Der Weissstorch - Teil 2

Aus Ottenbach
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Storchen-Fotoserie am Schluss dieses Artikels

Bruterfolge/Misserfolge ab 1993 am Schluss dieses Arikels

Wo überwintern die Schweizer Störche? Aktuelle Informationen (2020/2021) ganz am Schluss der Storchseite


Ottebächler Mai 2000, Nr. 098

Im letzten Ottebächler berichteten wir über die Lebensweise des Storches hier im Sommerquartier, wie auch über sein Zugverhalten – leider mit einer kaum lesbaren Karte der Zugrouten!

Diesmal möchten wir einige Informationen über die Bestandesentwicklung des Storches in der Schweiz und deren Hintergründe veröffentlichen. Diese Informationen stammen vor allem aus den Bulletins der Schweizerischen Gesellschaft für den Weissstorch in Altreu, die uns Frau M. Enggist zur Verfügung stellte. Frau Enggist beobachtet übrigens auch unsere Ottenbacher Störche und erfasste die statistischen Zahlen, die in der anschliessenden Aufstellung ersichtlich sind.

Ausgestorben – Wiederansiedlung

In der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts sank der Storchenbestand in der Schweiz von etwa 140 Paare auf Null – seither ist er wieder auf um 200 Paare (2018) gestiegen. Für diesen Anstieg ist allerdings nicht die Natur direkt verantwortlich, sondern vor allem der Mensch und dabei in erster Linie Max Bloesch, welcher mit dem Beginn des Wiederansiedlungsversuches 1948 den stolzen Vogel zurückbrachte. In Altreu und 24 weiteren Stationen wurden Störche aufgezogen und nach der Bildung von Brutpaaren sorgten sie ihrerseits für Nachwuchs, der inzwischen wieder die ursprünglichen Zugwege einschlägt. Nachdem sich europäisch gesehen ebenfalls eine Trendumkehr eingestellt hat und die Bestände auf natürliche Weise wieder steigen, darf mit einer Festigung des schweizerischen Bestandes gerechnet werden.

Klimatische Gründe, Verlust von Lebensraum, Verluste auf dem Zug

Die Ursachen sind vielfältig, welche zum Verschwinden des Weissstorches beigetragen haben. Der Verlust an Lebensräumen im Brutgebiet wie auf den Zugrouten, der erst im 20. Jahrhundert einsetzte, kann nicht der einzige Grund sein. Der Rückzug aus den alpennahen Bereichen lässt auf zusätzliche, klimatische Gründe in der Brutheimat schliessen. Solche spielen sich aber auch in der Region der Sahelzone ab, wo sich durch die Trockenheit und die Ausbreitungstendenz der Wüste der Nahrungserwerb für die Vögel immer wieder sehr schwierig gestaltet.

Dem derzeitigen Jahrhundert ist der heute grösste Verlustfaktor auf dem Zug zuzurechnen – viele Störche kollidieren mit elektrischen Leitungen oder fallen Stromschlägen zum Opfer.

Wie wurde die Wiederansiedlung vorgenommen?

Eingeflogene Jungstörche aus Algerien wurden in Storchenstationen bis zur Erreichung der Brutreife in ihrer Freiheit eingeschränkt, und man liess sie dann frei, wenn sie Paare gebildet hatten und damit die Gründung einer Familie in Aussicht stand. Während diese Brutpaare das ganze Jahr bei uns verblieben, gingen ihre freifliegenden Jungen wieder auf den Zug, zusammen mit Störchen, welche aus nördlicher gelegenen Bruträumen bei uns durchreisen. Dies begann in Altreu, aber schon bald wurden Aussenstationen gebildet, um eine bessere Flächenabdeckung zu erreichen. Eine solche Aussenstation bildete ebenfalls die Station in Jonen. Anfangs gab es naturgemäss etliche Misserfolge. Von 36 Jungstörchen, welche 1955 von Algerien in die Schweiz geflogen wurden, kehrte nur einer als Brutvogel wieder in unsere Region zurück!

