Bernhardinerzucht Edi Rodel Ottenbach

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Weltbekannt

Die Bernhardinerzucht von Edi Rodel in Ottenbach

Von Willy Hug

Währen über 40 Jahren, von 1950 bis 1994, züchtete Edi Rodel Bernhardinerhunde. Die Käufer kamen aus der ganzen Welt; von Amerika wie auch von Japan reisten sie nach Ottenbach. Der ehemalige Bauernsohn und Metzger gewann in dieser Zeit mit seinen Hunden unzählige internationale Auszeichnungen. “Vater der Bernhardiner“ wurde Rodel genannt; er besass die weltweit grösste Bernhardinerzucht.

Wenn man in Edis Chalet eintrat, war im Korridor eine grosse Weltkarte mit vielen eingesteckten farbigen Nadeln zu sehen. Diese Nadeln waren in 55 Ländern auf alle Kontinente verteilt und zeigten, wohin seien Hunde geholt wurden. Sowohl in Süd- als auch in Nordamerika, in afrikanischen Staaten, in Australien und sogar mitten in Sibirien steckte eine Nadel. Stolz erzählt Edi Rodel, dass er in die USA und auch nach Japan je etwa 300 Hunde verkauft habe. Insgesamt dürften es weltweit gegen die 3000 Bernhardinerhunde gewesen sei, allesamt kerngesunde, schöne Tiere mit Stammbaum aus Ottenbach.

Vom Bauernsohn zum Metzger

Eigentlich hätte Edis acht Jahre älterer Bruder den elterlichen Bauernhof übernehmen sollen. Edi machte eine Metzgerlehre, die er in Mettmenstetten begann und in Horgen abgeschlossen. Aber dann kam es anders. Kurz darauf starb sein Vater, und Edi musste in seine Fussstapfen treten. Sein Vater war auch Jagdaufseher und züchtete Jagdhunde. So machte Edi bereits früh seine ersten Erfahrungen mit der Hundezucht. Mittlerweile hatte er seine Frau kennengelernt, und nach der Heirat übernahm er die beiden Bauernhöfe vom Vater und vom Schwiegervater in Ottenbach.

Erster Bernhardiner

Fast zufällig kam Edi zu einer Bernhardinerhündin, und er begann mit der Zucht. Die Arbeit mit den Hunden machte ihm unheimlich Spass und Befriedigung. In den fünfziger Jahren siedelte er aus und baute ein schönes Chalet an prächtiger Hanglage ausserhalb des Dorfes. Hier gab es auch genügend Platz, um grosse Zwinger zu bauen. Stolz erzählt Edi, dass er mehrmals auch aus Tierschutzkreisen gerühmt wurde, für seine prächtigen und grossen Anlagen. Daneben baut er ein kleines Schlachthaus. Krankes Vieh brachten die Bauern dem gelernten Metzger.

Nebst Fleisch bekamen die Hunde auch Flocken zum Fresse, bei bis zu 130 Hunden gab das die stattliche futtermenge von 500 bis 600 Kilogramm täglich. Die Welpen bekamen jeden >Morgen eine Brühe aus Hirse Vollmehl, Biskuits und gekochtem Fleisch mit Vitaminzusätzen. Dreimal täglich erhielten sie frisches Wasser und abends noch ein grosses Fleischstück. Eine Hündin durfte höchsten nur ein- bis zweimal pro Jahr werfen, und nur die kräftigsten und schönsten Welpen durften bleiben, um die Mutter nicht allzu sehr zu schwächen. Insgesamt konnte eine Hündin sechs bis sieben Würfe haben. Ein ausgewachsener Bernhardiner wog zwischen 70 bis 90 Kilogramm und verfutterte täglich zwei bis drei Kilo.

Weltruhm

In Edi Rodels Chalet erinnerten eine Fülle Pokale und Auszeichnung gen an vergangene Zeiten, als seine Bernhardinerzucht weltberühmt war. Mit ihnen gewann er alle internationalen Wettbewerbe von Rang und Namen. „Keine Gaggelari-Ausstellungen“, wie er sagte. So wurde zum Beispiel der „Lord vom Säuliamt“ 1960 Champion der USA, „Figaro“ wurde in Monaco bester Hund aller Rassen und gewann auch in Amerika das Championat. Zu noch grösseren ehren brachte es einer von Figaros Söhnen. Er marschierte bei der Parade anlässlich der Amtseinsetzung von Präsident Johnson als Maskottchen von der Feuerwehr Chicago mit. Zuvor war er von der Swissair dem Bürgermeister geschenkt worden. Die ersten Bernhardiner welche in die USA reisten, begleitete Edi Rodel. Jedes Mal waren die Presse und die Filmwochenschau zugegen.

