („vernis mous“) - Verfahren bevorzugte.

In dem von Bruckmann in München veröffentlichten illustr. „Verzeichnis der Radierungen von Dr. O. Gampert“ sind bereits 164 Platten aufgezählt, zu denen bis 1916 noch weitere 20 dazu hinzukamen.

Druckabzüge von G’s radierten Platten findet man in den Kupferstichkabinetten zu München, Dresden, Basel, Zürich etc., in den Jahresmappen 1893 bis 1896 des Münchner Radiervereins, im Berliner „Pan“ von 1895-96 (I 278 f.u.II 206 f.) u. in der Zeitschr. f.u. 1907 p.270 t.

Brun, Schweiz. Kstlerlex. 1905 ff I – Singer, Mod. Graphik, 1914 p. 87-90 (mit Abb.); ders. in „The Studio“ vol. 44, 1908 p. 268-2271 (mit Abb.) – F. v. Ostini in Seemann’s „Meister der Farbe“ 1910 ff. N. 455, 568 (mit farb. Abb.) – Kunstchronik 1885 p. 648 f,; 1886 p. 697; 1887 p.728. – Die Kunst (München) 1900 ff.I 382, IX 506. XXIII 177. – Die Schweiz 1908 p. 415, 418, 439, 474 (mit Abb.) Neujahrsbl. der Zürcher Kunstgesellsch. 1900 p.40 – Das Kunsthaus (Zürich) 1915 ff. 6-8 p 3; cf. Ausst.-Kat. des Zürcher Kunsthauses 1897 ff. (im Sept.-Kat. 1913 p.24 Biogr. G’s – Mitteil. von W.Wartmann


Radierungen, Zeichnungen Ölbilder

In München vertraute sich Otto Gampert der künstlerischen Führung von Otto Frölicher [[1]] an, aber auch an den kraftvolleren Werken Adolf Stäbli's [[2]] fand er gefallen. Frölichers und Stäblis Bilder sind im Stile der "Pajsage intime" gemalt. Otto Gampert entwickelte sich aber Richtung Impressionismus weiter.

Die Paysage intime (französisch für „vertraute Landschaft“) war eine Stilrichtung der Malerei, welche sich mit schlichten, einfachen Landschaftsbildern befasste und Mitte des 19. Jahrhunderts entstand. Sie war der Vorgänger der Stilrichtung Impressionismus. (Wikipedia)

Otto Gampert's Landschaftsbilder sind mit energischem, impressionistischem Stil gemalt.

Seine Radierungen sind mit der von ihm bevorzugten Vernis-mou Technik gemacht. [[3]] Es entstanden eindrückliche, malerische Schwarzweiss- Blätter.

Otto Gampert's Werke werden immer noch an Auktionen und im Internet angeboten. Anbei einige Beispiele seiner künstlerischen Fähigkeiten


Verzeichnis der Radierungen von Dr. Otto Gampert

Verlag von F. Bruckmann A.G. München 1912

Autor unbekannt **

Einleitung

Hr. Otto Gampert ist in der Schweiz, in Ottenbach, Kanton Zürich, am 27. Oktober 7842 geboren. Ursprünglich Arzt, wandte er sich erst mit 41 Jahren dem künstlerischen Berufe zu und ließ sich in München als Maler nieder, wo Otto Frölicher, ebenfalls ein Schweizer, von 1883-86 sein Lehrer wurde und Stäblis Landschaften ihm besonderen Eindruck machten. Eine der schönen Landschaften von Stäbli, die sich in seinem Besitz befindet, hat der Künstler radiert (abgebildet Seite 17) und die ganze Größe, der schwermütige Ernst des Originals kommen in dieser Radierung voll zum Ausdruck. Gamperts erste Radierungen stammen aus dem Jahre 1890 und sind noch einfache Strichradierung. Wenige Jahre darauf machte er einige Versuche in einer Technik mittels Borstenpinsels auf heißem Grunde, in welchem Verfahren auch die oben erwähnte Radierung nach Stäbli ausgeführt ist und ziemlich gleichzeitig damit 1894 erscheinen Arbeiten im Weichgrundverfahren (vernis mou), welches er seitdem mit Vorliebe anwendet, da es seinen künstlerischen Absichten am besten entspricht.