Grosse Rückschläge mussten immer wieder in Kauf genommen werden, indem Jungstörche in grösserer Zahl bei andauernder Nässe und Kälte ein-gingen. Das kritische Alter der Jungstörche ist dann erreicht, wenn sie von den Altvögeln nicht mehr genügend zugedeckt werden, andererseits ihr Gefieder noch nicht soweit entwickelt ist, dass es eine Durchnässung verhindert. Undurchlässige Horstböden verschlimmern eine solche Situation zusätzlich.

Wie soll es weitergehen?

Angesicht einer positiven Bestandesentwicklung in der Schweiz, aber vor allem auch in ganz Europa, wo zum Teil ähnliche Projekte durchgezogen wurden, gibt es heute keinen triftigen Grund mehr, Störche in Gefangenschaft zu züchten. Auch im Sinne des verstorbenen Storchenvaters Max Bloesch kann die eigentliche Ansiedlung abgeschlossen werden und die verschiedenen Stationen zu Informationszentren umstrukturiert werden oder wie im Falle Jonen aufgehoben werden. 1993 hat sich das letzte Paar von Bodenstörchen aus der Station Jonen verabschiedet und auf dem Elektromast bei der Kläranlage Ottenbach- Jonen 2 Junge aufgezogen!

Nun braucht der Storch, wie alle anderen Lebewesen auch, geeignete Le-bensräume im Brutgebiet, auf dem Zug und im Winterquartier, um sich zu entfalten und seinen Bestand zu sichern. So hoffen wir, dass uns der stolze Segler auch in der Region Reusstal erhalten bleibt.


Brutverhalten:

Horst: auf hohen freistehenden Gebäuden, Masten oder hohen Bäumen

Gelege: meist 3 bis 5 Eier nach Ablage des 2. oder 3. Eies

Brutdauer 30 bis 32 Tage

Brutbeginn meist im April

Bebrütung durch beide Elternteile

Schlüpfen: an aufeinanderfolgenden Tagen; Nestlinge deshalb oft verschieden gross

Gewicht: beim Schlüpfen rund 70 Gramm; tägliche Zunahme etwa 60 Gramm

Nestlingszeit: 58-64 Tage

Fütterung: durch beide Elternteile

Schutz: Ein Altvogel stets auf dem Horst, bewacht und hudert die Jungen, schützt sie vor Regen und Sonne

Ausfliegen: Juni bis Juli


Storchen- Webcam in Birri

Die Familie Bertholet, Zürcherstrasse 29, Birri AG, hat eine Webcam eingerichtet. Sie zeigt den Storchenhorst auf ihrem Haus. Die Störche können sehr schön und nah beobachtet werden. Da die Störche im Reusstal sehr synchron brüten, kann auch auf den aktuellen Zustand bei den Störchen auf dem alten Fabrikkamin Haas bei Hass Shopping und den Storchenhorst auf der Föhre bei Hansruedi Böhler, Stüdlerstrasse 24. Ottenbach geschlossen werden.2018 hat ein Storchenpaar ein Nest auf dem Baukran, Weihermatt 1, Ottenbach erstellt, wo ebenfalls gebrütet wird! > Gemeinde Aristau > Storchennest bei Bartholet's, oder > http://www.mars-bertholet.ch/2018 brütet hier kein Storch.


Bruterfolge auf dem Haaskamin Ottenbach und dem Elektromast Jonen von 1993 – 1998