Die stämmigen Bernhardiner aus Ottenbach waren Sympathieträger ersten Ranges für die Schweiz. Insgesamt hat Rodel etwa 45 Mal internationale Zuchtgruppensiege errungen. Unzählige Fernsehstationen waren bei seiner Bernhardinerzucht zu besuch. Das britische Fernsehen BBC drehte tagelang, und auch das amerikanische Fernsehen ABC, das damals bereits in Farbe drehte, war eine Woche zu Gast. Die Kameraleute aus San Francisco hatten den Auftrag, einen Film über Lawinenhunde in der Schweiz zu drehen. Der Film zeigte die Aufzucht der jungen Welpen und den Einsatz eines stämmigen Bernhardiners als Lawinenhund. Unbestrittener Held des Films war der „Tarass vom Säuliamt“. Edi Rodel kam ins Schwärmen, wenn er von diesem prachtstier erzählte. „Tarass“ war fast zwei Meter hoch, wenn er auf den Hinterbeinen stand, und etwa 100 Kilogramm schwer. Er war aussergewöhnlich intelligent. „Eigentlich eher wie eine Mensch als ein Hund“, sagte Edi Rodel. Für diesen Film wurde Rodels Tochter auf dem Gotthard-Hospiz mehrmals unter zwei Meter Schnee begraben. Doch „Tarass“ entledigte sich zum Erstaunen der amerikanischen Fernsehleute seiner Aufgabe mit unglaublicher Geschwindigkeit und grub die junge Frau jeweils im Nu aus. Die „Lords“, „Figaros“, „Tarasse“ von Edi Rodel zierten auf der ganzen Welt die Titelblätter der Zeitschriften. Immer hatten sie das Fässli mit dem Schweizer Kreuz angehängt. Während Jahrzehnten waren an vielen Kiosken Rodels stolze Bernhardiner als Ansichtskarten zu kaufen.

Erfolge

Warum hatte gerade Edi Rodel solche Erfolge nachzuweisen, wie vorher und nachher keine Züchter? Die Antwort ist sicher in der Person von Edi zu finden. Wie seine Bernhardiner war er in jüngeren Jahren sehr stämmig und kraftstrotzend. Dazu kam sein eiserener Fleiss und Wille. Sicher herhörte dazu auch Talent. Als Bauer und Metzger kannte er die Tiere gut, hatte ein feines Gespür für sie. „Eigentlich hätte ich Tierarzt werden wollen“, sagt er heute, „aber das lag von zu Hause auf nicht drin“. Unabdingbar für die grossen Erfolge war auch seine Ehrlichkeit als Züchter.

Für die Bernhardinerzucht besass er 8 Zuchtrüden und 40 Muttertiere, daneben noch 10 Pferde, 20 Stück Vieh, 10 Rinder, eine Schweinezucht, eine Forellenzucht und zudem Pfauen und Fasanen. Hunderte von jungen Leuten haben bei ihm (strenge) Reitstunden genossen. Es gab auch schwierige Zeiten, dann, wenn sich zum Beispiel die Staube (Viruskrankheit) bei seinen Hunden während Monaten ausbreitete und die ganze Zucht zu eliminieren drohte. Es war zum Verzweifeln, aber er habe „den Grind nicht hängen lassen“, wie er sagt, und durchgehalten. Eine sehr grosse Stütze war all in diesen Jahren seine geliebt Frau, sie verstand es, ihn auch in schwierigen Zeiten immer wieder aufzumuntern. „Fachlich ist sie mir in nichts nachgestanden“, sagt Edi Rodel.

Einen grossen Anteil trugen seine drei Töchter und sein Sohn bei. Wenn Edi mit seinen Bernhardinern wieder einmal im Ausland an Wettbewerben oder an grossen Festanlässen war, haben seine vier Kinder zusammen mit ihrer Mutter die Arbeit im Haus übernommen. Ein ständiger treuer Begleiter auf den langen Fahrten ins Ausland war Edis Freund Albert Ebnöther. Oft sind sie, als Mönche vom St. Bernhard-hospiz verkleidet, mit ihren vierbeinigen Prachtkerlen an Festumzügen mitmarschiert.