Wie schon Professor Dr. Hans W. Singer in einem interessanten Artikel über den Künstler im ,,The Studio", September 1908, sagt, war Otto Gampert einer der Ersten, der die Technik mit weichem Grunde in Deutschland ausübte und mit welchem Erfolge, zeigen selbst die hier beigegebenen Reproduktionen seiner eigenartigen, malerischen Blätter.

Es wäre natürlich über Gampert als Radierer und auch als Landschaftsmaler noch vieles zu sagen, doch sei hier nur auf die Ausführungen von F.von Ostini in ,,Meister der Farbe" Nr. 4, 1910, verwiesen.

Das vorliegende Buch hat nur die Absicht, den Freunden und Verehrern Gampertscher Kunst das Sammeln seiner Kunstblätter durch Angabe der Zeitfolge und Beschreibung der Blätter zu erleichtern.

Beschreibung: Verzeichnis der Radierungen von Dr. Otto Gampert. Verlag von F. Bruckmann A.G. München 1912. Format 21x28 cm, in Leinen gebunden, 54 Seiten, davon 1 fotografische Portait-Aufnahme von Otto Gampert und 2 Radierungen in der Borstenpinsel- Technik auf heissen Grund und 7 Radierungen in Verni Mous-Technik. Es sind 164 Radierungen beschrieben und umfasst die Arbeiten bis 1911. Text Buchdruck. Fotografie und Radierungen sind in der Photogravure-Drucktechnik hergestellt und auf den Buchseiten aufgeklebt.

Die beschriebene Ausgabe ist in der Privatbibliothek Remo Marchioni, Muri AG, Schweiz.

(In der erwähnten Ausgabe ist der Autor nicht erwähnt, im Neujahrsblatt der Zürcher Kunstgesellschaft wird Frau Dr. von Ritter als Herausgeberin aufgeführt. Siehe den nachfolgenden Text.)

**Die für Gamperts Radierungen begeisterte Gattin des Münchners Kunstfreundes und Sammlers, Frau Dr. von Ritter, hat ein mit guten Photogravüren versehenes Verzeichnis seiner Radierungen vom Jahre 1890 bis 1911, systematisch geordnet, herausgegeben; es erschien 1912 bei Bruckmann A.-G., München. Diese verdienstliche Arbeit führt das stufenweise Einleben Gamperts in die Graphik und in die durch ihn vervollkommnete Technik des malerischen Weichgrundverfahrens klar vor Augen.(Quelle: Neujahrsblatt der Zürcher Kunstgesellschaft Ausgabe 1925.


Der Ulmenhof, vormals „Doktorhaus“ und die Familien Gampert

Das "Doktorhaus" 1910

Der Arzt Dr. Johann Hegetschweiler kaufte 1819 von seinem Bruder ein Stück Land, etwa 54 Aren gross, um ein Haus zu errichten. Er betrieb darin eine Arztpraxis. (Heute der „Ulmenhof“, Affolternstrasse 40, Ottenbach) Das herrschaftliche Haus und die 1822 gebaute Scheune befanden sich damals noch alleinstehend am südlichen Dorfrand von Ottenbach mit Blick auf die Alpen und den Lindenberg.


Friedrich August Gampert-Hegetschweiler

Dokument Nr. 1 Aufzählung der Unterlagen für das Landrechts- und Bürgerechtsgesuch

Wie aus dem beiliegenden Dokument 1, von 1836, aus der Staatskanzlei Zürich ersichtlich ist, war Friedrich August Gampert als „Gehülfe“ bei Dr. Johann Hegetschweiler angestellt, hatte in Zürich Medizin studiert und mit einem Diplom als Doktor der Medizin abgeschlossen. Leider sind darin sein Geburtsdatum und der Abschluss des Studiums nicht vermerkt. Ob er zu diesen Zeitpunkt schon mit der Tochter von Dr. Johann Hegetschweiler verheiratet war, ist daraus nicht ersichtlich.