Jahr Standort Brutpaar Anzahl Junge

1993 Haaskamin (Ottenbach) - -

Elektromast (Jonen) ja 2

1994 Haaskamin ja 2

Elektromast ja 2

1995 Haaskamin ja -

Elektromast ja 2

1996 Haaskamin ja -

Elektromast ja 2

1997 Haaskamin ja 3

Elektromast - -

1998 Haaskamin ja 2

Elektromast - -

Kommission für Natur- und Landschaftsschutz KNL Ottenbach

Werner Meuter


2008 Haaskamin ja - 2, bei schlechtem Wetter eingegangen

2009 Haaskamin ja 2 Erstflug der Jungstörche ca. 10. Juli

2010 Haaskamin ja 2 bei schlechtem Wetter eingegangen

2011 Haaskamin Bis mitte Mai gebrütet, kein Erfolg, danach mehrfach Begattungen auf dem Kamin, kein Erfolg

2012 Haaskamin 1 kräftiger Jungstorch gesichtet 28.5.2012 Jungstorch ausgeflogen

2013 Haaskamin 1 Storch sitzt immer ab Anfang April, abwechslungsweise, ab mitte Mai kein Dauersitzen mehr, event. sind junge Störche geschlüpft, viel Regenwetter. Das andauernde kalte und nasse Wetter haben mögliche Jungstörche nicht überlebt.Die 2 Störche machen keine Anzeichen von Brutpflege. Kein Bruterfolg.

2014 Haaskamin 1 Storch sitzt immer ab 30. März bis 15.Mai, ab da nicht mehr. Keine Brutpflege mehr sichtbar. Das nass-kalte Wetter hat zum Tod der/des Jungstorches geführt. 16.Mai: Neue Paarung beobachtet, kein Erfolg sichtbar. Kein Bruterfolg.

2015 Haaskamin Die Störche brüten erfolgreich, 2 Jungstörche überleben trotz z.T. nasskaltem Wetter und machen ab 19.6.2015 die ersten Übungen mit den Schwingen. Der Platz wird eng im Horst. die Jungstörche sind immer noch auf dem Kamin, gleich gross wie die Alten, zum Unterscheiden: die Jungen habe hellere Beine.14./15.7.2015 Die beiden Jungs törche sind zum ersten Mal geflogen!

2016 Ein Storch sitzt immer ab 2.April. 1. Juni, 1 Jungstorch gesichtet. 6.Juni, ein 2. Jungstorch gesichtet. Am ersten, schönen Tag im Juni (22.) tauchte noch ein dritter Jungstorch aus dem tiefen Nest auf! 7.7.2016 Die Jungstörche machen seit Tagen fleissig Übungen mit ihren Schwingen, der Platz auf dem Nest ist schon recht knapp. Noch hat keiner der Jungstörche den Erstflug gewagt. 18.7.2016 Seit einigen Tagen machen die Jungstörche kurze Rundflüge, kehren aber wieder zum Nest zurück und lassen sich von den Elternstörchen Futter bringen. Heute, 23.7.2016, um 09.00 Uhr ist tatsächlich kein einziger Storch mehr auf dem Nest. Es können also Alle fliegen.

2017 27.2.2017 Erstes Mal kopuliert.5.3.2017 kopuliert. 28.3.2017 Storch sitzt dauernd. Ab 10.Mai,die Störche sitzen oder fliegen nicht mehr. Die Jungstörche werden tot sein. Störche Birri: Alle 4 Jungstörche tot. Webcam: www.marsvision.ch

Die 2 Störche auf dem Fabrikkamin brüten schon seit vielen Jahren auf dem Kamin. Sie ziehen nicht mehr weg und sind regelmässig das ganze Jahr auf dem Nest anwesend.

2018 5.2.2018 Mit einem Kran wird etwa 3/4 des Storchennestes auf dem Fabrikkamin abgebaut. Es war zu hoch und auch schräg geworden. Die zwei langjährigen, bisherigen Störche auf diesem Nest, fangen wieder an das Nest aufzubauen. 22.3.2018 1.x gepaart. Ab 5.4.2018 Ein Storch sitzt dauernd. Pfingsten: Nur noch 1 Storch, keine Eier-oder Brutpflege. Warum? Event. 1 Storch verunglückt?