„Rodel gibt’s nur einmal“

Fast jede Woche kamen junge Hunde zur Welt, und das meistens nachts. Gelegentlich zwei- bis dreimal pro Nacht. Dafür gab’s ein heizbares, 30 Meter langes Hundehaus. Wenn Edi Rodel davon erzählte, war zu spüren, dass da ein Züchter mit Leib und Seele am Werk war. Wichtig war ihm auch das Bestreben, immer wieder aus neuen Erkenntnissen zu lernen. Täglich beantwortete er unzählige telefonische und schriftliche Anfragen aus der ganzen Welt. Es galt auch, die vielen per Cars anreisenden Besucher zu begrüssen. In Edis Gästebüchern durften sich jenen Besucher eintragen, die einen Hund kauften. Darunter ist viel Prominenz aus der Fiel,- Musik,- und Sportwelt auszumachen. Ein junger Hund kostete 1600 Franken. Für ausgewachsenen Spitzenhunde mit internationalen siegen wurden bis 12‘000 Franken bezahlt. Edi Rodel ist wohl zu Weltruhm gekommen, aber er sagt, dass es mit unheimlich viel Arbeit verbunden war.

Beim Gespräch im Jahre 2000 war es ruhiger geworden auf dem Anwesen des damals 84-jährigen. Als seine Frau drei Jahre zuvor starb, hat er alle Zwingeranlagen abgeräumt. Kurze Zeit später zog er ins Urnerland, wo eine Tochter lebt. In Erinnerung geblieben ist vom Gespräch auch seine Antwort auf die Frage, warum er die Hundezucht nicht verkauft habe. Edi antwortete energisch: „Niemals, Rodel gibt’s nur einmal!“

Das im Text beschriebene „Chalet an prächtiger Hanglage“ liegt an der Jonentalstrasse 9, CH-8913 Ottenbach, Richtung Schützenhaus Jonen-Ottenbach

Edi Rodel ist im Grab seiner Ehefrau Hermine auf dem Friedhof Ottenbach begraben.

Rodel-Berli Hermine *1913 †1997

Rodel-Berli Edi *1916 †2011


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Quelle: Willy Hug, Alte Geschichten aus dem Säuliamt, 2006,Verlag Kappeler Freundeskreis

70 Geschichten aus allen 14 Gemeinden des Bezirkes Affoltern, mit über 250 teils grossformatigen Bildern sind in dem 320 seitigen Band vereinigt. Alle Geschichten sind schon einmal im „Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern“ erschienen. In diesem schön gestalteten Text- und Bildband liegen sie nun gesammelt vor. Eine Fundgrube für jeden Ämtler, für jede Ämtlerin!

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"Zwinger vom Säuliamt" - eine Bernhardinerzucht in Ottenbach

Herkunft der Bernhardiner

Der Bernhardiner stammt - wie der Name schon sagt - aus der Zucht der Mönche am Grossen St. Bernhard. Durch Kreuzung mit den Landseehunden entstanden die heutigen Langhaarbernhardiner. Der wohl berühmteste dieser Rasse, genannt „Barry“, rettete seinerzeit über 40 Menschen am Grossen St. Bernhard aus Schnee und Eis und ist heute noch im Naturhistorischen Museum in Bern zu bewundern.

Die Anfänge der Bernhardinerzucht in Ottenbach

Die Bernhardinerhunde aus der Zucht von Familie E. Rodel, Ottenbach, werden seit bald 35 Jahren in alle Welt exportiert. 1947 kaufte Edi Rodel eine Bernhardinerhündin auf seinen Bauernhof. Es war ein gutes Tier, jedoch keine Schönheit. Mit zwei Jahren liess er die Hündin durch einen Bernhardinerrüden von Metzger Furrer, Affoltern, decken, und bereits mit dem zweiten Wurf besuchte Herr Rodel 1950 eine Ausstellung, wo auch schon der erste Verkauf ins Ausland erfolgte. Seither habe sich vieles geändert, meint er, und erzählt lächelnd von den vier Richtern, welche damals die nur 15 Ausstellungstiere begutachteten.