Dokument Nr. 1 Staatsarchiv Zürich (als Fotografie im Fotoarchiv Peter Eichhorn)

Transkription 19.10.2016 pe


Aktennotiz über die dem Landrechtsgesuch beigefügten Akten

Text:

„Der gegenwärtig bey Hr Dr. Hegetschweiler in Ottenbach als Gehülfe angestellte Hr Friedrich AugustGampert, Med: Dok: von Regensburg im Königr.Baiern, stellt durch Ermittlungen des Statthalteramtes Knonau ds Gesuch um Ertheilung des hiesigen Landrechtes und legt zu diesem Behuf vor:

*1. ein von dem protestantischen Pfarramte der Stadt Regensburg unterm 18 April 1830 ausgestelltes Geburts- und Taufzeugnis

*2. ein zweytes Geburtszeugnis von Pfarrvicar Schmidter zu Regensburg . . 23. März 1835

*3. eine schriftliche Einwilligung der Eltern des Hr Dr. Gampert zu seiner Einbürgerung im Kanton Zürich ? ? 4. April 1836.

*4. eine Kopie des von der Universität Zürich für denselben ausgestellten Diploms als Doctor der Medicin

*5. ein Zeugnis des Gesundheitsrathes des Stan des Zürich über das von dem . . enten beygelegte Examen“

1836 erhielt er das „Landrecht“ (1) des Standes Zürich und damit auch das Ottenbacher Bürgerrecht. Offenbar war er ein guter Mitbürger, wird er im „Zürcherischen Wochenblatt“ doch schon 1841 als Gemeindepräsident erwähnt. Ebenfalls 1841 wird er in die Zürcher Ärztegesellschaft aufgenommen. Die Karriere als Schweizerbürger findet einen weiteren Höhepunkt, als ihn der Bundesrat 18?? zum Divisionsarzt ernannte.

Zu einem nicht bekannten Zeitpunkt wird zum Bezirksarzt ernannt. In dieser Funktion hielt er vor den Ärzten des Bezirkes 1861 eine Vortrag über die Bekämpfung von, „Gesundbetern“, welche mit sog. Gebetsheilungen in der Bevölkerung Schaden anrichteten.


Otto Gampert- Wegmann 1842-1924

Otto Gampert wurde als zweiter Sohn des Dr.med. Friedrich August Gampert und seiner Frau ???? Hegetschweiler geboren. Er besuchte die Lateinschule in Muri AG und später das Gymnasium in Zürich. Anschliessend studierte er Medizin an der Universität Zürich. Immatrikulation 1861, promoviert 3. Oktober 1866. 1868 er konnte die Praxis seine Vaters übernehmen. 1969 heiratete er Pauline Wegmann, die Tochter des Seidenfärbers J. Wegmann- Girsberger in Riesbach. 1870 leistete Otto Gampert während der Grenzbesetzung Dienst als Militärarzt in Basel. In der Gemeinde Ottenbach war er als Gemeindepräsident tätig. Seine Frau Pauline schenkte ihm vier Söhne und ein Mädchen. 1877 verlor die Familie zwei Kinder durch Scharlach. Dieser Schicksalsschlag setzt ihm gesundheitlich so stark zu, dass er nicht mehr als Arzt tätig sein konnte. 1883 siedelte die Familie nach München um und die künstlerische Laufbahn von Otto Wegman begann.

So endete die Geschichte der Familie Gamper im „Doktorhaus“ mit einem traurigen Ende und für die Familie Otto Gampert Wegmann mit einem Neubeginn.