2018 Anfangs März. 2 andere Störche versuchen auf der Spitze des Baukrans auf der Baustelle MFH Weihermatt 1, einen Horst aufzubauen. 20.3.2018. Nach langem, unermüdlichen Arbeiten, gelingt es, ein Nest zu bauen.22.3.2018 1.x gepaart. Storch brütet. 2 Junstörche sichtbar.29.6.2018 Die 2 Jungstörche machen im Horst Uebungen mit den Flügeln. Woche 29, 16.-21.Juli. Jungstörche machen kleine Rundflüge, kehren aber zum Horst zurück und werden weiter von den Alten gefüttert

2019 Der Solo-Storch wurde während des Jahres 2018 immer wieder von Störchen angegriffen, hat seinen Kaminplatz aber behaupten können. 2019 wurden die Attacken heftiger. Seit dem 19. Februar früh stehen 2 Störche auf dem Kamin und klappern zusammen. Der Solo-Storch wurde vertrieben. Seite dem 30.März Sitz ein Storch dauernd. Seit ungefähr dem 24.5.2019 sind 2 Jungstörche sichtbar. 3.Juli 2019: Erstflug, die Jungstörche kehren aber immer wieder zum Nest zurück und werden auch von den Alttstörchen gefüttert.

2020 Der Solostorch hat nach dem Ausfliegen der Jungstörche das Nest wieder in Besitz genommen, von Sept. 2019 bis Januar 2020 war der Solostorch regelmässig auf dem Nest.10, 11,12, Februar griffen mehrere Störche den Solostorch auf dem Kamin an. Er wurde vertrieben, ab 13.2. stehen 2 Störche auf dem Kamin. 4.3.2020 1x gepaart.Seit 21.3.2020 sitzt dauernd 1 Storch auf dem Nest. 24.5.2020, bei schönstem Wetter, sind um 8.00 Uhr 2 Jungstörche sichtbar, bald darauf ist auch ein dritter Jungstorch sichtbar. Ab der Kalenderwoche 24 (ab 8.6.2020) machen die Jungstörche Flügelübungen auf dem Nest.7.Juli 2020, gegen 16.00 Uhr, alle 3 Jungstörche machen den ersten Flug, gegen 19.00 Uhr sind alle drei Jungstörche wieder auf dem Haaskamin!

2021Der Solostorch war auch im Herbst/Winter regelmössig zu Besuch. Am 3.2.2021 und in den folgenden Tagen standen unerwartet 2 Störche auf dem Haas-Kamin. Die beiden haben sich offenbar richtig gefunden, seit dem 20. März sitzt immer ein Storch.


Wo überwintern die Schweizer Störche ?

Immer mehr Störche verbringen den Winter in der Schweiz und nicht im wärmeren Süden. Anfang Januar zählten Freiwillige insgesamt 718 überwinternde Weissstörche. Über 300 weitere wurden in benachbarten Gebieten im Ausland erfasst.

Die Zahlen sind das Ergebnis der fünften Winter-Storchenzählung in der Schweiz, wie die Gesellschaft Storch Schweiz am Montag der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mitteilte. (1.2.2021) Gestiegen ist die Zahl der Brutstörche, der überwinternden Störche und auch der Anteil der Störche, die im Winter nicht nach Süden ziehen.

Die freiwilligen Helferinnen und Helfer sichteten und zählten nicht nur einzelne Tiere, sondern auch mehrere Gruppen von mehr als 20 Vögeln. Die grösste davon mit 180 Störchen wurde am Flachsee der Reuss bei Bremgarten AG erfasst.

In der Zählung 2020/21 wurden am 9. Januar 1360 Brutstörche gezählt. Mehr als die Hälfte davon – 718 – verbrachten die kalte Jahreszeit in der Schweiz. Im Jahr davor waren 1132 Brutstörche registriert worden und 527 Überwinterer.

Storch Schweiz geht davon aus, dass meist Altvögel in der Schweiz bleiben, während die Jungvögel nach Süden fliegen. Es stelle sich die Frage, wie lange es dauere, bis die meisten Altvögel auf den Zug nach Süden verzichten würden, schreibt Storch Schweiz.


sie auch Der Weissstorch - Teil 1

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