Als ehemaliger Bauernsohn hat sich Edi Rodel schon früh mit der Vererbungslehre befasst. Sie hatten schon auf dem elterlichen Hof Hunde gehalten, da der Vater nebst Landwirtschaft und Viehzucht, noch als Jagdaufseher amtete. Dieses Wissen kam ihm dann bei der Hundezucht zugute. Überhaupt, meint er weiter, höre man immer wieder Stimmen, die von Überzüchtung und Inzucht der Bernhardinerrasse sprechen. Doch bei gewissenhafter Aufzucht sei dies nicht der Fall. Natürlich brauche es immer wieder neue Zuchttiere, um so Garantie für eine gesunde Rasse zu haben. Dass dies im „Zwinger vom Säuliamt“ der Fall ist, davon zeugen die unwahrscheinlich vielen Pokale, Medaillen, Becher und Teller. Im Jahre 1979 errang er mit seinem Hund „Vasall“ die Goldmedaille an der Weltausstellung in Bern. Sicher die begehrteste Ehrung eines jeden Züchters.

„Tarrass“, sein berühmtester Bernhardiner

Mit 38 Jahren hat Herr Rodel einen Lawinenkurs besucht, der ihn berechtigt, Tiere aus seiner Zucht als Lawinenhunde auszubilden. Dabei erzählt er mit grosser Begeisterung von seinem wohl berühmtesten Hund „Tarrass“, laut Geburtsurkunde im Dezember 1960 in Ottenbach geboren. Ein prächtiger Rüde, der sich hervorragend zur Zucht eignete und zu grosser Berühmtheit im Fernsehen gelangte. „Er war für uns wie ein Freund“, meint Herr Rodel weiter, und man glaubt ihm, dass der Tod des zwölfjährigen Rüden für die ganze Familie ein grosser Verlust war.

Die ganze Familie hilft mit!

Durch grossen Arbeitseinsatz und viel Idealismus seitens der ganzen Familie, gelangte der „Zwinger vom Säuliamt“ zu weltweitem Ruhm. „Als die Kinder noch zu Hause waren und mithalfen“, erzählt jetzt Frau Rodel, „hatten wir bis zu 120 Hunde. Dass man da manchmal rund um die Uhr, vor allem wenn viele Junghunde zu betreuen waren, auf den Beinen war, kann sich derjenige lebhaft vorstellen, der selber schon Junghunde aufgezogen hat“. Staunend erfahre ich, dass Junghunde ab viertem Monat täglich 5 kg Futter erhalten, das sich aus Fleisch, Flocken, Kartoffeln oder Teigwaren zusammensetzt. Bei Gebisswechsel erhalten alle Tiere ein Spezialmittel, damit ihr Wachstum nicht gefährdet wird. Mit zirka 15 Monaten ist das Tier ausgewachsen und erhält nun nur noch 1 kg Futter täglich. Ein ausgewachsenes Tier wiegt etwa 80 kg, wobei die Rüden schwerer sind als die Hündinnen. Herr Rodel ist der Ansicht, dass die Hunde unbedingt diese Futtermengen brauchen, um gesund und kräftig heranzuwachsen. Er hält nichts von den neuen Ideen, den Tieren möglichst wenig Futter zu geben, um so eine längere Lebensdauer zu erreichen. Ein Bernhardiner wird durchschnittlich 10 Jahre alt.

Über 800 Hunde nach Amerika exportiert!

Hauptabsatzgebiet ist Amerika, wohin in den letzten 35 Jahren bereits über 800 Tiere exportiert wurden, unter anderem der berühmte Maskott-Hund „Omar“ der Chicagoer Feuerwehr. 1963 brachte Herr Rodel anlässlich eines Eröffnungsfluges Chicago-Montreal den Rüden „Omar“ eigenhändig nach Chicago und einen weiteren nach Montreal. Die Tiere wurden samt Züchter mit grossem „Hallo“ empfangen. Zwei Jahre später erhielt das Ehepaar Rodel erneut eine Einladung nach Chicago mit der Bitte, eine Frau für „Omar“ mitzubringen. Bei der Landung wurden Herr und Frau Rodel durch einen grossartigen Empfang auf dem Flugplatz überrascht. Die Feuerwehrmusik spielte auf, und die Vermählung der jungen Hündin mit dem stattlichen „Omar“ fand mit Glanz und Gloria auf dem Flughafen statt. ein zweiter“Zwinger vom Säuliamt“