Das "Doktorhaus"

In der Geschichte des „Doktorhauses“ von 1819 bis 1910 sind 8 verschiedene Ärzte verzeichnet. 1918 übernahm der „Verband Deutschschweizer Frauen zur Hebung der Sittlichkeit“ die Liegenschaft. Das „Doktorhaus“ wurde jetzt „Frauenkolonie“ genannt. Im 1922 neu erstellten Arbeitshaus wurden die ausschliesslich weiblichen Insassen in der Wäscherei und Glätterei beschäftigt. Die Kunden stammten hauptsächlich aus der Stadt Zürich, welche wöchentlich bedient wurden.

Die Intiative zur Gründung der "Frauenkolonie" ging vom Verband deutschschweizerischer Frauenvereine aus. Der Verband hatte ab 1916 zu Spenden für ein Heim für Frauen aufgerufen, die dem Leben in der Freiheit nicht gewachsen waren. Kassierin war die Frau des Ottenbachers Tuchhändlers August Hegetschweiler-Zschokke, Hedwig Hegetschweiler-Zschokke.

Um 1950 erfolgte nochmals ein Namenswechsel in „Ulmenhof“, nach der neben dem Haus stehenden, alten Ulme. Die riesige Ulme wurde in den 1980er Jahren vom Ulmensplintkäfer befallen und ist langsam abgestorben. Daneben setzte die Gemeinschaft "Die Alternative" am 4. Nov. 1995 eine neue Ulme. In der Pflanzgrube wurden in einem Behälter verschiedene Dokumente über den Ulmenhof vergraben. 1977 übernimmt der „Trägerverein für Umfassende Suchtherapie, die „Alternative““ den Ulmenhof.


Quellen, Literatur, Weblinks, Einzelnachweise

Universität Zürich,-- Staatsarchiv Zürich,-- Historisches Lexikon der Schweiz,-- Neujahrsblatt der Gemeinnützigen Gesellschaft des Bezirkes Affoltern 2015,-- Zürcher Kunstgesellschaft, Neujahrsblatt 1925,-- Regionalbibliothek Affoltern a.A./Abt. Heimatkunde/Colette Fehlmann,-- Internet,-- Paul Schneebeli, Lokalhistoriker, Ottenbach,-- Wikipeter > www.squix.org/ottenbach-- "Die Frauenkolonie Ottenbach", Zeitschrift "Frauenbewegungen",Jahr 1919, Heft 11, Seiten 87/88, ETH-Bibliothek

Otto Gampert promovierte 1866 mit der folgenden Dissertation: Untersuchungen über die Niere der Cyprinoiden und der Amphibien : Inaug. Diss. Autor / Hrsg.: Gampert, Otto ; Verlagsort: Zürich | Erscheinungsjahr: 1866 | Verlag: Zürcher. Quelle:Bayerische Staatsbibliothek digital

https://www.swissbib.ch/ >>>Otto Gampert

http://www.staatsarchiv.zh.ch/ >>>Archivportal >>>Otto Gampert

https://www.zb.uzh.ch >>>Rechercheportal >>>Otto Gampert

(1) "Landrecht/Bürgerrecht" zur Zeit von Friedrich Gampert

Mit „Landrecht“ ist kurz gesagt die kantonale Verfassungen und Gesetzgebung gemeint. Das „Bürgerrecht“ erteilten die Kantone. Der Bundesvertrag von 1815 sah kein Schweizer Bürgerrecht mehr vor. Einzelne Kantone verpflichteten sich in Konkordaten, den Bürgern der mit-unterzeichnenden Orte die Niederlassungsfreiheit zu gewähren.

In der umfangreichen Sammlung Florence Gottet (>>>Google) befinden sich Zeichnungen, Radierungen und Landschaftsbilder in Oel von Otto Gampert

Beim Recherchieren über Otto Gampert helfen freundlicherweise Colette Fehlmann und Remo Marchioni mit

Die Seite "Otto Gampert" ist im Aufbau. Informationen über den Künstler bitte an peter.eichhorn@gmx.ch


zurück zur Hauptseite


8111640