So könnte Herr Rodel noch manch interessante und unglaubliche Episode erzählen, die er und seine Frau dank der Berühmtheit ihrer Hunde erlebt haben. Beeindruckend war für die beiden ein dreiwöchiger Aufenthalt in Südafrika. Das Ehepaar wurde vom dortigen Bernhardinerclub eingeladen, um den 300 Mitgliedern von ihren reichen Erfahrungen als Züchter mit Rat und Tat das Nötigste übermitteln. Es existiert zum Beispiel eine Bernhardinerzucht in Johannesburg, die sich ebenfalls „Zwinger vom Säuliamt“ nennen darf. Natürlich stammen die Tiere zum grössten Teil aus Ottenbach, und der Name ist ein Geschenk der Familie Rodel an einen guten Freund und Bernhardinerliebhaber.

Prominente Gäste in Ottenbach

Beim Durchblättern der drei Gästebücher trifft man immer wieder auf bekannte Namen, wie beispielsweise Marie-Theres Nadig (stolze Besitzerin von zwei Bernhardinern), Hans A. Pestalozzi, Jost Ribary, Zarli Carigiet, Rolf Liebermann, den Maler Varlin, den Violinvirtuosen aus Moskau, Alalin Coghan, Prinz Napoleon Buo-naparte (4. Generation) usw. Schriften aus aller Welt sind in diesen Büchern verewigt und zurück bleiben viele schöne Erinnerungen, welche die schweren Zeiten (Staupenepidernie 1969) vergessen lassen. Heute (1984) ist es bei Rodels etwas ruhiger geworden. Die Kinder sind weggezogen. Eine Tochter lebt in New York. Momentan befinden sich im Zwinger noch 12 Hündinnen und 4 Rüden, wobei mit den Jungtieren zusammen noch 35 Hunde zu betreuen sind. Doch da leben noch 6 Pferde, auch eine Passion von Edi Rodel, der bis vor einigen Jahren ein begeistertes Aktivmitglied des Reitvereins Muri war.

Da naht jedoch bereits das nächste Ereignis. Am 27. Mai 1984 findet in Lenzburg eine internationale Bernhardiner-Ausstellung statt, aus Anlass des 100 jährigen Bestehens des Schweizerischen St. Bernhard-Clubs. Als Ehrenmitglied habe er auch hier Verpflichtungen zu übernehmen, meint Edi Rodel, denn es gelte Vorbereitungen zu treffen für verschiedene Gäste aus Übersee.

So löst ein Ereignis das andere ab, und es ist verständlich, wenn sich die Eheleute Rodel nach etwas ruhigeren Zeiten sehnen. Vorläufig jedoch ist die Nachfrage nach Bernhardinerhunden aus dem „Zwinger vom Säuliamt“ immer noch gross, so dass wohl mit Rücktritt in den Ruhestand noch etwas zugewartet werden muss.

Vreni Fritsche


Die Geschichte vom "Zwinger vom Säuliamt" erschien im Dorfheft Nr.23, Juni 1984. Herausgeber: Gewerbeverein Ottenbach


Eduard Rodel - ein Weltmeister blickt zurück

Im Telefonbuch steht ganz einfach: Eduard Rodel, Bernhardiner-Zucht. Nicht erwähnt wird dabei, dass Eduard Rodel im Verlauf seiner Züchterkarriere mit seinen Bernhardinern über 500 Preise gewonnen hat, darunter einen Weltmeistertitel, und an einer Welthundeausstellung den ersten Preis für die schönste Zuchtgruppe aller Klassen (höchste mögliche Auszeichnung in dieser Kategorie).

Vielseitig

«Dabei», erinnert sich der heute 75jährige, «wollte ich eigentlich gar nie Hunde züchten.» Obschon bereits sein Vater Hunde aufzog - allerdings Vorstehhunde, Dackel und Spaniel, schliesslich war der ja Jagdaufseher im Nebenamt. Eduard Rodel war zwar wie sein Vater ein Tiernarr, aber er setzte seinen Ehrgeiz lieber dafür ein, auf seinem Hof eincn der schönsten Viehstände vom Amt zu haben, der zudem am meisten Milch hergab. Und heute noch, wenn man sein Haus betritt, fallen einem zuerst einmal die vielen Preise auf, die er mit seinem Vieh gewonnen hat. Daneben besorgte er noch eine Fischzucht - «mit manchmal bis zu 80'000 Forellen». erklärte er voll Stolz. Zudem hielt er Pferde - «bis zu einern Dutzend und mehr» - und gab Reitunterricht für Kinder. Als gelernter Metzger half er daneben an mancher «Metzgete» aus und amtierte an vielen Festen als Festkoch. Dies alles, nebst der Bewirtschaftung von zwei Bauernhöfen - sowohl sein Vater wie auch der seiner Frau waren relativ früh verstorben -, liess eigentlich keine Zeit für Hunde. Und gleichzeitig «war auch das Geld knapp, schliesslich musste ich ja an meine Mutter wie auch an die Schwiegermutter Pachtzinsen zahlen und diese waren manchmal schwer aufzutreiben». Wie aber häufig im Leben, spielte auch hier der Zufall Schicksal. «Man darf es zwar fast nicht erzählen», meint Eduard Rodel, «aber mein damaliger Schäferbastard riss mir, als ich einmal weg war, zwei meiner eigenen Schafe, und ich musste ihn erschiessen». Kein Wunder, dass Eduard Rodel als Ersatz einen besonders «lieben und gutmütigen» Hund suchte, und schliesslich werden ja Bernhardiner als solche gelobt.

Der erste Bernhardiner

Über ein Inserat kam er zu seiner ersten Bernhardiner-Hündin, «Bella von Büetigen“, aus Kirchlindach. Er hatte zwar weder die Zeit noch das Geld, sie vor dem Kauf zu begutachten; er verlangte einfach am Telefon «eine schöne Hündin». Die Bernhardinerdame, die dann einige Zeit später bei ihm abgeliefert wurde, war dann auch ein Prachtsstück. Allerdings kostete sie auch ein Prachtsgeld. «Immerhin 280 Franken, für die damaligen Verhältnisse recht viel», erinnert sich Eduard Rodel. «Meine Schwiegermutter meinte dann auch, ich würde gescheiter pünktlich zinsen, als einen so teuren Hund zu kaufen.» Aber schon der erste Wurf von Bella konnte er so gut verkaufen, dass dadurch alle Unkosten gedeckt waren, was die Schwiegermutter wieder beruhigte und sie sich von den Bernhardinern überzeugen liess. Immer noch, ohne züchten zu wollen, führte Eduard Rodel von Anfang an über alle Hunde Buch, über die eigenen wie die verkauften. Dies kam ihm später, als er wirklich ernsthaft in die Zucht einstieg, sehr zugute. «Die Schreiberei», meint seine Frau dazu, «gab zwar mit der Zeit eine Heidenarbeit, aber wir verloren so nie den Überblick.» Dies galt auch später noch, nach 40 Jahren Berhardinerzucht, bei einem Eigenbestand von gegen 120 Hunden und bei über 3000 in 99 Länder der Welt verkauften Berhardinern. Was als willkommener Nebenverdienst begonnen hatte, war in der Zwischenzeit schon lange zur Haupttätigkeit der ganzen Familie Rodel geworden. Denn um die anfallende Arbeit zu bewältigen, mussten alle drei Kinder fleissig mithelfen. Und der Fleiss wurde belohnt: «40 Jahre lang habe ich gezüchtet, und ich musste für den Verkauf meiner Hunde nie ein Inserat machen», meint dazu der Bernhardiner-Vater, «dabei hatte ich einmal 69 junge Hunde miteinander.» Für Reklame sorgte er durch seine Teilnahme an Ausstellungen und Wettbewerben. Mit viel Fantasie präsentierte er dabei seine Prachtshunde - z. B. indem er die Hunde mit seiner Familie in Schweizer Trachten oder auch einmal in Mönchskutten vorführte (Bernhardiner wurden ja erstmals von den Mönchen am Hospiz des Grossen St. Bernhard gezüchtet). Dabei gewann er geradezu eine Flut von Preisen - in der Schweiz wie im Ausland.

Erste Erfolge

Den erste internationale Grosserfolg war ihm 1959 beschieden. Sein Bernhardiner «Lord vom Säuliamt» wurde in New York zum «schönsten Hund von ganz Amerik» auserkoren. Als Preis gewann er dafür einen echten Goldpokal. «Der hat mit seinen 6500 Schweizer Franken mehr gekostet als mein Hund, den mir damals ein amerikanischer Millionär für Fr. 5000.- abgekauft hat», sinniert dazu Eduard Rodel. Ein weiterer Grosserfolg gelang 1962 in Monaco, wo Rodel mit drei seiner Hunde sowohl den ersten Preis für die schönste Zuchtgruppe aller Rassen gewann, als auch alle drei Hunde als Einzelsieger platzieren konnte. « Prinzessin Charlotte von Monaco selber hat mir dabei zum Erfolg gratuliert und die Preise überreicht», erinnert sich der Züchter. Als Beweis legt er ein persönliches Schreiben tlcr Prinzessin und ein Foto der Preisverleihung vor. Im gleichen Jahr begannen seine guten Beziehungen zur Swissair. Als Geste für die Landeerlaubnis in Chicago wollte diese dem damaligen Oberbürgermeister Wagner offiziell einen Berhardiner überreichen. Und dafür wurde «Onar von Säuliamt» von Eduard Rodel ausgesucht. Und die Rodels durften diesen im Auftrag der Swissair persönlich überbringen. So waren sie mit ihrem Hund bei der ersten Landung einer Swissair-Maschine in Chic:ago dabei. «Empfangen wurden wir von der Feuerwehrmusik Chicago, die am Flughafen mit 120 Mann aufspielte», erzählte dazu Rodel. Das Ganze war ein Riesenerfolg, so dass die Swissair noch etliche Male auf die Rodels und ihre Bernhardinerzucht zurückkam.

Weltmeister!

Der allergrösste internationale Erfolg kam dann aber 1979 - und zwar zweimal in der Schweiz, an der Welthundeausstellung. In Bern gewann Eduard Rodel mit seinem Langhaar-Rüden, «Vasall voll Säuliamt». den Weltmeistertitel und in Lenzburg erhielt den ersten Preis für die schönste Zuchtgruppe aller Rassen. Gerne erinnert sich der 75jährige ans Jahr 1981. In diesem Jahr verkaufte er 17 Hunde an den südafrikanischen Bernhardinerclub in Victoria/Johannisburg. Für die Übergabe wurde er mit seiner Frau für drei Wochen nach Südafrika eingeladen. «Es war einmalip», meinen die beiden heute noch, «allertlings sehr streng.» 3 Wochen lang ging es von Anlass zu Anlass -- und an den meisten Orten musste Eduard Rodel einen Vortrag oder zumindest eine Ansprache halten. «Und dies, obschon mein Englisch gar nicht besonders gut ist», lacht der Züchter verschmitzt.

Ein guter Erzähler und Gastgeber

Heute ist es um die Rodels eher etwas still geworden. Zwar bewirtschaften die beiden mit ihren über 70 Jahren ihr Heimetli immer noch alleine. Aber die Kraft reicht nebst Haus und Garten nicht mehr auch noch für Tiere. Fische gibt es schon lange keine mehr, die Hunde wurden nach und nach alle bis auf einen - allerdings auch schon recht betagten - Bernhardiner und einen Dackel verkauft, «und am letzten Wochenende habe ich noch mein letztes Pferd weggegeben». meint der Tierliebhaber Rodel mit Wehmut. «Aber meine Frau braucht mich jetzt; ihr geht es gesundheitlich nicht so gut. Und ich brauche meine Frau. Wäre sie nicht mehr da, würde ich es auch nicht mehr lange machen.» Nur manchmal ist es gegenüber der Hektik von früher gar ruhig. Aus dem Haus mögen die beiden fast nicht mehr gehen. Sicher, die Kinder kommen öfters zu Besuch und ab und zu auch andere Gäste. Aber der kontakt- und redefreudige Rodel würde schon noch mehr ertragen. Mich wollte er auf jeden Fall kaum gehen lassen. Er hatte den ganzen Abend reserviert, meinte er, und auf ein Gläschen Wein solle ich auf jeden Fall noch bleiben - «bei mir hat noch jeder etwas bekommen». Und ich muss ehrlich gestehen, eigentlich wäre es interessant gewesen, ihm noch länger bei seinen Geschichten zuzuhören. Aber leider war ich verabredet. Nun, wer weiss, vielleicht hole ich die Geschichten noch mal nach.

Mario Bolliger

"Eduard Rodel - ein Weltmeister blickt zurück" erschien im Juni 1992 im Dorfheft "De Ottebächler" Nr. 55. Herausgeber: Gewerbeverein Ottenbach


Ein Kurzfilm von BBC über Edi Rodel und seine Hunde

https://twitter.com/bbcarchive/status/1161606273969905669

Gaby Noser Fanger, Ottenbach, hat diese Archivperle gefunden und dem Wikipeter zugeschickt, besten Dank! 8.9.2019


Im gut fünfminütigen S/W-Film aus dem Jahr 1963, ist der BBC-Reporter mit einem Bernhardiner, Edi Rodel im Berufsmantel bei der Dressurvorführung mit einem Bernhardiner, junge Bernhardiner beim Fressen uam. zu sehen. Kurz ist auch das damals neu erbaute Chalet der Familie Rodel an der Jonentalstrasse zu sehen.

Auszug aus dem Beitrag von Willy Hug am Anfang der Rodel-Wikipeterseite

Die stämmigen Bernhardiner aus Ottenbach waren Sympathieträger ersten Ranges für die Schweiz. Insgesamt hat Rodel etwa 45 Mal internationale Zuchtgruppensiege errungen. Unzählige Fernsehstationen waren bei seiner Bernhardinerzucht zu besuch. Das britische Fernsehen BBC drehte tagelang, und auch das amerikanische Fernsehen ABC, das damals bereits in Farbe drehte, war eine Woche zu Gast.

Wenn jeweils "fremde Autos" im Hinterdorf Ottenbach, Richtung Chalet Rodel, gesichtet worden, breitete sich die Nachricht schnell aus im Dorf, das "Buschtelefon" funktionierte. Man war stolz auf den bekannten Ottenbacher mit seinen weltbekannten Hunden.In vielen Zeitungen und Heftli wurde über die Hunde und Ottenbach berichtet. (Erinnerungen Peter Eichhorn)


Nachtrag

Peter Aebersold, aufgewachsen in Ottenbach, ist im Wikipeter auf den Artikel über die Bernhardinerzucht von Edi Rodel, Ottenbach, gestossen. Er hat dazu noch interessante Informationen über seinen Vater, Fritz Aebersold, geliefert und erlaubt, diese auf Wikipeter zu veröffentlichen.

Die Sattlerei Fritz Aebersold, Ottenbach

Tulpenbaum Aebersold Ottenbach Dia von Joh.Fisch um 1953 1959.jpg

Sein Vater, Fritz Aebersold, betrieb eine Sattlerei an der Muristrasse 8. Er hat am Anfang der Rodel-Bernhardiner-Zucht die berühmten Fässli bemalt, welche die Rodel-Bernhardiner am Hals trugen. Auch Hundehalsbänder, Hundegeschirr stellte er her. Die Bernhardiner, samt Fässli, wurden in die ganze Welt verkauft.

Fritz Aebersold, †1979, war ein stiller, unermüdlicher Schaffer und Kunsthandwerker. Er übernahm 1940 die Sattlerei von August Hegetschweiler, „Sattler-Guschti “genannt. Fritz Aebersold hat alles gemacht: Polstermöbel, Matratzen, Bodenlegen, Tapezieren, Rossgeschirr, später Militärrucksäcke, Brotsäcke, Gürtel , usw. Seine Frau Alice, †1999, nähte Vorhänge und half mit bei den Militärarbeiten. Was man mit Leder alles machen kann hat er gemacht, natürlich auch viele Reparaturarbeiten, z.B. Ledertreibriemen, wenn sie mangels Pflege mit Fett spröde wurden. Das Handwerk war auch sein künstlerisches Hobby. z.B. die Restaurierung von historischen Feuerwehreimern oder die kunstvolle Verzierung von Lederartikeln mittels Punzierung.

Sein Sohn Peter hat auf der Wikipedia-Seite des Sattlerhandwerks das Foto mit den Originalwerkzeugen seines Vaters hochgeladen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Sattler . Zur Punzierung gibt es ebenfalls eine interessante Wikipedia- Seite: https://de.wikipedia.org/wiki/Punzierung

Quelle: Peter Aebersold, Autor: Peter Eichhorn. Erstellt am 30.11.2013

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